Katze warnte Wirtin vor dem Feuer

BUOCHS ⋅ Einen Riesenschaden löste der Brand im Haus des Restaurants Hirschen am frühen Mittwochmorgen aus. Noch ist unklar, wie es mit dem Gebäude weitergeht und wie lange das Gasthaus geschlossen bleibt. Die Bewohner kamen mit einem blauen Auge davon.
Aktualisiert: 
18.03.2017, 16:00
15. März 2017, 07:18

Markus von Rotz und Rosmarie Berlinger

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Kurz nach fünf Uhr bin ich durch ungewöhnliches Benehmen meiner Katze aufgrund der Rauchentwicklung geweckt worden», erzählte Wirtin und Geschäftsführerin Romy Barmettler gestern nach dem jähen Erwachen unserer Zeitung gegenüber. Alle fünf neben ihr im Haus wohnenden Personen hätten das Gebäude rechtzeitig verlassen können, das sind drei männliche Einzelpersonen und ein junges Paar. Der Brand an der Dorfstrasse 6 mit dem «Hirschen» im Erdgeschoss war der Polizei um 5.27 Uhr gemeldet worden. Das Gasthaus stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Als Polizei und Feuerwehrleute vor Ort eintrafen, fanden sie ein in viel Rauch gehülltes Haus vor. Urs Röthlisberger, stellvertretender Feuerwehrinspektor, begründet damit auch das grosse Aufgebot. Schon beim Alarm sei die grosse Rauchentwicklung gemeldet worden. Es wurden neben der Feuerwehr Buochs-Ennetbürgen und dem Atemschutz Beckenried auch die Stützpunktfeuerwehren Stans und Sarnen aufgeboten, im Einsatz standen letztlich an die 140 Personen.

«Für uns war nicht abschätzbar, wo und wie sich das Feuer noch ausbreiten könnte. Das Haus ist stark verwinkelt.» Zwischenwände und -böden machten die Arbeit der Feuerwehrleute noch komplexer. «Wir hatten das Feuer im Brandherd eigentlich relativ schnell unter Kontrolle, stiessen aber immer wieder auf neue Glutnester.» Darum habe man Wände geöffnet und das Dach abzudecken begonnen, um schrittweise neue Brandherde bekämpfen zu können.

Dank dem Grossaufgebot waren drei Tanklöschfahrzeuge vor Ort, zudem habe man ein gutes Hydrantennetz und mit der Motorspritze auch Wasser aus dem Dorfbach nehmen können. «Logistisch hat der Einsatz sehr gut funktioniert», berichtet Röthlisberger. 

«Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», zog er nach dem Einsatz Bilanz. «Nachbarn haben wir gebeten, die Fenster zu schliessen wegen des Rauchs, für sie bestand aber nie eine Gefahr.» Es sei auch kein Thema gewesen, Personen aus der Nachbarschaft zu evakuieren. Ein Wohnungsmieter wurde vom Rettungsdienst wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung zur Kontrolle ins Kantonsspital in Stans gebracht. Laut Kantonspolizei erhärtete sich der Verdacht nicht.

Brand in einer Wohnung ausgebrochen

Laut Polizei brach der Brand nach ersten Ermittlungen «in einer Wohnung des Wohn- und Geschäftshauses» aus. Über die Ursache gab es am Mittwoch noch keine Erkenntnisse. Diese wird zusammen mit der Nidwaldner Staatsanwaltschaft nun ermittelt. Die Polizei spricht von einem Schaden von mehreren hunderttausend Franken. 

Besitzer der Liegenschaft ist die Gabael AG von Alleininhaber Felix Blättler aus Hergiswil. Sein Bruder und Liegenschaftsverwalter Hans Blättler nahm am frühen Morgen einen ersten Augenschein und konnte sich dabei berichten lassen, dass keine Personen zu Schaden gekommen seien. Das viele Wasser aber hat seine Spuren hinterlassen. Das Restaurant stand nach dem Feuerwehreinsatz knöcheltief im Wasser, wie eine Augenzeugin berichtete.

Selber konnte Blättler das Haus am Mittwoch noch nicht betreten. Er wird dies am Donnerstag zusammen mit Vertretern der Sachversicherung nachholen.

Von der Feuerwehr erfuhr er später, dass eine Wohnung noch relativ gut erhalten sei, die anderen aber wegen Wasser- und Rauchschäden unbewohnbar sind. «Es wäre Spekulation, schon zu sagen, ob wir von Totalschaden reden müssen», sagte Blättler. Sicher werde das Restaurant für längere Zeit geschlossen bleiben. Die Pächterin habe ihm gegenüber erklärt, sie wolle aber wenn immer möglich wie üblich im April ihr Seebeizli eröffnen. Allerdings sei sie dafür teilweise auf die Infrastruktur 
des Restaurants angewiesen. Die Pächterin kann vorerst bei ihrer Schwester in der Nähe wohnen, die übrigen Bewohner sind laut Blättler bei Verwandten oder in Hotelzimmern untergekommen. In ihre Wohnungen zurück konnten sie vorerst noch nicht.

Vor neun Jahren ein Totalbrand

Der Brand weckte im einen oder anderen Erinnerungen an den 19. März 2008. Damals war ebenfalls mitten im Dorfzentrum ein Dreifamilienhaus in Flammen aufgegangen. Es musste später abgerissen werden. «Ich würde jetzt aber nicht von einem speziellen Risiko an der Dorfstrasse reden», sagte Urs Röthlisberger. «Dass es wieder hier war, ist ein unglücklicher Zufall. Für die Feuerwehrleute ist das letztlich ein Einsatz wie jeder andere. Sie sind dafür gewappnet.

  • Das Feuer brach in einer Wohnung über dem Restaurant Hirschen in Buochs aus. (© NZ / Leserbild)
  • Das Feuer brach in einer Wohnung über dem Restaurant Hirschen aus. (© NZ / Leserbild)
  • Die Brandursache ist noch unklar. (© NZ / Leserbild)

In einer Wohnung oberhalb des Restaurants Hirschen im Zentrum von Buochs ist am frühen Mittwochmorgen ein Brand ausgebrochen. Eine Person musste mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Kantonsspital gebracht werden. Feuerwehren waren mit einem Grossaufgebot im Einsatz.

Video: Feuerwehr beim Einsatz in Buochs

Das Feuer brach am frühen Mittwochmorgen im Restaurant Hirschen in Buochs aus. Die Brandursache ist noch unklar. Die Feuerwehr rechnet mit einem grossen Wasserschaden, wie der zuständige Feuerwehr-Inspektor auf Anfrage sagte. (NZ / Leservideo, 15. 03. 2017)

Video: 140 Personen bei Brand in Buochs im Einsatz

In einer Wohnung oberhalb des Restaurants Hirschen im Zentrum von Buochs ist am frühen Mittwochmorgen ein Brand ausgebrochen. (Tele1, 15.03.2017)



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