Sternwarte auf dem Kollegidach: Hier sind die Sterne näher als irgendwo

STANS ⋅ Für einmal durften «Normalsterbliche» durchs Teleskop blicken. Und waren beeindruckt. So offenbarte sich die von einem sterbenden Stern abgestossene Gaswolke als mildes Scheibchen.

02. Dezember 2016, 05:00

Ein grosser leuchtender Stern hängt in diesen Tagen über dem Haupteingang des Kollegiums St. Fidelis in Stans. Er fügt sich ein ins Lichtermeer, das die Adventszeit begleitet. Doch nur wenige wissen, dass es auf dem Flachdach der Nidwaldner Mittelschule einen Platz gibt, an dem die echten Sterne näher zu sein scheinen als sonst irgendwo. In einem Blechhäuschen mit Schiebedach befindet sich die Sternwarte des Kollegis. Gebaut wurde das Teleskop mit dem Spiegeldurchmesser von 30 Zentimetern einst von Anton Scheuber aus Büren. Nach seinem Tod vermachte seine Familie das Instrument 1996 der Mittelschule.

Das Fernrohr wird nun von Andreas Traber aus Kerns in Schuss gehalten, der bis zu seiner Pensionierung 20 Jahre lang am Kollegi Physik unterrichtet hat. Seine lebenslange Faszination für die Astronomie wird deutlich, wenn er astronomisch Interessierten den Sternenhimmel zeigt.

Leuchtende Naturphänomene

Fünf Besucher begrüsst Andreas Traber an diesem sternenklaren Abend. Der Teenager ist genauso vertreten wie die Seniorin. Sie stellen sich rund um das Teleskop. Dann geht das Licht aus. Haben sich die Augen erst einmal an die Dunkelheit gewöhnt, leuchtet das Band der Milchstrasse deutlich am Himmel. Traber justiert das Teleskop auf Deneb, den hellsten Stern im Sternbild Schwan, der sich langsam gegen Westen bewegt. Dort macht sich der Lichtschein der Stadt Luzern bemerkbar. «Weil wir hier ziemlich tief sind, stört das Umgebungslicht manchmal schon», gibt Traber zu bedenken. Schnell montiert er einen Filter, der das Zivilisationslicht unterdrückt. Dann gibt er die Katalognummer eines Ringnebels ins elektronische Steuergerät. Mit einem leisen, metallischen Surren fährt das Teleskop in die gewünschte Position. Der Reihe nach schauen die Sterngucker durchs Okular und diskutieren, was sie sehen. Die von einem sterbenden Stern abgestossene Gaswolke offenbart sich als milchiges Scheibchen, das am Rand etwas heller leuchtet als in der Mitte.

Erlebnis steht im Zentrum

«Wer bunte, detaillierte Bilder sehen will, kann das im Internet nachholen; unsere Optik und das menschliche Auge stossen hier an Grenzen», erklärt Andreas Traber. Doch in der Kollegi-Sternwarte geht es ums Erlebnis, die astronomischen Phänomene direkt mit den eigenen Augen zu beobachten. Und schon nimmt Traber das nächste Ziel ins Visier. Es ist ein Kugelsternhaufen. Darauf folgen offene Sternhaufen und verschiedene Typen von Doppelsternen. Natürlich darf auch der Andromedanebel nicht fehlen, der inzwischen über dem Buochserhorn erschienen ist.

Zwischendurch geht Traber mit seinen Besuchern ins Dachgeschoss des Kollegis, wo er einige Grundbegriffe der Astronomie erklärt. Er erzählt von Galileo Galileis ersten Beobachtungen durchs Fernrohr vor über vierhundert Jahren und von der Kartografie des Himmels. Mit einer App auf dem Tablet demonstriert er, dass sich der Jupiter gerade über der südlichen Hemisphäre befindet und der Mars vom Stanserhorn verdeckt wird.

Organisiert werden solche Beobachtungsabende zum Unkostenbeitrag von 10 Franken von der Naturforschenden Gesellschaft Obwalden und Nidwalden (Nagon), welcher Traber als Präsident vorsteht. «Als Regionalgesellschaft der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz wollen wir naturwissenschaftliches Wissen in die Bevölkerung tragen», spricht er das Haupt­anliegen des Vereins an. Die meisten Exkursionen drehen sich um biologische Themen, mit denen die Nagon immer wieder breite Kreise anzusprechen vermag. Nach einem eher wolkenverhangenen November hofft er nun auf vermehrt klare Nächte, in denen er weiteren Besuchern die Sterne näherbringen kann.

Hinweis

Infos für Interessenten an Sternbeobachtungen: info@nagon.ch

Edi Ettlin


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