Beitrag an Bistum Chur gibt zu reden

NIDWALDEN ⋅ Der Kleine Kirchenrat beabsichtigte, einen Beitrag von 38'000 Franken für das Bistum Chur zu sprechen. Vorgesehen war eine Patenschaft für eines der 17 Churer Totenbilder und ein Sockelbild. Das Vorhaben wurde abtraktandiert.
29. November 2017, 05:00

Richard Greuter

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Ein Akt der Versöhnung sollte die Spende von 38'000 Franken nicht sein, welche die Katholische Landeskirche Nidwalden für die Restaurierung von Bildern nach Chur schicken wollte. Das war auch für Klaus Odermatt, Präsident des Kleinen Kirchenrates, klar. «Der Bischofssitz ist ein Teil unseres Bistums. Und diese Bilder sind eine religiöse Kultur aus einer Zeit, als die Kirche ihre Lehre noch mit Bildern verbreitete», sagte Odermatt gegenüber unserer Zeitung an der Budgetsitzung des Grossen Kirchenrates vom Montag im Landratssaal in Stans.

Trotzdem lehnte sich der Kleine Kirchenrat mit dem Antrag, einen Betrag an die Renovation eines der Churer Totenbilder (Pfarrer und Bettelmönch) aus dem Jahr 1540 und eines Sockelbildes zu leisten, weit aus dem Fenster. Dies kam in der kurzen Diskussion deutlich zum Ausdruck.

«Ein solcher Beitrag ist eine Farce»

Vor zwei Wochen hatte der Gemeinderat der Standortgemeinde Chur einen Beitrag von 600'000 Franken für den Bau eines Museums, wo die Bilder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten, abgelehnt. Dies veranlasste das Bistum, das Projekt vorerst zu sistieren, und das Kirchenparlament (Grosser Kirchenrat) anderseits, das Traktandum auf Antrag des Kleinen Kirchenrates einstimmig zu streichen. Auch wenn der Kleine Kirchenrat den Fokus auf die religiöse Kultur und nicht auf den ­konservativen Oberhirten setzte, richteten sich zwei Wortmeldungen gegen Bischof Vitus Huonder. «Fast in jeder Sitzung des Grossen Kirchenrates ist in der Vergangenheit der Bischof von Chur hinterfragt oder zitiert worden. So ein Antrag ist im Vorfeld schon falsch gestellt», kritisierte Thomas Rebsamen. Auch sein Ennetbürger Kollege Alois Gasser äusserte sich kritisch: «Da zum jetzigen Zeitpunkt die Nachfolgeregelung des Oberhirten von Chur nicht klar ist und vom Bischof keine Veränderungen zu erwarten sind, ist ein solcher Unterstützungsbeitrag eine Farce.»

Kritik gab es an der Versammlung auch am Hirtenbrief, den der 75-jährige Bischof zum Tag der Menschenrechte von einer rechtskonservativen deutschen Journalistin schreiben liess. «Es ist zu wünschen, dass dieser Brief nirgends in den Kirchen verlesen wird», äusserte sich Pfarrer David Blunschi, Dekan des Kantons Nidwalden, am Schluss der Sitzung. Vitus Huonder disqualifiziere sich selber, wenn er mit dieser Publikation den Tag der Menschenrechte missbrauche, sagte Blunschi weiter. «Birgit Kelle scheut sich nicht, das Bild eines ertrunkenen Kindes aus Syrien, welches vor zwei Jahren in der Presse Betroffenheit auslöste, als Instrumentalisierung der ‹Rechte von Kindern› durch die Politik zu disqualifizieren», hielt der Stanser Pfarrer fest.

Neue Kirchenrätin vereidigt

Der Grosse Kirchenrat genehmigte schliesslich die Aufstockung der Fachstelle KAN (Katholische Arbeitsstelle Nidwalden) um 50 Stellenprozente. Ziel dieser Aufstockung ist es, den Kleinen Kirchenrat zu entlasten. Gerechnet wird mit jährlichen Personalkosten von rund 72000 Franken. Das Budget von Markus Luther sieht einen operativen Gewinn von rund 850'000 Franken vor. Um den Betrag von rund 950'000 Franken für den Finanzausgleich an die Kirch- und Kapellengemeinden abzudecken, wird der fehlende Betrag aus den finanzpolitischen Re­serven entnommen. Nach dem Rücktritt von Andreas Scheuber im vergangenen Sommer vereidigte der Kirchenrat Monika Durrer, Stans, als neues Mitglied des Grossen Kirchenrates.


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