Richtfunk bringt Internet auf die Alp

NIDWALDEN ⋅ Die Engelberger Tele Alpin AG will mit der neuen Richtfunk-Technologie Kunden mit Internet versorgen. Nicht die Ballungszentren stehen im Fokus, sondern die Nidwaldner Randgebiete.

01. Dezember 2016, 05:00

Auch der Bergbauer auf Wiesenberg oder in Grafenort braucht einen leistungsfähigen Internetanschluss. Häufig können aber Leute, die abseits von Ballungszentren wohnen, nur davon träumen. «Bauern sind auch auf das Internet angewiesen, sei es fürs Disponieren ihres Viehs oder fürs Internetbanking. Solche Aktionen dauern bei einer Bandbreite von weniger als 5 Megabit pro Sekunden, was in Berggebieten nicht unüblich ist, eine gefühlte Ewigkeit», habe er im Gespräch erfahren, erzählt Philipp von Holzen, Geschäftsführer Technik bei Tele Alpin AG (TEP). Der Engelberger Telekommunikationsanbieter will dem Missstand nun Abhilfe verschaffen.

In den vergangenen Monaten hat die TEP ein Richtfunknetz aufgebaut. Seit einem Monat sind das Engelbergertal, Ennetmoos, Stans, Stansstad, Oberdorf, Obbürgen, Buochs, Wirzweli, Oberrickenbach, Niederrickenbach, Grafenort und Altzellen erschlossen. Beckenried, Emmetten und Seelisberg sollen im nächsten Jahr folgen. Mit dieser Technologie kommt das Internet durch die Luft. Sender auf dem Stanserhorn, auf Brändlen oberhalb Wolfenschiessen, auf Bielen bei Grafenort und am Buochserberg senden das Signal an eine Empfangsantenne, welche einem Satellitenspiegel gleicht. Einzige Voraussetzung für den Empfang ist Sichtkontakt. Das Wetter spielt keine Rolle. «Damit garantieren wir eine Bandbreite von 50 Megabit pro Sekunde, damit ist man leistungsmässig auf der Höhe der Zeit. Die Kunden können in bester Qualität Filme schauen», sagt Philipp von Holzen. Selbst Fernsehen und Festnetztelefonie sollen über das Signal problemlos funktionieren.

Technologie hat sich bewährt

Vier Kunden surfen laut von Holzen in Nidwalden bereits erfolgreich mit Richtfunktechnologie. Er spricht von einem Potenzial von rund 200 Kunden in Nidwalden, die in Randgebieten wohnen und internettechnisch unterversorgt sind. Er ist von der Nach­frage überzeugt. «Viele Besucher an der Engelberger Gewerbeausstellung diesen Frühling und in unserer Geschäftsstelle in Buochs beklagten sich über die schlechte Internetversorgung anderer Anbieter und fragten nach unserer Richtstrahltechnologie, die sie von Engelberg her kannten.»

Dort bewähre sich die Technologie seit eineinhalb Jahren. Und schon seit Jahren werde sie in Engelberg für die Seilbahnüberwachungen und für die Internetversorgung der Weltcup-Sprungschanze eingesetzt.

«Die Telekommunikations-unternehmen bauen vor allem in den Ballungszentren aus und lassen die Randgebiete links liegen. Oft erfolgt dieser Ausbau mit öffentlichen Steuergeldern, etwa in Luzern und Zürich. Wir bearbeiten diese Nischen auf eigene Kosten.» Er spricht von rund 35 000 Franken Investitionskosten. «Lukrativ ist dies für uns in der ersten Zeit sicher nicht. Die Rendite steht bei uns aber nicht an erster Stelle. Wir sind der Meinung, dass auch Kunden in Randgebieten in den Genuss einer guten Versorgung kommen sollen», so von Holzen. Kunden bezahlen für die Installation 149 Franken und 49 Franken monatlich. Eine Erweiterung dieses Angebotes im Sarneraatal hat die TEP im nächsten Jahr vorgesehen.

Wie sieht es bei der Kabelfernsehen Nidwalden AG (KFN) als heimischer Anbieterin mit der Versorgung von Randgebieten aus? Der grösste Teil der Kunden der KFN befinde sich in den jeweiligen Bauzonen der Gemeinden, ausserhalb sei die Versorgungsdichte kleiner, heisst es auf Anfrage.

Ausserhalb der Bauzonen sei für noch nicht an das KFN-Netz angeschlossene Gebäude eine WLAN-Versorgung angedacht, aber noch nicht umgesetzt.

Matthias Piazza


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: