Spitex-Kurs für Wiedereinsteigerinnen

NIDWALDEN ⋅ Bislang einzigartig in der Zentralschweiz ist ein Kurs von der Spitex Nidwalden für Wiedereinsteigerinnen. Die Reaktionen der Teilnehmerinnen ist positiv, die Rückkehr in den Beruf wird dennoch gründlich abgewogen.
28. Dezember 2017, 05:00

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

«Der Kurs war wirklich super», erzählt Rita Studer aus Giswil. «Mir war wichtig abzuklären, inwieweit ich à jour bin», berichtet die 44-jährige Familienfrau und ausgebildete Pflegefachfrau. Rita Studer ist eine von acht Teilnehmerinnen des Kurses für Wiedereinsteigerinnen in den Pflege­beruf, den die Spitex Nidwalden als erste und bisher einzige in der Zentralschweiz angeboten hat.

«Einfach Berufsleute auszubilden, reicht nicht, das machen wir ja bereits», versichert Walter Wyrsch, Geschäftsleiter der Spitex Nidwalden. Ein Drittel aller Pflegekräfte bei der Organisation sind Frauen mit familiärem Hintergrund in Teilzeitbeschäf­tigung.

Zunahme des Pflegebedarfs erfordert mehr Personal

«Wir merken die demografische Entwicklung. Die Zunahme der über 80-Jährigen ist bei der Spitex deutlich spürbar, das können wir nicht nur mit jungen Arbeitskräften bewältigen», so Wyrsch. Ausserdem liege es ja auch im volkswirtschaftlichen Interesse, jemanden, der über die entsprechende Ausbildung verfüge, wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Laut Esther Christen, Bereichsleitung Pflege bei der Spitex Nidwalden, bringen Wiedereinsteigerinnen Qualitäten mit, über die Berufseinsteigerinnen oft weniger verfügen: «Sie haben Erfahrung, sind motiviert, sozialkompetent, belastbar und zeitlich flexibel», äusserte sie sich bei der Einführung des neuen Kurses.

Auf jeden Fall hat das neue Kursangebot in der Branche Aufmerksamkeit erregt. «Wir stellen das Konzept in Regionalkonferenzen in der Zentralschweiz vor. Von Spitalseite gab es dazu bereits positive Reaktionen», berichtet Walter Wyrsch.

Pflegeexpertinnen und Bereichsleitung bringen die Kursteilnehmerinnen an sechs Abenden und einem Samstag auf den neuesten Stand der Entwicklung in der Pflege der letzten Jahre. «Das Kursziel ist die Ermutigung für den Wiedereinstieg», betont Walter Wyrsch. Die ist offensichtlich nötig. Vielen geht es wie der dreifachen Mutter und Bauersfrau Petra Karli aus Ennetmoos, die seit dreizehn Jahren nicht mehr in ihrem Ausbildungsberuf Pflegefachfrau tätig ist. «Ich habe ziemlich Respekt, es sind immerhin 13 Jahre vergangen, vieles hat sich verändert, vor allem das Administrative. Der Wiedereinstieg will gut überlegt sein.»

Durch den Kurs an Selbstvertrauen gewonnen

Rita Studer aus Giswil äussert sich sehr positiv zum Kurs. «Unsere Fragen wurden sehr kompetent beantwortet.» Sie hat vor achteinhalb Jahren eine Berufspause eingelegt, als sie mit dem vierten Kind schwanger war. «Damals waren Pflegedokumentationen noch nicht digitalisiert», erzählt sie. «Das wird für mich neu sein.» Immerhin hat sie durch den Kurs Selbstvertrauen gewonnen: «So weit bin ich nicht davon entfernt», sagt sie. Auch Petra Karli fühlt sich ermutigt: «Der Kurs hat sicher viel gebracht und mir die Angst genommen. Man wäscht ein Bein immer noch mit Wasser und Waschlappen.»

Das Wiedereinsteigen muss sorgfältig erwogen werden. Derzeit überlegten laut Walter Wyrsch zwei Teilnehmerinnen, wieder in ihren Beruf einzusteigen. Familienfrau Karli, die noch 50 Prozent auf dem eigenen Hof arbeitet, will nach eigenen Angaben erst die Kinder in der Selbstständigkeit wissen. Ausser den eigenen betreut Rita Studer auch noch Tageskinder. «Eigentlich möchte ich, aber die Zeit dafür ist noch nicht reif.»

Hinweis

Der nächste Kurs von Spitex Nidwalden für Wiedereinsteigerinnen wird im Herbst angeboten.

www.spitexnw.ch


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