Das Militär hat sie seit je fasziniert

STANS ⋅ 123 Angehörige der Armee haben gestern ihre militärische Ausrüstung abgegeben. Unter ihnen war auch eine Frau. Corinna Goetschi-Hertig aus Beckenried bedauert ihren Abschied.
07. Dezember 2017, 07:33

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ nidwaldnerzeitung.ch

Beim Militär geht es geordnet zu. Der Weg zur Wehrmännerentlassung ist vorbildlich beschildert. In der Halle vom Zentrum Bevölkerungsschutz in Stans stehen Tische und Paletten parat. Die Schlange rückt schnell voran: Dienstbüchlein vorweisen, Waffe abgeben, Kleidung, Ausrüstung, Handschlag und Dankeschön von Kreiskommandant Theo Küchler. Für 123 Armeeangehörige aus dem Kanton Nidwalden endet mit dem heutigen Tag die Militärzeit. Genau genommen sind es 122 Männer und eine Frau.

Mit ihren roten langen Haaren fällt Wachtmeister Corinna Goetschi-Hertig schon optisch aus dem Rahmen. «Ich bedaure, dass es vorbei ist» kommentiert sie das Ende ihrer Militärzeit. Die 30-Jährige aus Beckenried war bei der Luftwaffe. Übermittlung, Flugzeugerkennung, Wetterkunde und Leitungsbau hat sie dort gelernt.

«Wir waren unter anderem im Einsatz am World Economic Forum», erzählt sie. Das Militär habe sie von jeher fasziniert. Denn ihr Vater arbeitet als Helikoptermechaniker/Kontrolleur in Alpnach. Genau in Erinnerung blieb ihr die Durchhalteübung in der Unteroffiziersschule vor zehn Jahren. Orientierungsläufe, Karten lesen, Biwakieren, Gefechtsschiessen und der 85-Kilometer-Marsch mit drei Blasen an jedem Fuss. «Wenn’s im Kopf stimmt, geht alles», ist sie überzeugt. Früher sei sie eigentlich nicht die Sportliche gewesen. Mit Männern auszukommen, habe sie nie als Problem empfunden. «Es gibt schon solche, die dich nicht akzeptieren.» Gelernt hat Corinna durch ihren Militärdienst vor allem: «Meine Meinung zu sagen und immer sportlich aktiv zu bleiben.»

Aus Dank ein Kuchen mit Herz drauf

Für Erika Walther, Fachverantwortliche vom Kreiskommando, ist die diesjährige Wehrmännerentlassung ein besonderer Tag: Es ist ihre letzte Entlassung. Die 62-Jährige wird pensioniert. 15 Jahre lang war Erika Walther für die Soldaten das «Gesicht des Militärs in Nidwalden». Mit ihr machten sie bereits am Orientierungstag Bekanntschaft.

Wie kam sie mit den Männern rund um sie klar? «Ich habe die Zusammenarbeit mit ihnen als sehr positiv empfunden. Als Frau hat man doch einen leichteren Zugang. Manchmal kam da vielleicht auch die ‹Glucke› in mir durch», sagt Erika Walther, die zwei Kinder und zwei Grosskinder hat. Wann immer möglich, habe sie zu Gunsten der Männer entschieden. Einmal habe sich gar einer mit einem Kuchen mit Herz drauf bei ihr bedankt, erzählt sie.

Ein Fallschirmsprung mit dem Enkel

Für ihre Zeit nach der Pensionierung hat Erika Walther, die auch Präsidentin des Tierschutzvereins Nidwalden ist, viele Pläne. Ganz sicher aber will sie einen Fallschirmsprung mit dem Enkel machen, der gerade sein Brevet zum Fallschirmgrenadier gemacht hat.


Leserkommentare

Anzeige: