Junge Nidwaldner erfinden Jasstafel-App

NIDWALDEN ⋅ Zum Jassen gehören neben Karten auch Tafel und Kreide. Für iPhone-Benutzer sind sie aber überflüssig. Zwei Nidwaldner haben die gute alte Schiefertafel mit einer App ins digitale Zeitalter transportiert.

02. Dezember 2016, 05:00

Es gab in ihrer Kollegizeit in Stans kaum eine Pause, in der Sandro Meier aus Ennetmoos und Luis Martins aus Dallenwil nicht jassten. «Mangels einer Jasstafel haben wir wohl Tausende von Zetteln mit den Punkten beschrieben», erzählt Luis Martins. Und so entstand die Idee einer digitalen Jasstafel, die man immer dabei hat. Im Februar 2010 war es so weit und «Jasstafel» erschien als erste auf das Schweizer Kartenspiel spezialisierte Applikation für das iPhone.

Die App sieht aus wie eine herkömmliche Jasstafel – wahlweise als Z-Format oder als Linientafel – und kann wie eine herkömmliche Schiefertafel gleichzeitig von zwei Seiten her beschriftet werden. «Die simple Anwendung unterscheidet unsere App auch von den etwa fünf erhältlichen Alternativprodukten. Man kann das Handy einfach auf den Tisch legen und mit wenigen Klicks gleichzeitig die Punkte schreiben. Die Tafel soll ja nicht vom Jassen ablenken», erklärt Sandro Meier. Nach mehreren Weiterentwicklungen sind Jasstafeln für Schieber, Coiffeur und Differenzler verfügbar. Im Oktober kam nun eine überarbeitete Version. «Wir haben viel Zeit damit verbracht, die Applikation intuitiv nutzbar zu gestalten und dass sie auch die Vorteile des iPhones wie die Taschenrechnerfunktion nutzen kann», sagt Luis Martins. Das Update kann aber nicht nur die Punkte selber zusammenrechnen und automatisch die Differenzen des gegnerischen Teams eintragen. «Wir haben ‹Jasstafel› auch visuell auf den neusten Stand gebracht und eine schnittige Benutzeroberfläche gestaltet», ergänzt Sandro Meier. Neu ist auch ein Veranstaltungskalender integriert. Dieser beinhaltet Jassturniere, Ausflüge und weitere Termine aus der ganzen Schweiz, die einen Bezug zum Jassen haben.

Ob eine Version für Android kommt, ist offen

Und die App beherrscht auch mehrere Sprachen. Neben den Schweizer Landessprachen sogar Nidwaldner, Basler, Zürcher und weitere Dialekte. Da heisst die Nidwaldner Tafälä dann plötzlich Dafle. «Wer Interesse hat, einen weiteren Dialekt einzubringen, kann sich bei uns melden», sagt Sandro Meier. Generell seien die Reaktionen gut auf die neuste Version, sie sei bereits rund 4000 Mal heruntergeladen worden. Getestet habe man sie auch am Jassturnier im Trachtenhaus Stans im Oktober.

Doch einen Mangel hat die App: Es gibt sie nur fürs iPhone. «Solange das so ist, schauen wir das Ganze gar nicht an, hat uns beispielsweise ein Jassklub gemeldet», sagt Luis Martins. Den beiden Studenten ist denn auch bewusst, dass es zum grossen Erfolg mindestens auch eine Android-Version braucht. Ob diese kommt, ist trotzdem noch offen. «Einerseits fehlt uns die Zeit neben Studium und Jobs, anderseits haben wir noch viele weitere Ideen. Wir schauen mal, wie sich die App entwickelt und entscheiden dann nächstes Jahr», sagt Sandro Meier. Er sei aber daran, eine Version für iPads zu programmieren, die grössere Bildschirme besser nutze. Sie soll noch dieses Jahr erscheinen.

Sehr erfolgreich ist eine andere der mindestens 10 Apps, welche die beiden Studenten entwickelt haben: «Plus Points» ist ein Notenrechner für Schüler, mit dem man Durchschnitte, Wunschnoten und anderes errechnen kann. Die App war die allererste, welche die beiden herausgebracht haben, sie wurde mittlerweile bereits 100 000 Mal heruntergeladen und wird immer noch rege genutzt.

«Sie ist gratis, die Zielgruppe sind ja Schüler», betont Luis Martins. Aufgrund der grossen Nachfrage sind sie nun daran, eine Version für Android zu erstellen, die schon bald erscheinen soll.

Hinweis

Weitere Infos zu den Apps unter www.fidelisfactory.ch.

Philipp Unterschütz


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