Claudia «outete» den Samichlaus

STANSSTAD ⋅ Es gibt Menschen, die sehen, wo es Hilfe braucht – und springen ein. So jemand ist Hugo Birchmeier. Eigentlich hat sich der 66-Jährige vor sieben Jahren pensionieren lassen. Zur Ruhe gesetzt hat er sich deshalb noch lange nicht.
10. August 2017, 07:57

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

Nein, langweilig wird es Hugo Birchmeier nicht so schnell. Für den Nachmittag hat er sich vorgenommen, im Garten des Klosters St. Klara nach dem Rechten zu sehen. Dort pflegt er Wege, Plätze und Rabatten – ehrenamtlich, versteht sich. Ausserdem ist Birchmeier bei Pro Senectute als Freiwilligenhelfer im Einsatz. Bei der Drehscheibe Nidwalden arbeitet er mit in der Begleitgruppe Ausflug und in der Jass-Leitungsgruppe. Dieses Jahr hat Birchmeier, der in Stansstad geboren und aufgewachsen ist, seinen letzten Einsatz im Ferienpass Nidwalden. Ausserdem betreut er für den ­Samariterverein Stansstad das Krankenmobilien-Magazin.

Vor zwei Jahren hat die langjährige Betreuerin dieses Amt abgegeben und es gab keinen Nachfolger. «Wir können den Stans­stadern doch nicht zumuten, dass sie nach Stans müssen, wenn sie etwas brauchen», fand Hugo Birchmeier. Und sprang ein. Denn Hugo Birchmeier hilft, wenn Not am Mann ist. Seitdem ist er zweimal die Woche dafür im Einsatz, manchmal auch kurzfristig, wartet und pflegt beispielsweise Rollatoren, Roll- und Duschstühle.

Erstes Ehrenamt mit zehn Jahren als Ministrant

Sich für andere einzusetzen, hat er sozusagen von Kindheit an gelernt: «Ich komme aus einer sozial denkenden Arbeiterfamilie», erzählt er. Der Vater war Möbelschreiner. «Man gibt etwas weiter» lautete die Devise. Sein allererstes Ehrenamt übernahm Hugo im Alter von zehn Jahren. «Als Drittklässler wurde ich Minis­trant und machte die ganze Karriere vom Laternenträger, Messdiener, Weihrauchträger bis zum Zeremoniar.» Zur damaligen Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil hiess das noch lateinische Texte auswendig lernen. Damals wusste er noch nicht, dass er ­später Kirchenrat werden würde.Nachdem sich Hugo Birchmeier für eine Stationslehre bei der Luzern-Stans-Engelberg-Bahn (LSE) entschieden hatte, stellte er recht schnell fest, dass Erste-Hilfe-Kenntnisse nützlich wären, wenn Fahrgäste mit Verletzungen kamen. «Ich stiess an meine Grenzen und belegte einen Samariterkurs.» Er trat gleich noch in den Samariterverein ein, und neun Jahre später wurde er gar Präsident, mit 27 der jüngste vom Samariterverein in Ob- und Nidwalden. In seiner achtjährigen Amtszeit wurde das Obligatorium für den Nothelferkurs für Fahrschüler eingeführt.

Notfallmässig wurden Hugo Birchmeier und seine Frau 1981 Chlausenvater und Chlausenmutter. Einsätze im Kindergarten während zwanzig Jahren bezeichnet er als «Highlights». An eine Anekdote erinnert er sich besonders gern: «Meine Frau war Knecht Ruprecht und ich Samichlaus. Das Nachbarsmeitli Claudia erkannte mich und verkündete: ‹Wenn der Samichlaus nicht bei uns ist, verkauft er dem Mami in Stansstad Billette.›»

Vielleicht gehört die Arbeit mit Kindern für Hugo Birchmeier, der selbst Vater zweier erwachsener Kinder ist, zu den schönsten Erlebnissen in den Ehrenämtern. Allein fünf Jahre lang begleitete er als Senior im Klassenzimmer den Kindergarten Turmatt Stans einen Tag im Monat in den Wald. Ein Baumstamm neben dem Waldsofa war die Lok, Birchmeier steuerte Kelle, Pfeife und Dienstmütze bei. «Die Kinder durften sagen, wohin wir heute fahren. Einmal sind wir nach Paris gefahren, einmal nach London», schwelgt er in Erinnerungen. «Die Kinder haben mir viel mehr gegeben als ich ihnen», gibt er sich überzeugt.

Nach 39 Jahren bei der LSE und 5 Jahren bei der Zentralbahn liess sich Hugo Birchmeier im Alter von 60 frühpensionieren. Das war 2010. Kaum wurde dies über einen Zeitungsbericht bekannt, häuften sich die Anfragen: «Auf fünf Fragen, ob ich Kassier, Schreiber oder Präsident werden wolle, sagte ich fünf Mal Nein», erzählt er. Denn Hugo Birchmeier hat punkto Ehrenamt seine Prinzipien: «Nie etwas sofort zusagen, mit der Frau besprechen, die dahinterstehen muss, und nach acht Jahren das Ehrenamt abgeben, damit jemand anderes frischen Wind hineinbringen kann!»

Jetzt noch Gemeinderat – zumindest im Theater

Mit Ehefrau Doris, die ihn übrigens immer unterstütze, wie er betont, genoss er Flussreisen in England, Reisen nach Berlin, Prag, an Nord- und Ostsee. Und noch etwas machte die Pensionierung möglich: den Wiedereinstieg ins Theater. Nach jahrelangem Engagement im Theater­verein Stansstad ist Hugo Birchmeier heute aktiv bei der Seniorenbühne Ebikon und der von St. Johannes in Zug. «In Zug spiele ich in der aktuellen Produktion einen Gemeinderat», erzählt er mit Vorfreude.

Aktiv sein scheint jung zu halten. Sein Alter sieht man Hugo Birchmeier, der kein Auto hat, vieles mit Velo und Mofa erledigt und leidenschaftlicher Hobbygärtner ist, nicht an. Wie verbrachte er seinen 1. August? Er half bei der offiziellen Feier in seinem Dorf. Was sonst?
 

Hinweis

In unserer Sommerserie stellen wir in loser Folge Menschen vor, die sich in der Freiwilligenarbeit engagieren. Alle bisherigen Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien.


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