Der Yeti soll wieder abheben

NIDWALDEN/LUZERN ⋅ Seit 57 Jahren hält der legendäre Pilatus-Porter PC-6 mit dem Namen Yeti mit 5700 Metern den Weltrekord für die höchste je gemachte Landung eines Flugzeugs. Nun soll er wieder in die Luft gehen und Passagiere auf Gletscher fliegen.

18. Oktober 2016, 05:00

«Der PC-6 hat ganze Generationen in Nidwalden durchgefüttert», bringt Philipp Sturm die wirtschaftliche Bedeutung des Flugzeugs auf den Punkt. Der PC-6, den die Pilatus-Flugzeugwerke in Stans seit 1960 bis heute produzieren, legte den Grundstein für viele spätere Erfolge des Unternehmens. Und wohl jeder Pilatus-Angestellte und Aviatikfreund kennt die Geschichte des PC-6 namens Yeti: Dieser erste Prototyp war Teil der Schweizer Dhaulagiri-Bergsteiger-Expedition von 1960 in Nepal. Auf der Expedition wurde der bis heute unübertroffene Weltrekord der mit 5700 Metern höchsten je durchgeführten Landung eines Flächenflugzeugs aufgestellt. In die Schweiz zurück kam der Yeti aber nicht mehr. Bei einem Startunfall, bei dem niemand verletzt wurde, erlitt das Flugzeug Beschädigungen am Flügel. Noch heute ist das Wrack in den Bergen Nepals sichtbar. Einzelne Originalteile sind auch im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern ausgestellt.

«Die Geschichte des Yeti und des PC-6 ist einfach faszinierend», sagt Philipp Sturm. Der Dallenwiler, der in Alaska mit einem Partner das Unternehmen Fly Alaska GmbH betreibt (siehe Kasten), kaufte diesem einen PC-6 der ersten Bauserie ab, überführte ihn in die Schweiz und liess ihn durch die Pilatus-Werke aufgrund der alten Pläne genau gleich spritzen und bemalen wie den Original-Yeti.

Seit dem 6. Oktober hängt das Flugzeug nun als Leihgabe im Verkehrshaus der Schweiz – als weltweit letztes erhaltenes Exemplar dieser Baureihe. «Man könnte es sogar wieder flugtauglich machen, dazu müsste der Motor revidiert werden», sagt Philipp Sturm, der mit dem Flugzeug selber 200 Stunden geflogen ist.

Verkehrshaus will die Mobilität leben

Der 50-jährige Pilot, der auch das Gletscherbrevet hat, ist vom PC-6 fasziniert: «Da sitzt du rein und fühlst dich wohl. Es ist wie ein Handschuh, der einfach passt.» Philipp Sturm besitzt noch einen zweiten, etwas jüngeren PC-6, der nun wieder flugtauglich gemacht und ebenfalls wie der Original-Yeti bemalt werden soll. So soll er auf Gletscherflüge mit bis zu sieben Passagieren abheben. Dafür plant Sturm eine Zusammenarbeit mit dem Verkehrshaus. «Wir wollen die Mobilität leben und nicht nur ein Museum mit verstaubten Exponaten betreiben», erklärt Daniel Geissmann, Leiter Ausstellung & Sammlung im Verkehrshaus. «Der Yeti soll wieder seiner Bestimmung, den Gletscherflügen, zugeführt werden.» Ähnliche Ziele verfolgt Geissmann auch mit der «Scuderia Verkehrshaus». 12 Oldtimer-Autos und Spezialfahrzeuge sind jährlich an 20 bis 40 Einsätzen in der ganzen Schweiz als Botschafter für das Verkehrshaus unterwegs. Doch das Projekt Gletscherflüge mit dem Yeti kostet. Rund 900 000 Franken, schätzen Daniel Geissmann und Philipp Sturm. «Aus dem Verkehrshaus Budget können wir das nicht finanzieren», sagt Geissmann. Deshalb sind die beiden auf der Suche nach Sponsoren und Gönnern für den Verein. Etwa 20 Prozent des Betrags hätte man bereits beisammen. Unterstützung von weiteren flugenthusiastischen Firmen und Personen sei also notwendig. Bereits nächstes Jahr möchte man zu den Gletscherflügen abheben. Dass Philipp Sturm dabei den Weltrekord von 5700 Metern brechen kann, ist in der Schweiz unmöglich. Anderswo gibt es aber genug hohe Berge. «Ich bin daran, ein Projekt auf die Beine zu stellen und die höchste je gemachte Landung zu realisieren», kündet Philipp Sturm an. Details möchte er noch nicht verraten.

Hinweis

Weitere Infos: www.flyalaska.ch

Philipp Unterschütz

«In Alaska fliegen wir zur Kirche»

Philipp Sturm (50) lebt seit 1991 in der Schweiz, seit 2005 in Dallenwil –  vor allem wegen der Nähe zum Flugplatz Buochs. 20 Jahre lang verkaufte er Flugzeuge der österreichischen Marke Diamond, heute ist er als Projektleiter tätig. Seit 2009 führt er zudem mit einem Partner die Fly Alaska GmbH. Während knapp vier Sommermonaten pro Jahr bringt er dort Piloten das Fliegen abseits von Flugplätzen auf Schnee und Gletschern bei. Und dafür sei der PC-6 mit seinen extrem kurzen Start- und Landewegen das ideale Flugzeug. «Alaska ist ein Fliegerparadies», sagt Philipp Sturm. «In unserem Gebiet in einem Nationalpark, der doppelt so gross ist wie die Schweiz, leben gerade mal 200 Personen.» Ohne Fliegen gehe dort mangels Strassen gar nichts. «Wir fliegen sogar mit dem Flugzeug zur Kirche oder zum Einkaufen.»


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