«Marien-Linde» ist plötzlich umstritten

KEHRSITEN ⋅ Sie erinnert an die 200-jährige Linde, die vor vier Jahren gefällt werden musste. Doch die Skulptur passt nicht in die Umgebung der Kapelle, findet der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee.
18. März 2017, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Über Generationen prägte sie das Kehrsiter Ortsbild. 2013 musste die rund 200 Jahre alte Marienlinde neben der Kapelle aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Seit vergangenem Herbst erinnert eine mehr als vier Meter hohe und rund zweieinhalb Tonnen schwere künstlerische Skulptur daran – gefertigt aus den zwei mächtigen Hälften des alten, hohlen Lindenstamms. Sie ummanteln schützend ein ebenfalls in Lindenholz geschnitztes Marienbild. Ein stilisiertes Fischernetz am oberen Rand der Skulptur erinnert an die beiden Kehrsiter Fischer, denen Maria vor mehr als 400 Jahren an den Ufern des Sees am Bürgenberg erschienen sein soll. Darüber thront eine Glasscheibe.

Doch an der Skulptur «Marien-Linde» haben nicht alle ihre Freude. «Wir werden eine Einsprache einreichen», bestätigt Urs Steiger, Präsident des Landschaftsschutzverbandes Vierwaldstättersee (LSVV), auf Anfrage. Möglich ist dies, weil die katholische Kapellgemeinde Kehrsiten das Baugesuch nachträglich eingereicht hat; es läuft noch bis zum 21. März.

«Wir sind der Meinung, dass diese Skulptur einen nicht tolerierbaren Eingriff in das wunderschöne und geschützte Ortsbild darstellt», begründet Urs Steiger diesen Schritt. «Dieses Kunstwerk erfüllt den Anspruch an eine sorgfältige Gestaltung der Umgebung in keiner Weise. Es passt insbesondere nicht zur benachbarten Kapelle, welche zum Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung gehört.

Und wie es das Wort schon sagt, gehört dazu nicht nur das Gebäude selber, sondern auch dessen Umgebung.» Man anerkenne wohl die emotionale Verbindung zur 200-jährigen Linde. Doch erfülle die Umsetzung nicht die Anforderungen für nationale schützenswerte Ortsbilder.

Es hätte einen Künstler­wettbewerb gebraucht

Grundsätzlich sei das Vorgehen falsch gewesen. Zum einen brauche es eine grundsätzliche Abwägung zwischen dem nationalen Interesse am Schutz des Ortsbildes Kehrsiten und den lokalen Anliegen durch die zuständigen Behörden. «Für Kunstobjekte an solch sensiblen Orten muss man aber auch die bestmögliche Lösung mit einem Künstlerwett­bewerb wählen – und auch Fachleute mit ins Boot holen», hält LSVV-Präsident Urs Steiger fest. Doch für die «Marien-Linde» sieht Urs Steiger keine Rettung – zumindest nicht an diesem Standort. «Die Skulptur muss entfernt werden», ist seine ultimative Forderung.

Der Kapellrat der Kapellgemeinde Kehrsiten könne sich zum laufenden Bewilligungsverfahren inhaltlich nicht weiter äussern, hiess es auf Anfrage unserer Zeitung. Als man im Dezember die Umgebungsarbeiten geplant habe, habe man mit der Denkmalpflege nochmals Kontakt aufgenommen und die empfohlenen Schritte eingeleitet, begründet der Kapellrat das nachträgliche Gesuch.


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