Der Variantenentscheid rückt näher

NIDWALDEN ⋅ Beide Hoch­wasserschutz-Varianten am Buoholzbach liegen im Detail vor. Vor allem die Industrie­betriebe dürften den Entscheid mit Spannung erwarten.
25. Juni 2015, 05:00

Matthias Piazza

In der schon seit Jahren dauernden Planung für den Hochwasserschutz am Buoholzbach an der Gemeindegrenze von Wolfenschiessen und Oberdorf ist man einen entscheidenden Schritt weiter. Gestern informierten die beiden Gemeinden und die Gesamtleitung die direkt betroffenen Grundeigentümer und die Medien über den aktuellen Stand im Hochwasserschutzprojekt. Es geht um die wesentlichen Massnahmen der beiden Schutzvarianten Rückhaltebecken und Schutzdamm, welche nun erarbeitet wurden. Die Wolfenschiesser und Oberdorfer hatten dafür im vergangenen Jahr einen Projektierungskredit von 2 Millionen Franken bewilligt.

Grosse Kostenunterschiede

Der beauftragte Gesamtleiter Kurt Margadant von der Margadant AG erläuterte die Massnahmen sowie die Vor- und Nachteile der beiden Varianten. Bei der Variante Rückhaltebecken würden oberhalb des Industriegebietes zum bestehenden zwei weitere Sammelbecken im Gebiet Geisssteg gebaut. «Diese drei Becken haben die Aufgabe, Geschiebe zurückzuhalten und damit das darunterliegende Industriegebiet gegen ein hundertjährliches Ereignis zu schützen», erläuterte Kurt Margadant.

Zusätzlich würde das Gerinne zwischen dem heutigen Geschiebesammler und der Einmündung in die Engelbergeraa verbreitert und die Bachschale natürlicher gestaltet. Ein neuer Damm entlang der Engelbergeraa würde verhindern, dass Geschiebe bei einem grösseren als einem hundertjährlichen Ereignis in die Engelbergeraa gelange. Denn dies hätte fatale Folgen. «Steine und Geröll würden den Durchfluss der Engelbergeraa verstopfen. Der Fluss würde über die Ufer treten und im Extremfall den Stanser Talboden überfluten», hält Margadant fest.

Rund 35 Millionen Franken kostet das Projekt (ohne Honorare und ohne Landkosten). Damit wäre der Hochwasserschutz bis zu einem hundertjährlichen Ereignis gewährleistet, was ungefähr vergleichbar mit dem Hochwasser von 2005 ist. Industriebetriebe müssten nicht ausgesiedelt werden – im Gegensatz zum ursprünglichen Projekt Schutzdamm, das der Gemeinderat ausgearbeitet hatte.

Bei der Variante Schutzdamm– 11 Millionen Franken Baukosten ohne Honorare und Landkosten – hindern seitliche Dämme den Buoholzbach, in Richtung Büren oder Lochrüti auszubrechen. Mit einem langen Schutzdamm entlang der rechten Uferseite der Engelbergeraa wird ein grosser Rückhalteraum für das Geschiebe des Baches geschaffen. So wird verhindert, dass Geschiebe in die Engelbergeraa gelangt, diese aufstaut und zum Ausufern in Richtung Stans und Stansstad bringt.

Der «Preis» für das günstigere Projekt: Einige Betriebe müssten ausgesiedelt werden, darunter die Firma Leuthold Metallbau. Die Gewerbezone südlich des Bauchlaufs wird nicht mehr tangiert. Vor der Projektüberarbeitung wären noch weitere Betriebe betroffen gewesen.

Entscheid noch im Sommer

Die Gemeinderäte von Oberdorf und Wolfenschiessen wollen sich nach den Sommerferien für ein Projekt entscheiden. Bis dann sollte auch die Beteiligung des Kantons an den Kosten bekannt sein, welche bei etwa 25 Prozent liegen. Auch der Bund wird sich finanziell beteiligen – aller Voraussicht nach mit etwa 45 Prozent. Dabei orientiert er sich allerdings am günstigeren Projekt.

Im Herbst 2017, nach Ausarbeitung des Bauprojektes, sollen dann die Bürger der betroffenen Gemeinden über den Baukredit für eine dieser Varianten abstimmen. Einen Zeitpunkt des Baustarts konnte Kurt Margadant nicht nennen, da dies von allfälligen Einsprachen abhänge.

Froh um die Zusatzschleife

«Das Projekt beschäftigt uns schon seit langem. Ich bin froh um diese Zusatzschleife und dass wir jetzt einen entscheidenden Schritt weiter sind», meint Oberdorfs Gemeindepräsidentin Judith Odermatt. Das Resultat dieser Zusatzschleife ist, dass beim Projekt Schutzdamm weniger Betriebe als ursprünglich vorgesehen ausgesiedelt werden müssten.

Zum alternativen Projekt Rückhaltebecken kam es, weil sich die betroffenen Grundeigentümer seinerzeit gegen die von den Gemeinderäten favorisierten Dammvariante wehrten – dies wegen der Aussiedlungen. Die Gemeinden erarbeiteten darum 2013 mit den Grundstückeigentümern weitere Varianten.

Mit den Hochwasserschutzmassnahmen sollen Ereignisse wie dasjenige vom August 2005 vermieden werden. Damals verursachte der Buoholzbach im Gebiet Hofwald grosse Schäden in der Industrie- und Gewerbezone.


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