Kollegischüler protestieren

STANS ⋅ Fachzimmer sollen Klassenzimmer am Kollegi ersetzen. Gegen den Entscheid der Schulleitung laufen die Schüler Sturm. An einer Demo gestern verschafften sie ihrem Unmut Luft.

24. September 2016, 05:00

Der letzte Schultag vor den Herbstferien am Kollegi Stans stand unter einem besonderen Zeichen. Bevor die Schüler am Nachmittag die letzten Lektionen in Angriff nahmen, hatten sie sich vor dem Schulhaus formiert, Parolen wurden skandiert, Transparente in die Höhe gehalten: «Stau am Spind-Bahnhof», «Nein zu Fachzimmern». Anlass für den Grossaufmarsch – man hatte den Eindruck, dass sämtliche rund 500 Kollegischüler anwesend waren – war der Entscheid der Schulleitung von gestern Vormittag, auf das Fachzimmersystem umzustellen.

Klassenzimmer sind ab kommenden Schuljahr Geschichte. Stattdessen wird der Unterricht je nach Fach in den Fachzimmern abgehalten. «Wir können nicht verstehen, wieso man sich von einem gut funktionierenden System verabschieden soll», sagt Kollegischülerin Meret von Matt, welche die Demonstration mitorganisiert hat, gegenüber unserer Zeitung. «Wenn wir nach jeder Lektion das Schulzimmer wechseln müssen, verlieren wir viel Zeit, die fünf Minuten Pause dürften dafür nicht mehr genügen.» Zudem verlören Schüler auch einen wichtigen Aufenthaltsort. «In der Mittagspause oder grossen Pause halten wir uns in unserem Klassenzimmer auf, machen hier unsere Hausaufgaben. Ab nächstem Schuljahr müssten wir auf den Gängen leben», so die 16-jährige Fünftklässlerin aus Stans. Darum habe die Schülerschaft die System­umstellung abgelehnt, als die Lehrer im Frühling das erste Mal darüber informiert hätten.

Auch 316 Mütter und Väter, beziehungsweise 210 Elternpaare, wehrten sich mit Unterschriften für den Erhalt der Klassenzimmer. Die Schülerin hofft, dass die Schulleitung den Entscheid überdenkt.

Hitzige Debatte in der Aula

Nach einigen Minuten stellte sich Rektor Patrik Eigenmann persönlich den aufgebrachten Schülern und bot ihnen an, mit einer Delegation – je zwei Schülern pro Klasse – das Gespräch in der Aula weiterzuführen. Während eineinhalb Stunden lieferten sich die beiden Parteien eine hitzige Debatte. «Die Aussprache war eine Farce und brachte eigentlich nichts. Die Schulleitung wich von ihrer Linie nicht ab», konstatierte Meret von Matt gegenüber unserer Zeitung. Rektor Patrik Eigenmann hält an der Systemumstellung fest. «Die pädagogischen Vorteile überwiegen. Mit Fachzimmern lässt sich der Unterricht spannender gestalten», begründet er gegenüber unserer Zeitung. Damit würden moderne und vielseitige Unterrichtsmethoden wie Arbeiten mit Notebooks auch im Fremdsprachen- oder Mathematikunterricht Einzug halten. Zudem würden 150 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen für die Schüler – als Ersatz für die Klassenzimmer. Die Aussprache habe viel zum Verständnis bei den Schülern beitragen können. «Aus einer Protesthaltung wurde Kooperation.»

Den Vorwurf mangelhafter Information lässt er nicht gelten. «Wir mussten aber lernen, dass die Informationen per Mail nicht zu allen Schülern durchdrangen und es darum zu einer Trotzreaktion kam, wie die Diskussion hervorbrachte.» Dem Projekt sei danach viel Verständnis entgegengebracht worden.

Anonym hätten sich in den vergangenen Tagen bei ihm Schüler gemeldet. «Sie finden die Protestaktion ihrer Mitschüler peinlich.»

An Kanti Obwalden schon seit Jahren

An der Kantonsschule Obwalden kennt man das System mit Fachzimmern ohne eigentliche Klassenzimmer schon lange. Prorektor Martin Bossert spricht von einem sehr bewährten System. «Die verschiedenen Fachzimmer sind so optimal für das jeweilige Fach eingerichtet, so etwa mit Laboreinrichtungen im Physik- oder Chemiezimmer oder mit Landkarten an den Wänden im Geografiezimmer.»

Die Schüler würden sich während der Lektionenpausen mehr bewegen. Ausserhalb der Schulzimmer stünden genug Arbeitsplätze zur Verfügung, so etwa auch in der Bibliothek. Und Schulmaterial könne bei Bedarf in den Spinden in den Gängen verstaut werden. «Bisher äusserten sich die Schüler nicht negativ zum Fachzimmersystem, auch nicht der Schülerrat.»

Matthias Piazzamatthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch


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