Kiesabbau im starken Gegenwind

ENNETMOOS ⋅ Im Hostatteggwald oberhalb St. Jakob soll ab dem nächsten Jahr Kies abgebaut werden. Doch es regt sich Widerstand. Über unerledigte Einsprachen entscheidet nun das Volk.

07. Oktober 2016, 06:33

Seit Jahren möchte die Ürtekorporation den Hostatteggwald oberhalb St. Jakob am Fusse des Stanserhornes in eine Sondernutzungszone umzonen lassen. Diverse Einsprachen führten zu Änderungen am ursprünglichen Projekt, sodass eine zweite Auflage notwendig wurde, wie an einer Orientierungsversammlung vom Mittwoch gesagt wurde. Am 21. Oktober 2016 entscheidet nun eine ausserordentliche Gemeindeversammlung.

Die Sondernutzungszone tangiert Schutzwald, was zu reden gibt. Laut Fachleuten bestehe aber keine Wildbach- und Steinschlaggefährdung, und auch die Quellen Ober Hostatt seien nicht tangiert. Doch dies sehen nicht alle so. Von anfänglich zwölf eingereichten Einsprachen sind noch zehn hängig und gelangen an der Gemeindeversammlung zur Abstimmung. «Durch die Rodung des Schutzwaldes im Bereiche der Abbauzone ist die Schutzfunktion des Waldes nicht mehr gewährleistet», lautet eine Einsprache und nannte als Beispiel Steinschlag, Rutschungen und Felssturz. Andere befürchten eine Gefährdung durch den Wildbach oder haben Angst um die Qualität von Grund- und Trinkwasser.

Gemeinderat lehnt meiste Einsprachen ab

Verschiedene Einsprachen kritisierten die mangelnde Prüfung der Standortgebundenheit für die Rodungsbewilligung. In der Antwort des Gemeinderates und der kantonalen Behörden wird darauf hingewiesen, dass bereits 1986 abbauwürdiger Bergschotter nachgewiesen wurde. Zudem wird die Nähe der bestehenden Kiesgrube Juch betont. Die meisten Einsprachen lehnten die Umzonung und eine allfällige Rodung generell ab. Der Gemeinderat empfiehlt, all diese Einsprachen abzulehnen. Lediglich jene von Pro Natura und WWF, die unter anderem einen besseren ökologischen Ersatz, einen Rekultivierungsfonds zur Aufwertung von Natur und Landschaft und einen geregelten Materialfluss während des Abbaus verlangten, möchte der Gemeinderat teilweise gutheissen.

In der Diskussionsrunde am Mittwoch kamen zum Teil die gleichen Befürchtungen wie in den Einsprachen zum Ausdruck. «Bergschotter ist nicht sehr wertvoll», so eine Wortmeldung, «lohnt es sich da, einen Schutzwald zu opfern?» Kritisiert wurde auch, dass in der schon länger stillgelegten Abbaugrube Juch bis heute nichts geschehen ist. Einige sprachen von einem Schandfleck und bezweifeln, dass die Finanzierung der Rekultivierung gesichert ist. Gemeindepräsident Peter Scheuber verwies auf eine vertragliche Zusicherung, dass die Rekultivierung der Abbaugrube Juch auch bei einer Ablehnung der Vorlage gesichert sei.

Schon länger bildete sich eine Interessengemeinschaft Lebensqualität Ennetmoos, welche das Vorhaben mit Werbetafeln bekämpft. Opposition entstand selbst in den Reihen der Ürtekorporation. Einige Mitglieder lehnen die Sondernutzungszone ab.

Hinweis

Die ausserordentliche Gemeindeversammlung findet am Freitag, 21. Oktober, um 20 Uhr in der Mehrzweckanlage St. Jakob statt.

Richard Greuter


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