Kinderclub bringt den Bildern das Laufen bei

STANS ⋅ Kinder begreifen Kunst intuitiv. Das macht sich das Nidwaldner Museum für sein Konzept Kinderclub zunutze.
17. März 2017, 05:00

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

Abwechselnd stossen Vivienne, Michelle, Chiara, Zoë, Johannes und Jaël Begeisterungsrufe aus. Während ihre Schulfreunde bei wunderschönem Frühlingswetter vielleicht Ski fahren, skaten oder Fussball spielen, sind sie auf Entdeckungsreise durchs Stanser Winkelriedhaus. Gerade eben stossen sie auf das berühmte Foto des kopfstehenden Polizisten von Polizeifotograf Arnold Odermatt. Eins der Mädchen weiss gar die Story zum Bild und warum die Kreuzung menschenleer ist.

Es ist das erste von sieben Treffen des diesjährigen Kinderclubs des Nidwaldner Museums. Seit 2010 bekommen jedes Jahr Kinder von acht bis zwölf Jahren die Möglichkeit, unter einem thematischen Schwerpunkt die aktuellen Ausstellungen genauer unter die Lupe zu nehmen und in einem eigenen Atelier selbst gestalterisch tätig zu werden. «Wir versuchen sie dafür zu sensibilisieren, was im Museum passiert, und ihre eigene gestalterische Auseinandersetzung zu fördern», sagt Eva-Maria Knüsel, Leiterin Vermittlung im Nidwaldner Museum. «Die Kinder haben einen unvoreingenommenen Zugang zur Kunst und lassen sich von dem beeindrucken, was es im Museum zu entdecken gibt.»

Auch die beiden Mitarbeiterinnen Vermittlung, Magdalena Bucher und Elionora Amstutz, haben ihre sichtliche Freude am Enthusiasmus der sieben Kinder. «Es ist ein spielerischer Umgang, um das Museum kennen zu lernen», findet Elionora Amstutz. Immerhin: Die Kinder werden in den monatlichen Treffen von März bis Oktober alle laufenden Ausstellungen des Nidwaldner Museums sehen und erfahren. Das Echo zum Kinderclub sei sehr positiv, hält sie fest.

Magdalena Bucher schätzt, dass sie in drei Stunden mit dem Kinderclub ganz anders arbeiten kann als in nur der Hälfte der Zeit in Workshops mit Schulklassen. «Man lernt sich kennen, und die Gruppe profitiert sehr davon, dass sie so unterschiedlich zusammengesetzt ist», sagt sie.

Alte Meister beeindrucken junge Stanserin

Zum Beispiel Michelle Moser. Sie stiess über ihre ältere Schwester zum Kinderclub. Die 10-Jährige ist heute zum ersten Mal dabei und kennt das Winkelriedhaus nur von einem Ausstellungsbesuch. «Es ist schön hier», sagt sie. «Vor allem die Ölbilder haben mich beeindruckt», hebt sie hervor. Sie spricht die Ausstellung «Alte Meister» an, die noch bis 7. Mai zu sehen ist.

Heute ist Johannes Wagner noch der einzige Bub im Club. Erst kommendes Mal wird er männliche «Verstärkung» unter den Teilnehmern bekommen. Ein bisschen komisch sei das schon, der Älteste und dann noch der einzige Bub zu sein, gesteht er, geht aber dann doch wie selbstverständlich damit um. Eigentlich habe ihn sein Vater auf die Idee mit dem Kinderclub gebracht, sagt der 11-Jährige aus Stans. «Ich mag Kunst und zeichne selbst. Mein Grossvater hat gezeichnet und die ganze Familie bis auf meinen Vater», erzählt er.

Im diesjährigen Kinderclub geht es um das Thema Bewegung. Während die Kinder zuerst auf den Bildern suchen, was sich alles bewegen kann, erwecken sie nach dem Zvieri ihre Zeichnungen zum Leben. Elionora Am­stutz hat ein sogenanntes Praxinoskop mitgebracht. Die Kinder lernen, dass es Émile Reynaud im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erfunden hat, um Bewegung in Bilder zu bringen. Ein Drache speit Feuer und schlägt mit den Flügeln. Viele Einzelbilder ergeben in der Drehung eine Bewegung. Die Kinder gestalten ein rundes Daumenkino. Die Ideen sind schnell da: Vivienne malt ein Honigtöpfchen, dessen Deckel sich öffnet, Zoë ein bröckelndes Herz. Und an der Vernissage am 21. Oktober wird alles stolz den Eltern und Besuchern präsentiert.

Hinweis

Im Kinderclub hat’s noch freie Plätze. Anmeldung: 041 618 73 40 (Nidwaldner Museum).


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