Mosten scheint aus der Mode zu kommen

STANS ⋅ Früher wurde die Mostpresse der Getränke Lussi AG rege benutzt. Heute liefert noch ein Dutzend Bauern Obst an. Am Preis für die Verarbeitung könne es nicht liegen, sagt der Geschäftsführer.

14. Oktober 2016, 05:00

Norbert Fischer schaufelt mit kräftigen Stössen die Äpfel durch ein Loch in den unterirdischen Wasserkreislauf der Mostpresse. Drei Tonnen hat er gestern Nachmittag bei der Getränke Lussi AG in Stans angeliefert. Etwas mehr als eine Stunde später steigt der Bauer aus Oberdorf wieder in seinen Traktor, auf dem Anhänger ein Tank gefüllt mit über 2500 Litern frisch gepresstem Süssmost. «Dieser wird nun pasteurisieret und ab dann vorzu in 10-Liter-Kartons verkauft», erzählt er.

Abnehmer seien nebst Verwandten vorwiegend Private aus der Umgebung, daneben liefert er seinen Süssmost zum Beispiel auch ins Bärghuis Jochpass. Fischers Liegenschaft umfasst etwa 150 Bäume, darunter auch Birnen oder Zwetschgen. Auch wenn damit kein grosser Verdienst angestrebt werden kann, sagt der Landwirt: «Die Weiterverarbeitung von Obst stellt für uns grundsätzlich schon einen Betriebszweig dar.» Auf anderen Bauernhöfen scheint dies nicht mehr so häufig der Fall zu sein, hat Remigi Lussi den Eindruck. Der Geschäftsführer der Getränke Lussi AG hat das Gefühl, dass nicht mehr viele konsequent auf Obst im Nebenerwerb setzen.

Für verbliebene Bauern wichtige Dienstleistung

Vor einigen Jahren sei die Mostpresse seines Betriebs noch rege benutzt worden, heute seien es in der Saison im September und Oktober vielleicht noch 10 bis 15 Kundenmoster, die ihre Früchte bei ihm zu Saft machen lassen. An der diesjährigen Obsternte könne es nicht gelegen haben, meinen Lussi und Fischer unisono. Diese sei dank dem schönen Sommerwetter und milden Herbst sicher nicht zu knapp ausgefallen. Obwohl das Geschäft mit der Mostpresse kaum noch rentiert, will der bekannte Getränkehändler auch am künftigen Standort in Oberdorf daran festhalten. Dort werde es eine neue Steuerung für die Anlage geben, um die verschiedenen Vorgänge zu automatisieren, verrät Lussi. Dies freut Norbert Fischer: «Für uns ist es enorm wichtig, dass diese Dienstleistung erhalten bleibt.» Grossmostereien in Luzern etwa würden die Maschine unter vier Tonnen Obst erst gar nicht anschalten.

Den Schwund an Kunden kann sich Remigi Lussi nicht so recht erklären. Waren es vor wenigen Jahren noch 800 Tonnen Obst, die zur Mostproduktion herangekarrt wurden, sind es gegenwärtig noch rund 600 Tonnen – mit saisonalen Schwankungen. Zusammen mit dem Eigenbedarf für den Verkaufsladen werden so jährlich rund 5000 Hektoliter Migi-Most, Apfelmoste und Organgensaft hergestellt. Pikant: Gut die Hälfte der Äpfel wird ausserkantonal eingekauft, was eigentlich für die regionalen Obstproduzenten ein Potenzial darstellen würde.

Der Preis, den die Kundenmoster für die Verarbeitung zahlen, könne nicht am Rückgang schuld sein, so der Geschäftsführer. Dieser betrage seit längerer Zeit unverändert 23 Rappen pro Liter. Und auch an der Konkurrenz in Nidwalden liegts nicht. Getränke Lussi bietet heute seines Wissens als Einziger noch eine Kundenmosterei an. Früher habe es noch zwei, drei andere Mitbewerber gegeben. Eine Vermutung hat Lussi dennoch: «Heute bekommen die Bauern Subventionen für ihre Bäume, ob sie das Obst auflesen oder nicht. Früher war dies an die Ernte gekoppelt.» Allerdings bezweifelt er, dass dies der Hauptgrund ist.

Mostabsatz bleibt auf konstantem Niveau

Die frohe Kunde für Remigi Lussi: Das rückgängige Interesse bei Bauern an der Mostherstellung ist offenbar kein Anzeichen dafür, dass die Leute heute weniger Most konsumieren. «Das Gesamtvolumen an verkauftem Saft in unserem Laden ist stabil.»

Oliver Mattmann


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