In Beckenried gedeihen die grössten Kürbisse

NIDWALDEN ⋅ Wer hat den grössten Kürbis? Bereits zum zweiten Mal haben sich die Beckenrieder in dieser speziellen Disziplin gemessen. Entstanden war der Wettbewerb aus einer nicht ganz ernst gemeinten Rivalität.

15. Oktober 2016, 05:00

Matthias Piazza

Stattliche 59,8 Kilogramm brachte er auf die Waage. Mit diesem Prachtkerl von Kürbis hat das Team «Hundemattli», das heisst die Familien Waser und Gander, den zweiten Beckenrieder Kürbiswettbewerb für sich entschieden. Und mit einem anderen Kürbis, der 53,6 Kilo auf die Waage brachte, auch gleich noch den zweiten Platz belegt.

Petra Waser hat ein Erfolgsrezept: «Der Mist von unseren Schweinen und Hochlandrindern bekommt den Kürbissen offenbar gut», erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Aber natürlich gehöre auch eine grosse Portion Glück dazu. Überhaupt stehe das Siegen nicht an erster Stelle, sondern die Freude am Wettkampf. «Kürbisse sind mittlerweile das ganze Jahr über ein amüsantes Dorfgespräch.»

Auch im schattigen Quartier wachsen grosse Kürbisse

Tatsächlich scheint der Anlass bereits nach der zweiten Auflage zu einem festen Bestandteil des Dorflebens geworden zu sein. Der spezielle Wettkampf lockte kürzlich über 40 Teilnehmer mit ihren Kürbissen und etwa ebenso vielen Besuchern an, die beim Wägen mit den Besitzern mitfieberten oder einfach die Feststimmung und die frisch zubereitete Kürbissuppe genossen, während die Gewinner sich am Gabentisch bedienen durften.

Elisabeth Käslin ist sozusagen die treibende Kraft hinter dem speziellen und ihres Wissens in Nidwalden einzigartigen Anlass. Entstanden war die Idee sozusagen aus einem Rivalitätsdenken zwischen zwei Beckenrieder Dorfteilen. «Die Beckenrieder, die vor der Kirche, im besonnten Dorfteil wohnen, zweifelten, dass in unserem schattigen Quartier hinter der Kirche etwas wächst», erzählt sie.

Als bei Käslins an der Rütenenstrasse 58 dann ein Prachtexemplar von einem Kürbis gedieh, war die Überraschung perfekt. Das stachelte andere Beckenrieder vom sonnigen Dorfteil an. Kürbiszüchten wurde zu einem inoffiziellen Dorfwettstreit. Man schaute einander neidvoll in den Garten und kontrollierte, dass der Mitstreiter bei der Kürbisaufzucht nicht zu unlauteren Mitteln greift.

Gesprächsthema bereits bei der Aussaat

Die Idee eines richtigen Kürbiswettbewerbs war geboren und wurde aus den Kreisen der Frauengemeinschaft Beckenried von Renate Käslin und Elisabeth Käslin auf die Beine gestellt. Machten im vergangenen Jahr Sabine Käslin und Alexander Vonlaufen vom sonnigen Beckenrieder Ortsteil das Rennen, freut sich Elisabeth Käslin, dass der Sieg diesmal an die Mannschaft hinter der Kirche ging. «Damit steht es 2 zu 1 für uns.»
Mittlerweile sind Kürbisse   schon im Frühling, wenn die Samen gesetzt werden, ein Gesprächsthema. «Obwohl wir Konkurrenten sind, tauschen wir uns aus, sprechen über den idealen Mist, geben uns Tipps.» Natürlich gebe es auch die eine oder andere Anekdote zu erzählen. «Einem Nachbarn wollten die Kürbisse einfach nicht so richtig gedeihen, obwohl er mehrmals den Standort wechselte. Ab und zu brachte er Heu für meine Hasen vorbei, in Wahrheit ging es ihm wohl darum, sich ein Bild über meine Kürbisaufzucht zu machen.» Selbst auf dem Ausflug des Frauenvereins lässt die Frauen das Thema nicht los. «Als wir in Waldshut vor einer Drogerie Kürbissamen entdeckten, gab es kein Halten mehr. Die ganze Reisegruppe deckte sich damit ein.»

Trotz jahrelanger Erfahrung fragen die anderen sie selten um Rat – aus Angst, dass sie ihnen bewusst einen falschen Tipp gebe. Gegenüber unserer Zeitung verrät Elisabeth Käslin doch noch ein paar grundlegende Empfehlungen. «Im Grunde ist es keine Hexerei. Kürbisse brauchen genug, aber nicht zu viel Wasser. Auch Kälte mögen sie nicht. Und dann gehört für ein gelungenes Exemplar viel Glück dazu.» Und so macht im nächsten Jahr vielleicht ein 100-Kilo-Exemplar das Rennen. Das wäre ihr Wunsch. «Schliesslich muss man sich immer höhere Ziele stecken.»


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