Elektroautos fahren nur langsam an

NIDWALDEN ⋅ Das Elektrizitätswerk nimmt trotz geringer Nachfrage weitere Elektrotankstellen an den Bahnhöfen in Betrieb. Das EWN sieht darin keinen Widerspruch.
21. April 2017, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

An immer mehr Bahnhöfen in Nidwalden kann man sein Elektroauto gratis betanken – mit EWN-Naturstrom. Dabei kommen 80 Prozent des Stroms aus Nidwaldner Wasserkraft und 20 Prozent von Nidwaldner Solarzellen. Den Anfang machte das Elektrizitätswerk Nidwalden (EWN) in Zusammenarbeit mit der Zentralbahn vor rund zwei Jahren an den Bahnhöfen Stans und Hergiswil.

Im Mai des vergangenen Jahres gesellte sich Stansstad dazu. Die Ausbaupläne gehen weiter. Dieses Jahr sollen auch die Bahnhöfe Dallenwil und Wolfenschiessen mit elektrischen Zapfsäulen ausgerüstet werden. Und es bleibt nicht bei Bahnhöfen: «Wir wollen längerfristig an allen wichtigen Plätzen Nidwaldens mit unseren Elektrotankstellen präsent sein, bevor konkurrenzierende Unternehmen uns zuvorkommen», sagt EWN-Direktor Christian Bircher. Im Visier hat das EWN etwa den Parkplatz bei der Talstation der Luftseilbahn Dallenwil–Niederrickenbach oder auch den Dorfplatz Stans. Dass das EWN sein Netz zwar ausbaut, aber relativ zögerlich, hat Gründe. «Wir richten den Angebotsausbau nach der Nachfrage und der Entwicklung der Elektroautos aus», erläutert Christian Bircher. «Mit nicht einmal 1000 Kilowattstunden an unseren Elektrotankstellen im vergangenen Jahr ist die Nachfrage noch auf einem sehr tiefen Niveau.»

EWN rechnet mit steigender Nachfrage in Zukunft

Und trotzdem investiert das Elektrizitätswerk Nidwalden jeweils zwischen 30 000 und 40 000 Franken für den Bau solcher Elektrotankstellen. «Wir rechnen damit, dass die Elektromobilität in den nächsten Jahren massiv an Popularität gewinnt – dank des technologischen Fortschrittes und der sinkenden Preise der Fahrzeuge. Die Batteriekosten dürften sich in den nächsten Jahren halbieren.» Bereits heute sei die Technologie praxistauglich – zumindest im Kurzstreckenbereich. «Unsere Mitarbeiter benutzen für den Weg zur Baustelle auch schon Autos mit Elektroantrieb. Das funktioniert gut», bekräftigt er.

Wie sich die Technologie und die Nachfrage in den kommenden Jahren im Detail entwickeln würden, sei unmöglich vorauszusagen. Auch sei schwierig abzuschätzen, zu welchem Preis dereinst der Strom an den Zapfsäulen abgegeben werde. Denn dieser ist bis auf weiteres gratis. «Solange es in der Schweiz kein praktikables Verrechnungssystem gibt, wäre für uns eine Verrechnung des Stroms zu umständlich.» Momentan funktioniert das Laden mit dem System «Park & Charge». Dabei können die Autofahrer gegen eine Jahresgebühr von 140 Franken nicht nur in Nidwalden, sondern an vielen Elektrotankstellen in Europa den Strom kostenlos beziehen.

In Zusammenarbeit mit der Zentralbahn richtete auch das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) an den meisten Bahnhöfen Obwaldens Elektrotankstellen ein. Bis auf weiteres kann man auch dort sein Fahrzeug kostenlos mit EWO-Naturstrom betanken.


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