Landrat spielt Ball Gemeinde zu

VELOWEG ⋅ Das Teilstück zwischen Stans und Oberdorf muss abermals in die Extrarunde. Ein Rückweisungsantrag der SVP fand eine überwiegende Mehrheit. Nicht die Linienführung, sondern die Bachöffnung ist das Problem.
13. April 2017, 08:08

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

«Es wäre schön, wenn wir heute den Veloweg zwischen Stans und Dallenwil endlich vollenden könnten», sagte Baudirektor Josef Niederberger (CVP) eingangs der Debatte über das noch fehlende Teilstück von der Schmiedgasse Stans bis nach St. Heinrich in Oberdorf. Dieses ist seit mehreren Jahren und wegen Widerständen gegen die ursprünglich beschlossene Variante quer durch Kulturland hängig. Doch je länger die Diskussion dauerte, desto mehr zeichnete sich ab, dass die Vorlage erneut einen schweren Stand haben würde – so, wie wir dies in unserer gestrigen Aus­gabe angekündigt hatten. Und spätestens nach dem rund einstündigen Voten-Marathon stand fest: Des Baudirektors frommer Wunsch geht nicht in Erfüllung.

Da half auch nichts, dass sich die Regierung für die neue Linienführung über den bestehenden Kiesweg und entlang des Stämp­bachs durchweg Komplimente abholte. Der Streitpunkt verlagerte sich dieses Mal auf den Abschnitt entlang des Kollegi-Sportplatzes. Wie schon in der ersten Variante verläuft der Fuss- und Veloweg gerade auf Höhe der alten Tartanbahn. Doch auf diesem Abschnitt soll parallel auch noch der Dorfbach geöffnet werden. Selbst wenn Josef Niederberger beteuerte, dass die Bachöffnung Sache der Gemeinde Stans sei ­und nicht Gegenstand des 800 000-Franken-Kredits für den Veloweg, konnte er nicht verhindern, dass die Projekte von selbst verknüpft wurden. Auslöser dafür war auch ein Schreiben von Kollegi-Sportlehrern an alle Landräte. Darin hatten sie auf Einschränkungen auf dem Sportplatz aufmerksam gemacht, die mit Bachöffnung und Ausscheiden des Gewässerraums drohten. Mehrere Landräte teilten gestern die Bedenken.

Baudirektor bemängelt Vorgehen des Kollegis

«Ich bin überrascht über das Verhalten des Kollegis», kommentierte Baudirektor Niederberger besagtes Schreiben. Hintergrund: Das Kollegi hatte seine Bedenken vorgängig dem Kanton in einer Einwendung mitgeteilt, aufgrund fehlender Legitimation aber wieder zurückgezogen, weshalb Niederberger das Thema gemäss seinen Worten als «bereinigt» betrachtete. Viktor Baumgartner (CVP, Beckenried) wendete ein, dass die fehlende Legitimation nicht automatisch mit einem Rückzug gleichzusetzen sei. Armin Odermatt (SVP, Oberdorf) sagte, seit den Kommissionssitzungen sei «viel Wasser durch das Bächlein Richtung Stans geflossen. Doch mehr trübes als klares.» Er schlug vor, das Geschäft in die Kommissionen zurückzugeben. Parteikollege Walter Odermatt (Stans) hakte nach. Er ortete Konfliktpotenzial zwischen Naherholungssuchenden beim renaturierten Bach und Sporttreibenden und stellte den Antrag auf Rückweisung. «Der Regie­rungsrat muss die Gemeinde auf die Problematik hinweisen. Es braucht nicht zwingend eine Bachöffnung auf diesem Abschnitt.» Andreas Gander (CVP, Stans) hielt entgegen, es existierten behördenverbindliche Pläne. Und: Wenn Private Bauvorhaben realisierten, müssten von Gesetzes wegen eingedolte Gewässer offen gelegt werden. Die öffentliche Hand könne sich nicht darüber hinwegsetzen. «Sonst schaffen wir einen Präjudizfall.» Armin Odermatt erwiderte: «Wenn der Veloweg über den bestehenden Belag führt und nichts daran gemacht wird, muss man auch nicht den Bach öffnen.»

Martin Blättlers (CVP, Hergiswil) markige Worte, mit einer Rückweisung werde «unmotiviert» ein tolles Projekt gefährdet, verhallten im Ratssaal, sodass es der SVP gelang, die Ratslinke und die FDP hinter sich zu scharen. Mit 38 zu 12 Stimmen fand der Rückweisungsantrag eine überwiegende Mehrheit.


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