Sportforum flirtet mit Olympia

NIDWALDEN ⋅ Swiss Olympic möchte, dass 2026 in der Schweiz das olympische Feuer brennt. Das Sportforum Nidwalden diskutierte am Freitag die Frage: «Braucht die Schweiz Olympische Spiele?»

03. Oktober 2016, 05:00

Erst zweimal fanden in der Schweiz Olympische Spiele statt, nämlich 1928 und 1948, beide Male in St. Moritz. Doch seither sind alle Bemühungen fehlgeschlagen, den grössten Wintersport-Event der Welt wieder in die Schweizer Berge zu holen. Die Projekte für 2002 und 2006 im Wallis scheiterten ebenso wie die Kandidatur für 2022 Davos/St. Moritz, welche vor drei Jahren vom Bündner Stimmvolk abgelehnt wurde. Doch bereits scheint der sportpolitische Wind wieder gedreht zu haben. Nun will Swiss Olympic die Spiele 2026 in die Schweiz holen. Auch die Zentralschweizer Kantone wollen sich an einer Bewerbung beteiligen.

Grund genug, das Thema am 11. Nidwaldner Sportforum in Emmetten zu diskutieren. Im Zentrum stand ein Talk einer illustren Runde mit Olympiasiegerin Dominique Gisin (31), Nina Christen (22), Sportschützin und Olympia-Teilnehmerin in Rio, Roger Schnegg (47), Direktor Swiss Olympic, Beat Hensler (58), Sekretär des Bewerbungskomitees Winteruniversiade 2021, und Hansruedi Müller (69), ehemaliger Professor für Tourismus-Ökonomie Uni Bern.

Bevor Moderator Paddy Kälin (40) den Talk eröffnete, fragte er konsultativ das Publikum, das aus rund 100 geladenen Gästen aus Sport und Politik bestand: «Braucht die Schweiz Olympische Spiele?» Das Resultat war wenig überraschend. Bis auf zwei Personen erhob der ganze Saal die Hand. «Das sind zwei Mutige», meinte Kälin zu den Nein-Sagern. Aber eigentlich wurde seine Frage falsch verstanden, wie sich in der anschliessenden Diskussion herausstellte. Denn es kristallisierte sich die Meinung heraus, dass die Schweiz die Spiele zwar nicht unbedingt brauche, aber umso mehr wünsche. «Welches Land braucht schon Olympische Spiele?», fragte Dominique Gisin rhetorisch. «Es wäre aber cool, einmal selbst zu zeigen, wie man es macht, statt nur die andern zu kritisieren», so Gisin. Sie selbst sei «mega enttäuscht» gewesen, als das Bündner Volk 2013 die Bewerbung Davos/St. Moritz für 2022 abgelehnt habe. Ähnlich positiv äusserten sich die andern Talk-Gäste. «Wir Schweizer jubeln immer, wenn unsere Landsleute Medaillen gewinnen, aber selber diesen Event organisieren wollen wir nicht», stellte Beat Hensler fest.

Nachhaltigkeit als Bedingung

Ein klares Bekenntnis zu Olympia kam auch von Roger Schnegg, allerdings mit Vorbehalten: «Die Spiele müssen nachhaltig für Tourismus und Bevölkerung sein.» Zudem sei die Akzeptanz der Bevölkerung unabdingbar, so Schnegg. Leicht kritische Argumente brachte Professor Hansruedi Müller ein: «In der Schweiz ist alles etwas zu klein für Olympische Spiele, insbesondere die Hotels.» Er sehe den Ansatz noch nicht so richtig, sei aber der Ansicht, dass es «Schweizer Spiele» und nicht «Bündner Spiele» sein sollten, so Müller. «Es braucht ja nicht so pompöse Spiele, spielen wir doch lieber unsere Schweizer Stärken aus», meinte Dominique Gisin. Sie könnte sich sogar einen ganz anderen Ansatz vorstellen. «Warum nicht zum Beispiel die beiden ETH in Zürich und Lausanne in die Spiele miteinbeziehen?», so Gisins Idee.

Unterstützung kam auch von Nina Christen. Die Sportschützin erzählte auf sympathische Weise von ihren Erfahrungen im Olympiadorf in Rio und den wertvollen Begegnungen mit Leuten aus aller Welt. Aber auch sie zeigte kritische Ansätze: «Wir sollten nur solche Bauten erstellen, die auch nach den Spielen sinnvoll und langfristig genutzt werden können.» Zurück blieb die Erkenntnis: Die Schweiz braucht nicht zwingend Olympische Spiele, aber sie wären höchst wünschenswert und für viele ein Traum.

Kurt Liembdredaktion@nidwaldnerzeitung.ch


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