Ihre Arbeit inspiriert ihre Bücher

NIDWALDEN/KANADA ⋅ Seit 16 Jahren lebt Bernadette Calonego im Westen von Kanada, wo sie als Auslandskorrespondentin und Schriftstellerin tätig ist. Wir trafen sie während eines Besuchs in ihrer Heimat.
08. Oktober 2016, 05:00

Es sind strenge sechs Wochen für Bernadette Calonego. Die gebürtige Nidwaldnerin ist derzeit in der Schweiz zu Besuch, vor allem in ihrer engeren Heimat. «Ich gehe immer nach Buochs, wo ich aufgewachsen bin, und nach Beckenried, wo meine Mutter Thea Uhr zuletzt gelebt hat», erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee und Wanderungen stehen auf ihrem Programm, genauso wie Treffen mit ihren vier Geschwistern, ehemaligen Klassenkameraden und ein Besuch bei ihrer Firmgotte im Altersheim.

Seit 16 Jahren lebt Bernadette Calonego etwas ausserhalb von Vancouver an der kanadischen Westküste. Dort arbeitet sie als Korrespondentin für Zeitungen und andere Medien in der Schweiz, Deutschland und Österreich. «Mit dem Journalismus habe ich schon immer geliebäugelt», sagt sie. «Schreiben hat mir immer grossen Spass gemacht, ich habe das Talent wohl von meiner Mutter geerbt, die Dichterin war.» Nach der Matura in Luzern studierte sie zunächst Sekundarlehrerin mit Schwerpunkt Englisch und arbeitete einige Jahre auf dem Beruf im Kanton Schwyz. Dann begann sie als freie Journalistin zu arbeiten, bevor sie zur Nachrichtenagentur Reuters in Zürich stiess. «Das war für mich die Journalistenschule», sagt Bernadette Calonego. «In einer Agentur muss man sich mit allen möglichen Themen auseinandersetzen und schnell arbeiten. Auch die internationale Zusammenarbeit mit den englischsprachigen Reuters-Kollegen hat mir sehr gefallen.»

In Kanada die Nische gefunden

Später machte sie sich selbstständig und wurde Schweizer Korrespondentin für die «Süddeutsche Zeitung» in München, den «Standard» in Wien und einige weitere kleinere Zeitungen. «Das habe ich zehn Jahre gemacht, und es war eine spannende Zeit.» Sie habe dann den Drang verspürt, Auslandskorrespondentin zu werden. Der nordamerikanische Kontinent habe sie gereizt, doch alle grösseren interessanten Korrespondentenstellen in den Vereinigten Staaten waren schon besetzt. Während eines unbezahlten Urlaubs sei sie in Kanada herumgereist und habe das Gefühl gehabt, das sei ihre Nische: «Denn von Kanada aus hat niemand berichtet.» Das Land stehe ein wenig im Schatten der USA, hält sie fest. «Ich beschloss, es zu probieren. Allerdings habe ich mir noch ein Hintertürchen offengelassen und meine Wohnung in Zürich erst nach einem Jahr aufgelöst.»

Aus Kanada schreibt Bernadette Calonego über politische und wirtschaftliche Themen. «Aber auch über bunte Themen und Dinge, die nicht so bekannt sind über Kanada. Viele Leute sind interessiert an der Art und Weise, wie die Kanadier leben», sagt sie.

Krimi spielt in einer arktischen Siedlung

Ihre journalistische Arbeit bringt die Inspiration zum Bücherschreiben. «Für meine Reportagen bin ich viel unterwegs, und diese Eindrücke lasse ich in meine Bücher einfliessen», berichtet sie. Fünf hat sie bisher geschrieben. Eines über die Erfahrungen einer Auslandskorrespondentin in Kanada und vier Krimis. «Der erste Krimi spielt noch in Zürich. Als ich dann in Kanada lebte, habe ich kanadische Schauplätze genommen», sagt sie über ihre schriftstellerische Tätigkeit. Ihr neustes Buch, das im vergangenen Monat erschienen ist, trägt den Titel «Die Fremde auf dem Eis» und spielt in der Arktis. «Ich habe die Arktis zweimal besucht und bin total fasziniert von der Landschaft und der Atmosphäre. Und es gibt die Bedrohung durch den Klimawandel und den Abbau von Ressourcen.» All dies spiele in ihren Roman hinein, der im Ort Inuvik spielt. «Diese Siedlung besticht durch das Zusammenleben verschiedener Kulturen wie Indianer, Inuvialuit, wie die Inuit im Westen von Kanada heissen, Weisse, Zugezogene und Mischlinge.» Eine starke Frau ist die Hauptfigur des Krimis. In anderen Büchern spielen Themen aus weiteren Reportagen eine grosse Rolle, wie etwa die Wasserflugzeugpiloten an der Westküste Kanadas oder die strenge Arbeit der Fischer. Diesem Beruf geht auch ihr Lebenspartner nach.

Bis Mitte Oktober ist Bernadette Calonego noch in der Schweiz. Wieder hierherzuziehen könnte sie sich durchaus einmal vorstellen, doch es sei auch eine finanzielle Frage, ob man es sich leisten könne, in der Schweiz zu leben. «Wenn ich hier bin, bin ich immer hin- und hergerissen, möchte länger blieben, noch mehr sehen und mehr Leute treffen. Wenn ich zurück in Kanada bin, legt sich das jeweils wieder ein wenig.» Fast alle Ausgewanderten, die sie kenne, stünden in diesem Dilemma, sagt sie. «An sich ist es ja ein schönes Dilemma. Es zeigt, dass man immer noch an der Heimat hängt.»

Hinweis Bernadette Calonego: Die Fremde auf dem Eis. Amazon-Publishing 2016. 9.99 Euro, E-Book 4.99. Das Buch ist nur bei www.amazon.de erhältlich.

Martin Uebelhartmartin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: