Touristen wollten Wasserfall besichtigen

NIDWALDEN ⋅ Erste Befragungen der Überlebenden nach dem tödlichen Bahnunfall zeigen: Die Touristen wollten den Wasserfall besichtigen. Und die Gewerkschaft des Verkehrspersonals spart nicht mit Kritik am Kanton und am Landrat.

12. August 2014, 14:56
Der Bahnübergang Allmend in Wolfenschiessen. Zoom

Der Bahnübergang Allmend in Wolfenschiessen. | Roger Grütter / Neue LZ

Die israelischen Touristen, die am Montag in Wolfenschiessen verunglückt sind, haben wegen des Wasserfalls Fallenbach den ungenügend gesicherten Bahnübergang Allmend benutzt. Die ersten Befragungen der Überlebenden haben die ersten Vermutungen der Behörden bestätigt. Der Nidwaldner Staatsanwalt Erich Kuhn sagte am Dienstag auf Anfrage, dass zwei der verletzten Personen hätten befragt werden können.

Alle fünf Verletzten befinden sich im Spital, sind aber ansprechbar. Eine Person befindet sich gemäss der Kantonspolizei Nidwalden in kritischem Zustand.

Um zum Wasserfall zu gelangen, musste der Bus das Bahntrassee überqueren. Er war, wie der Zug, Richtung Engelberg unterwegs, und bog dann nach rechts über die Gleise ab. Der Bahnübergang Allmend ist nur mit einem Andreaskreuz gesichert.

Im Zug wurde niemand verletzt. Die Staatsanwaltschaft wird auch noch den Lokführer und andere Auskunftspersonen, die sich gemeldet haben, befragen. Ziel ist es, ein stimmiges Bild vom Unglückshergang zu erhalten. Die bahnseitigen Untersuchungen werden von der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (SUST) geführt.

Laut Auskunft der israelischen Botschaft in Bern konnten die Angehörigen der unfallbeteiligten Personen inzwischen kontaktiert und informiert werden.

Gewerkschaft kritisiert Politik

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals fordert in einer Mitteilung, dass die Politik ihre Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und dem Personal endlich wahrnehme und unbewachte Bahnübergänge saniere.

«Alle sprechen davon, dass Sicherheit oberste Priorität habe, offenbar aber möglichst nichts kosten darf, diese Rechnung geht nicht auf», sagt der für die Zentralbahn verantwortliche Gewerkschaftssekretär Roman Gugger.

Das Bundesamt für Verkehr will, dass alle unbewachten Bahnübergänge bis Ende 2014 gesichert oder geschlossen werden. Nach Angaben der Zentralbahn wäre das Bahnunternehmen mit seiner Planung bereit. Nur fehlt der politische Wille im Kanton Nidwalden zur Umsetzung, respektive zur Finanzierung der Sanierungsvorhaben. Der Landrat hat den Zusatzkredit in der Höhe von 4,3 Millionen Franken für die Sanierungsarbeiten im Mai dieses Jahres zurückgewiesen, weil er es als zu teuer empfand. Die Gewerkschaft hat kein Verständnis für diesen Entscheid des Landrats und fordert grünes Licht für die dringend nötigen Sanierungsarbeiten.

Alternatives Sanierungsprojekt

Auf der Strecke Dallenwil-Grafenort gibt es 32 Übergänge, 25 davon entfallen auf zwei grosse Sanierungsprojekte in Wolfenschiessen: 22 sollen aufgehoben und drei ausgebaut werden.

Baudirektor Hans Wicki sagte auf Anfrage, es werde ein alternatives Sanierungsprojekt ausgearbeitet, das aber kaum wesentliche Änderungen haben werde. Die Sicherung des Bahnüberganges Allmend dürfte auch im neuen Konzept enthalten sein. Er sollte mit Barrieren gesichert werden.

Sanierung erst bis Mai 2015?

Zentralbahn-Geschäftsführer Renato Fasciati war zuversichtlich, dass der Übergang Allmend Ende Jahr saniert sein wird. Dem widerspricht Nidwaldens Baudirektor Hans Wicki. «Die Umsetzung ist sicher nicht bis Ende 2014 möglich.» Das vom Landrat zurückgestellte Sanierungspaket samt diesem Vorhaben komme frühstens im Oktober wieder ins Parlament. Dann folge eine Referendumsfrist. Anschliessend verhindere die Skisaison eine zügige und kostengünstige Sanierung. Also dürfte es Mai 2015 werden. Der Bund hat den Kantonen für bis Ende dieses Jahres eingereichte Projekte einen Aufschub gewährt. Diese müssen nun spätestens bis Ende 2015 ausgeführt sein.

Stress für Lokführer

Die Gewerkschaft betont, dass Lokführer auf Strecken mit unbewachten Bahnübergängen einem immensen Stress ausgesetzt sind. Es muss jederzeit damit gerechnet werden, dass Personen oder Fahrzeuge auf unbewachten Bahnübergängen ihren Fahrweg kreuzen. Gerade bei schlechter Sicht fällt dies oft schwer. «Stellen Lokomotivführer fest, dass ihnen etwas im Weg steht, lösen sie sofort die Schnellbremsung aus und müssen dann absolut ohnmächtig zuschauen, was passiert», schreibt die Gewerkschaft weiter.

  • Am Montagmorgen kollidierte ein Lieferwagen mit einem Zug der Zentralbahn.
  • Der Unfall ereignete sich um 8.40 Uhr beim Bahnübergang Allmend in Wolfenschiessen.
  • Dabei wurden 3 Personen tödlich und 5 Personen schwer verletzt.

In Wolfenschiessen ist es am 11. August zu einem tödlichen Unfall gekommen. 3 Personen wurden getötet, 5 mittelschwer verletzt.

Drei israelische Touristen sind am Montag in Wolfenschiessen bei einer Kollision eines Kleinbusses und eines Zuges ums Leben gekommen. Die fünf weiteren Insassen des im Ausland immatrikulierten Vans - ebenfalls israelische Staatsangehörige - wurden schwer verletzt. (Tele 1, 12.08.2014)

rem/mvr/sda

Drei israelische Touristen sind am Montag in Wolfenschiessen bei einer Kollision eines Kleinbusses und eines Zuges ums Leben gekommen. Die fünf weiteren Insassen des im Ausland immatrikulierten Vans - ebenfalls israelische Staatsangehörige - wurden schwer verletzt. (Tele 1, 12.08.2014)




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