Buochs-Kubaner hilft seinen Landsleuten

KATASTROPHE ⋅ Der verheerende Hurrikan wütete nicht nur über Haiti. In Baracoa im Osten Kubas haben 80 Prozent der Häuser kein Dach mehr. Kuba-Fan Cyrill Bannwart aus Buochs hilft auf unkonventionelle Art.

11. Oktober 2016, 05:00

Hoffentlich steuert der Hurrikan nicht direkt auf Baracoa zu, war der erste Gedanke von Norgelis Terán Hechavarría (Bild, 28) und seiner Frau Melanie Ittmann (29), als vergangene Woche die ersten Warnungen über «Matthew» auftauchten. Leider kam es anders. «Die 75-jährige Grossmutter von Norgelis erlebte die schlimmste Nacht ihres Lebens. Auch wenn man sich in Kuba Hurrikane gewohnt ist, einen so schlimmen Sturm habe sie noch nie erlebt, berichtete sie», erzählt Melanie Ittmann, deren kubanischer Mann seit einem Jahr hier lebt. Im Gegensatz zu Haiti auf der benachbarten Insel, wo der Hurrikan flächendeckend riesige Verwüstungen anrichtete und über 1000 Menschen in den Tod riss, waren in Kuba keine Menschenleben zu beklagen.

Trotzdem: Die Stadt Baracoa, die am äussersten östlichen Zipfel des Karibikstaats liegt, wurde schwer getroffen. «Die hohen Wellen und der starke Wind haben viele Häuser komplett zerstört, 80 Prozent der Häuser haben kein Dach mehr», erzählt sie. Glücklicherweise seien Norgelis Verwandte wohlauf. Weil das Haus seiner Eltern noch nicht fertig ist, wohnen sie bei den Grosseltern. Deren Haus stehe zwar noch, doch es fehlen Strom und Wasser.

Viele andere der rund 80000 Einwohner hatten weniger Glück. Ihr Haus wurde komplett zerstört oder zumindest abgedeckt. Sie sind obdachlos. Besonders betroffen sind die Häuser ganz unten am Meer. Sie wurden einfach weggespült. Erschwerend kam hinzu, dass in den ersten Tagen die einzige Strasse nach Bara­coa wegen des vielen Gerölls nicht passierbar war. «Die Stadt ist nach dem Sturm nicht mehr wiederzuerkennen», erzählt die gebürtige Nidwaldnerin. «Das ist für Baracoa mit einer rund 500-jährigen Geschichte und seinen wunderschönen Gebäuden im Kolonialstil besonders bedauerlich. Davon ist jetzt nicht mehr viel übrig.»

100 Franken sind für Kubaner viel

So etwas wie Versicherungen kennen die Kubaner nicht, der Staat hat immerhin in Aussicht gestellt, ihnen 50 Prozent der Reparatur ihres Hausdaches zu bezahlen. «So eine Dachreparatur kostet zwar nur etwa 100 Franken. Das scheint für unsere Verhältnisse wenig. Für Kubaner ist dies aber ein grosser Betrag, wenn man sich vor Augen führt, dass ein guter Monatslohn gerade mal etwa 20 Franken beträgt», erläutert die 28-jährige Lehrerin.

Für das Ehepaar war klar: Norgelis’ Landsleuten muss geholfen werden – direkt und unbürokratisch. Das sah auch Cyrill Bannwart so, den das Paar an den Stanser Musiktagen beim Konzert einer kubanischen Band kennen lernte. Der bekennende Kuba-Fan aus Buochs rief eine Spendenaktion der besonderen Art ins Leben. Er vertreibt mit seinem Online-Shop «Los Locos 22»-Zigarren und weitere Artikel aus Kuba und anderen Staaten der Karibik und Südamerika. Cyrill Bannwart spendet 5 Prozent seines Online-Shop-Umsatzes vom Oktober Norgelis’ Familie. «Wenn wir direkt Geld an die Familie überweisen, können wir der Familie und ihrem Umfeld am effektivsten helfen.» Natürlich werden auch Direkt- und Online-Spenden entgegengenommen.

Er hat einen speziellen Bezug zu Kuba

Die Meldungen über die schlimmen Verwüstungen in Baracoa liess Bannwart, der mehrmals im Jahr Kuba bereist, nicht kalt. «Zu Kuba habe ich einen speziellen Bezug. Der Karibikstaat und seine Bewohner mit ihrer herzlichen und offenen Art, dem Essen, dem Rum und den Zigarren haben mich schon immer fasziniert.»

Dass er hilft, sei keine Frage. «Die Zerstörungen sind krass. In so einer Situation muss man einfach helfen.» Zumal wenig viel bewirken könne. Wie viel zusammenkommt, könne er nicht abschätzen. Doch der Start vor wenigen Tagen, auch über Facebook, scheint verheissungsvoll. Bereits gingen erste Spenden ein.

Matthias Piazza

Hinweis

Weitere Informationen zum Spenden: www.cigarsolutions.ch


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: