Camper markieren ihre schönsten Plätze

NIDWALDEN ⋅ Für alles gibt es Online-Reiseführer und interaktive Verzeichnisse – nur nicht für Camper. Daniel Bircher konnte damit nicht leben – und wurde selbst aktiv. Die Plattform Vagabund ist nun online – mitmachen ist explizit erwünscht.
09. August 2017, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

 

«Ich bin ein fauler Reisender», sagt Daniel Bircher mit einem Schmunzeln. Mit der Aussage spielt er allerdings nicht auf die Distanz oder die Art des Reisens an. Mit seinem selbst ausgebauten Vagabund-Feuerwehr-Camper, wie er das Gefährt selber nennt, ist er mit seiner Freundin Viviane Joller zurzeit in Norwegen unterwegs. «Faul» ist er, zumindest aus seiner Sicht, was die Reisevorbereitungen betrifft. «Viele Stunden verbrachte ich im Internet oder schlug mich mit gedruckten Reiseführern herum, auf der Suche nach geeigneten Campingplätzen oder Sehenswürdigkeiten in der betreffenden Reiseregion, ohne befriedigendem Ergebnis», erinnert er sich daran zurück, wie alles begann. «Kommt hinzu, dass herkömmliche Plattformen sich vor allem auf Städte oder kommerzielle Angebote konzentrieren. Vermittlungsseiten von Campern schlagen zwischen 10 und 20 Prozent Marge auf den Vermietpreis auf», weiss er aus Erfahrung.

 

Ferien im ausrangierten Feuerwehrauto

Das war für den angefressenen Büsslibesitzer und Camper Grund genug, eine eigene Plattform auf die Beine zu stellen. Die Idee vom Reiseportal Vagabund war geboren. Das war vor zwei Jahren. Nun ist eine erste Version online. Wer seine nächsten Ferien beispielsweise in einem ausrangierten Feuerwehrauto am Nordkap verbringen will oder einen Surftrip mit einem alten VW-Bus an die Atlantikküste Frankreichs plant, selbst aber keinen eigenen Camper hat, wird vielleicht auf der Plattform fündig. Auch der Besitzer hat was davon: «Ganz ohne Vermittlungsmarge kann man seinen Camper vermieten und so seine Reisekasse aufbessern», erklärt Bircher. Gleichgesinnte füttern die Plattform mit Daten von für Camper zugänglichen Natur- und Rastplätzen, Naturspektakeln und Ausflugszielen. «Mit Vagabund wollen wir bisher unbekannte Plätze für Camperfreunde sichtbar machen – abseits der Touristenströme.»

Mit einem Klick sieht man auf der Landkarte, was sich in der Nähe befindet. Ist ein Ort oder eine Aktivität nicht erfasst, kann man dies ergänzen. Der Zentralschweizer Kartenausschnitt ist bereits schon ausgestattet mit vielen Links zu Naturplätzen (Hon­egg-Parkplatz auf dem Bürgenstock) oder Ausflugstipps. Ziel sei es, in nächster Zeit die Schweiz zu verlinken. Auch wenn es schon nach vielen Links aussieht: Bircher ist überzeugt, dass es noch viel zu erfassen gebe auf dieser virtuellen weltweiten Camper-Karte.

Werbeanzeigen sollen Plattform finanzieren

Da keine Vermittlungsgebühren erhoben werden, verdient Bircher mit den Nutzern der Plattform auch kein Geld. Finanziert werden soll das Angebot über regionale Werbeanzeigen. Noch ist die Website, da eben erst online gegangen, kaum bekannt, weder bei potenziellen Nutzern noch Werbekunden. Das soll sich ändern. Dank der Verlinkung mit sozialen Medien wie Facebook und Instagram soll der Bekanntheitsgrad der Plattform, vor allem in der Camperszene, gesteigert werden.

Davon habe derjenige, der einen Ort oder Platz auf der Karte markiere, auch einen ganz direkten Nutzen. «Unter dem entsprechenden Menupunkt sieht er auf einen Blick, welche Plätze seiner Reise er erfasst hat und kann somit einfach seine Route und die damit zusammenhängenden ‹Ferienerinnerungen› archivieren. Aus eigener Erfahrung haben wir erlebt, dass es das viel einfacher macht, einerseits noch Jahre später sich an die Plätze zu erinnern und andererseits Tipps an Freunde weiterzugeben.»

Hinweis

Internet: www.vagabund.com


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