Wie viel Steinschlagschutz braucht es?

NIDWALDEN ⋅ Die Regierung will den Schutz der Kehrsitenstrasse vor Steinschlag noch vertiefter prüfen. Die Auflage des generellen Projekts verzögert sich.

25. November 2016, 05:00

Drei Varianten standen zuletzt im Vordergrund für die Sanierung der Kehrsitenstrasse. Eine für 8 Millionen, eine für gut 12 Millionen und eine für 17,4 Millionen Franken. Letztere war der Stansstader Bevölkerung im September ausführlich vorgestellt worden. Der Regierungsrat hatte danach entschieden, sich aufgrund der Bedeutung des Projekts und der hohen Kosten noch einmal mit den Varianten auseinanderzusetzen.

Das hat er nun vergangene Woche in einer Klausur getan. Die Varianten unterscheiden sich insbesondere beim Ausbaustandard, etwa bei der Anzahl der Ausweichstellen, aber auch beim Steinschlagschutz.

Die Festlegung von Schutzzielen im Zusammenhang mit den Massnahmen gegen Steinschlag auf der Kehrsitenstrasse sei wichtig, schreibt die Regierung in einer Medienmitteilung. «Wir werden uns in einer der nächsten Sitzungen von Spezialisten die Schutzziele und alles, was damit zusammenhängt, ausführlich darlegen lassen», sagt Baudirektor Josef Niederberger im Gespräch mit unserer Zeitung. Klar sei bereits jetzt, dass die günstigste Variante herausgefallen sei. Diese sei auch in den Gesprächen mit der Kehrsiter Begleitgruppe nie zur Debatte gestanden. Das Projekt für 17,4 Millionen Franken sei eine sehr gute Variante, jene für 12,9 Millionen erfülle die Schutzziele Naturgefahren gemäss schweizweit anerkannten Richtlinien bereits nicht mehr. Bei der günstigeren Variante werden auf einer Länge von insgesamt 360 Metern Steinschlagschutznetze verbaut, bei der teureren sind es 735 Meter – mehr als doppelt so viel.

Die Frage nach dem Risiko

Für den Regierungsrat werde es darum gehen, ob das Projekt für 17,4 Millionen umgesetzt werde, «oder ob es eine Möglichkeit zwischen den beiden Beträgen gibt, die die Schutzziele ebenfalls erfüllt», sagt Niederberger.

Die Kehrsitenstrasse sei in der Vergangenheit verschiedentlich von Steinschlag betroffen gewesen, so die Mitteilung der Regierung. Die Strasse habe jeweils für eine gewisse Zeit gesperrt werden müssen. Glücklicherweise seien bisher keine Personen zu Schaden gekommen. «In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welches Risiko künftig bezüglich Steinschlag eingegangen werden soll», hält die Regierung fest. Je nachdem, wie hoch das Schutzziel festgelegt werde, ergäben sich daraus mehr oder weniger aufwendige Massnahmen. «Den 100-prozentigen Schutz gibt es nicht. Es kann auch einmal ein Steinschlag eintreten, bei dem auch die Netze nicht mehr genügen», sagt Niederberger.

Anschauen will der Regierungsrat zudem, ob es beim Verkehrsregime noch weitere Möglichkeiten geben könnte. «Es wäre ja beispielsweise auch ein Einbahnregime mit einer Lichtsignalanlage denkbar», so der Baudirektor. Ohne Gegenverkehr könnte an der Zahl der Ausweichstellen geschraubt werden, was ebenfalls zu tieferen Kosten führt. «Heute wissen wir nicht, ob so ein Regime überhaupt möglich und für die Bevölkerung auch sinnvoll wäre», sagt Josef Niederberger und betont, dass sämtliche möglichen Massnahmen in enger Zusammenarbeit mit der Kehrsiter Begleitgruppe begutachtet würden.

Eine Verzögerung gibt es im Zeitplan. Ursprünglich war vorgesehen, im Oktober das generelle Projekt aufzulegen. Das wird nun laut Josef Niederberger erst Anfang 2017 der Fall sein. Er glaubt, dass das Projekt ohne grosse Probleme durch die Auflage und die Beratungen im Landrat kommt: «Es wurde alles sehr ausführlich vorbesprochen.» Als frühester Baubeginn steht nach wie vor der Herbst 2019 im Raum.

Martin Uebelhart


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