Auf Entdeckung durchs «Charlie-Land»

STANSSTAD ⋅ «Momente der Zeit» heisst die aktuelle Ausstellung von Charlie Lutz. In der Sust zeigt er ganz neue Werke. Die Vernissage lud ein, sich darauf einzulassen.
06. November 2017, 05:00

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

 

Wie ehrt man einen etablierten Künstler? Andreas Pfister, Publizist und Lehrerkollege von Charlie Lutz an der Kantonsschule Zug, wählt einen Kunstgriff: Er beschreibt eine Reise, und zwar seine von Zürich, Haltestelle Schweighof, bis in die Sust, in «Charlies Land», originell, scharf beobachtend in den Details, augenzwinkernd.

Dabei bewegt sich der Wortkünstler quer durch den Raum, macht vor dem Vernissage-Publikum am Samstag selbst eine kleine Reise. Von Werk zu Werk quer durch das Sust-Erdgeschoss. Rafael Schneuwly von der Kulturkommission lädt in seiner Begrüssung ein zur Entdeckung durchs «Charlie-Land». Und der Künstler selbst? Schweigt.

Künstler will, dass Besucher hinter Fassade schaut

Charlie Lutz muss dem nichts mehr hinzufügen. Mehrfach ausgezeichnet ist der in Sarnen lebende Künstler. Unverblümt redet er über seine Kunst, die aktuellen Werke, das Thema der Ausstellung. «Momente der Zeit» heisst sie. Eigentlich hätte sie auch «Konstellationen» heissen können, konstatiert Rafael Schneuwly in der Ausstellungsbeschreibung. Zu sehen sind auf drei Etagen fast hundert Werke von Lutz, darunter viele, die in diesem Jahr entstanden sind. Die meisten sind abstrakt, viele leuchten in kräftigen Primärfarben. In Einheiten zu vier bis acht verschiedenen Werken hat Charlie Lutz sie kombiniert. Sie zeigen eine erstaunliche Vielfalt.

Ins Auge fällt eine Skulptur aus vier grossen, bemalten Plexiglas-Wänden. Eine rot bemalte wurde an der NOW-Ausstellung 2015, eine andere in Gelb- und Pastelltönen an der diesjährigen Fer­mata in der Turbine Giswil gezeigt. Sie lassen genau so viel Raum, dass sich der Betrachter knapp dazwischen begeben könnte. Dass dieser hinter die Fassade schaut, wünscht sich der Künstler sogar. Im Dachgeschoss hängen Acrylglasplatten mitten im Raum. «Das Thema der Schichtung wird so sichtbar. Von der Rückseite her sieht man die erste Schicht, von der Vorder­seite den Abschluss», so der Künstler. Das Werk offenbare also gleichzeitig Bildidee und Abschluss.

Die Sust sei in ihrer Dominanz kein einfacher Ort zum Ausstellen, bekennt Lutz. Der Dachstock hat keine geraden Wände. Es ist ihm gelungen, den Raum mit einzubeziehen und trotzdem Präsenz zu zeigen. Beim Betreten erstrahlt dieser in der Farbigkeit der einzelnen Werke. Eine Augenweide sind die mit der Fräse gestalteten Glasplatten in Neonfarben. Die Gestalten darauf muten griechisch antik an.

Meister der Reduktion in der Linienführung

Charlie Lutz ist ein Meister der Reduktion. Mit wenigen Linien drückt er sich aus. Das Bild «Stillschweigen» im Erdgeschoss ist ein Beispiel dafür. Schichten und Linien seien die wiederkehrenden Elemente bei Lutz, erkennt Schneuwly treffend. «Charlie malt nicht ab», so Andreas Pfister und fügt an: «Wir erkennen die Welt wieder in seinen Bildern. Doch wir sehen sie nur, weil er sie uns zeigt.» Aber Charlie Lutz braucht uns als Betrachter: Es gehe ihm nicht darum, eine absolut definierte Figur zu zeichnen, betont er. «Ich suche einen Zwischenbereich, der verschiedene Assoziationen zulässt. Erst der Betrachter kann das Bild fertigmachen.»

Hinweis

Die Ausstellung «Momente der Zeit» von Charlie Lutz in der Sust ist noch bis 26. November zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag von 14 bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Am 12. November, 14 Uhr, führt Charlie Lutz selbst durch die Ausstellung.


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