Verlust eines Haustieres über Festtage schmerzt

HERGISWIL ⋅ Seit über zehn Jahren setzt sich die Schweizerische Tiermeldezentrale für die Rückführung vermisster Haustiere ein. Besonders in der Weihnachtszeit verlassen sich Alleinstehende auf die Nähe tierischer Freunde.
22. Dezember 2017, 04:40

Flavia Niederberger

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

 

«Der Verlust eines Haustieres schmerzt das ganze Jahr über, doch im Zusammenhang mit Weihnachten tut es besonders weh.» Bernadette Christen, Geschäftsführerin der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) mit Sitz in Hergiswil, kennt die Emotionen verzweifelter Haustierbesitzer, die anrufen, um eine Vermisstmeldung aufzugeben. Zum Teil seien es alleinstehende Personen, deren verschwundener tierischer Freund ein trauriges Licht auf die Festtage werfe. Doch zum Glück seien im Winter die Vermisstmeldungen generell weniger häufig. Die Kälte und der Schnee lassen die Vierbeiner eher zu Hause bleiben.

Seit mehr als zehn Jahren setzt sich die Schweizerische Tiermeldezentrale für die Rückführung vermisster Haustiere ein. Schweizweit wurden seit ­derer Gründung bereits 150000 Vermisstmeldungen verarbeitet. Dies geschieht grösstenteils über die Online-Datenbank. Fund- sowie Vermisstmeldungen können auf diese Weise ausgefüllt werden. Wer Unterstützung braucht, kann sich auch bei der 24-Stunden-Telefon-Hotline melden. Die eingegangenen Meldungen werden abgeglichen, und gleichzeitig werden die STMZ-Helfer aus der Umgebung informiert. Um die 30000 Freiwillige sind Teil des Netzwerkes «Nachbarschaftshilfe und Solidarität unter Tierfreunden» und werden benachrichtigt, wenn in der Nähe ein Tier vermisst wird.

Bis zu 200 Meldungen pro Tag

Zu Spitzenzeiten im Sommer können bis zu 200 Meldungen täglich anfallen. Je länger und heisser die Tage, desto mehr verbringen die Tiere Zeit draussen und werden eher vermisst. Schlimme Tage sind für die Vierbeiner auch Feste, die mit Feuerwerken gefeiert werden, wie der 1. August oder Silvester.

Wichtig für das Non-Profit-Unternehmen sind die Spendengelder, die das Angebot zur kostenlosen Suche fast ausschliesslich finanzieren. So kann die Seite immer aktuell gehalten und auch die Zunahme an Meldungen gemeistert werden. Bis Ende Jahr werden es in diesem Jahr gemäss Geschäftsführerin Bernadette Christen über 22000 Meldungen sein. Dies sind 2000 mehr als im Vorjahr. Die Gründe dafür sieht die Geschäftsführerin in der wachsenden Anzahl Haustiere, aber auch in der zunehmenden Bekanntheit der Webseite. Dank Internet seien die Leute sensibilisierter und fänden auch leichter Zugang.

Hunde müssen seit elf Jahren gechippt werden. Für Katzen ist dies freiwillig, doch gerade sie machen 90 Prozent der Vermisstmeldungen aus. Ein Chip würde die Wiedervereinigung vereinfachen, da die Besitzer leichter ausfindig gemacht werden können. Oft gebe es auch Fälle, in denen mehrere Personen Anspruch auf ein Tier erheben, erzählt Christen. Nach monatelangem Verschwinden seien die Tiere manchmal ausgehungert und ungepflegt. So könne die schwarze Katze mit dem weissen Fleck von mehreren Haltern vehement als die ihre bezeichnet werden. In solchen Fällen sei es ohne Chip schwierig, den wahren Besitzer auszumachen.

Finder mit Huhn belohnt

Für die Mitarbeit bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale benötigt es eine Affinität zu Tieren und Fingerspitzengefühl für Halter. «Ich habe selber zwei Katzen und bin immer froh, wenn sie mich erwarten, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme», so Christen. Sie versteht, wenn verzweifelte Besitzer anrufen und nach Rat suchen.

Bei all den Geschichten mit ratlosen Haustierbesitzern und verzweifelten Suchen gibt es aber auch viele Lichtblicke, die grössten sind natürlich die, in denen verloren geglaubte Tiere wieder gefunden werden. Aber auch spezielle Meldungen haben schon für Erheiterung gesorgt. So berichtet Bernadette Christen von einem aufgefundenen Huhn. Zehn Tage später sei die Meldung eingegangen, der Besitzer sei ausfindig gemacht worden. Das Huhn durfte allerdings bei der Finderfamilie bleiben. Die Kinder hatten das Tier bereits ins Herz geschlossen, und der Besitzer hatte ihr Zuhause für «Hühner-tauglich» erklärt. Dies zeigt, dass es sich nicht nur für Tierhalter lohnen kann, die Dienste der Tiermeldezentrale zu benutzen. So machen Finder von vermissten Tieren betroffene Besitzer wieder glücklich – oder sie erhalten wie im Falle des Huhns eben selber «Familienzuwachs».

Hinweis

Homepage mit Infos zum Spendenkonto: www.stmz.ch


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