Mit 82 braust er noch die Pisten runter

KLEWENALP ⋅ Gottfried Wüthrich ist nicht Sieger, aber in einer Hinsicht trotzdem die Nummer 1 am Beggrieder Hornschlittenrennen: Der Marbacher ist ältester Teilnehmer.
14. März 2016, 05:00

«Hornschlitten fahren ist und bleibt mein Hobby, solange es die Gesundheit zulässt», sagt Gottfried Wüthrich. Und das im Alter von 82 Jahren! Fünf- bis sechsmal gehts im Winter an ein Rennen, wenn es die Bedingungen zulassen. «Heuer war es mit dem Schnee etwas knapp», bedauert er. Auch wenn er es zeitmässig nicht an die Spitze schafft: ein anderer «Podestplatz» ist ihm auf sicher. Der rüstige Marbacher – pilotiert von seinem Sohn Peter (52) – ist mit seinem hohen Alter in der Regel der älteste Teilnehmer. Das war am Samstag beim 20. Beggrieder Hornschlittenrennen auf der Klewenalp nicht anders.

Am Samstag fand auf der Klewenalp das Hornschlittenrennen statt. 82 Fahrer waren dabei.

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Ein möglichst guter Rang steht für den Senior aber auch nicht im Vordergrund. Vielmehr ist es der Spass, den ihn nicht loslässt. «Mit einem Mittelfeldplatz sind wir schon zufrieden. Wir rennen nicht, wir fahren», lacht der 82-Jährige. Auf der Klewenalp reichte es in diesem Jahr für den 60. Rang unter 82 Teilnehmern. «Wegen des stockdichten Nebels sah man kaum bis zum nächsten Tor. Und ehe wir uns versehen hatten, landeten wir auch schon brusthoch im Tiefschnee», schmunzelt sein Sohn Peter Wüthrich.

Stürze stecken sie einfach weg

«Ein Renntag ist für mich fast Alltag», erzählt Gottfried Wüthrich. «Morgen früh besorge ich mit meinem Sohn den Stall, nachher fahren wir ab ans Rennen.» Die Arbeit auf dem Hof halte ihn fit. Natürlich seien auch sie nicht vor Stürzen gefeit. «Doch die gehören einfach dazu, die stecken wir weg, das ist nicht so schlimm», sagt er in einem Ton, den man sich sonst von zwei Generationen jünger gewohnt ist.

Das Hobby war für die beiden Landwirte aus Marbach naheliegend, benutzten sie doch den Schlitten früher im Winter für Holztransporte und im Sommer für das Wildheu. Der aktuelle Hornschlitten war übrigens ein Geschenk zu seinem 75. Geburtstag. Seit 1999 ist das Vater-Sohn-Gespann schon auf den Pisten unterwegs. «Allzu verrückt gehen wirs nicht an, wir müssen schliesslich am anderen Tag wieder auf dem Hof arbeiten», sagt auch Peter Wüthrich. An einen Unfall auf der Klewenalp erinnert er sich noch gut: «Wir waren auf der gefrorenen Piste etwas rasant unterwegs. Bei einem Tor schleuderte es uns raus – mit Quetschungen und Nasenbluten als Folge. Aber dies hielt uns nicht davon ab, beim nächsten Mal wieder auf den Schlitten zu steigen.» Tatsächlich reiste das Duo bereits am Sonntag nach Heiligchrütz, um beim Saisonabschluss nochmals alles in die Waagschale zu werfen. «Wir wollen das schlechte Abschneiden auf der Klewenalp vergessen machen und voll angreifen», hielt Peter Wüthrich kurz vor dem Start am Telefon fest. Und auch nächstes Jahr, wenn sein Vater 83-jährig ist, wird man das Familiengespann wieder auf den Pisten antreffen. «Ans Aufhören denken wir noch lange nicht.»

Matthias Piazza/Oliver Mattmann

Resultate 20. Beggrieder Hornschlittenrennen. Herren: 1. Manuel Deck/Roland Deck, HMC Schwyz, 3:04. 2. Hubert Schäli/Remi Haldi, Heiligchrütz 4, 3:14. 3. Jürg Keller/Ueli Grunder, HSC Zäziwil, 3:20. – Damen: 1. Ruth Würsch/Silvia Käslin, Geissbalmschlittler Isenthal, 3:37. 2. Luzia Deck/Stefanie Küttel, HMC Schwyz, 3:39. 3. Sonja Zurbuchen/Michelle Gerber, HSC Habkern, 4:28.

Die ganze Rangliste finden Sie hier.


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