Das Theater gehört zu Otto Baumgartner – und umgekehrt

BUOCHS ⋅ Otto Baumgartner ist seit 70 Jahren Mitglied in der Theatergesellschaft Buochs. Als Spieler stand er nie auf der Bühne. Geprägt hat er das Theaterleben als Übersetzer und Autor von Stücken.
09. Oktober 2017, 04:38

Rosmarie Berlinger

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Die Wertschätzung für Otto Baumgartner zeigte sich im erfreulichen Publikumsaufmarsch von rund 300 Personen. Sie alle wollten das seltene Jubiläum eines Menschen miterleben, der das gesellschaftliche und kulturelle Leben in der Gemeinde ­Buochs geprägt und in vielen schriftlichen Werken festgehalten hat. Otto Baumgartners leidenschaftliche Hingabe galt in besonderem Masse der Theatergesellschaft Buochs (TGB). 70 Jahre gehört er ihr als Mitglied an, hat Geschichte, Produktionen und Bedeutung geprägt.

«Wir gratulieren dir, Otto, zu diesem seltenen Jubiläum und danken für dein unermüdliches Schaffen», sagte Daniel Danner, Vizepräsident der TGB, am vergangenen Samstag im Theater am Dorfplatz. Schon als Bub habe er seinem Götti, der als Souffleur im Kasten sass, assistiert und ihn bei dieser Aufgabe beobachtet. Im Frühjahr 1947 sei er als 101. Mitglied in die Gesellschaft aufgenommen worden. Als Spieler stand er nie auf der Bühne, hingegen amtete er in den ersten Jahren als Souffleur. Von Beginn weg wurde er in den Vorstand gewählt. 1981 erfolgte die Wahl zum Präsidenten, dessen Aufgabe er 10 Jahre ausübte. Als Chronist hat er akribisch über alle Aktivitäten und Ereignisse rund um die Theatergesellschaft Buch geführt.

Zum ersten Mal in 70 Jahren Mitgliedschaft der TGB sass Otto Baumgartner, der Ende September seinen 93. Geburtstag feierte, in der ersten Reihe auf dem Balkon. Hier genoss der Jubilar, umgeben von Familienangehörigen und Ehrengästen, ein fröhliches Programm. Über Anekdoten, Geschichten und lustige Ereignisse wusste Nina Ackermann in ihrer Rolle als Programmbegleiterin zu berichten.

Während Jahrzehnten dichtete er Älplersprüche

Schon früh habe die TGB Ottos Talent als Übersetzer der Theaterstücke in die Nidwaldner Mundart erkannt. Rund 50 Stücken habe er den hiesigen Dialekt verpasst, den Akteuren den Text auf die Zunge geschrieben, kurz und prägnant. Auch für die Theatergesellschaft Büren übersetzte er gegen 20 Theaterstücke. Mit «Bannalp» 1973 und «ä Spekulant» 1982 hat der Jubilar auch zwei Theaterstücke verfasst, die auf der Buochser Bühne Premiere feierten.

Die Liebe zur Mundart, zum Nidwaldner Dialekt und zu damit verbundenen Festen kam in seinen während 60 Jahren verfassten Älplersprüchen zum Ausdruck. Seine Sprüche waren fein gegliedert in Ereignisse im Dorf, im Kanton, in der Schweiz und in der weiten Welt. Gerne liess er dazu Persönlichkeiten aus der Politik (Bundesräte) oder aus dem Unterhaltungsbereich auftreten. So überbrachte Antoinette Petermann als Bundesrätin Sommaruga die Grüsse aus Bern. Zusammen mit Sprecher Sepp Risi liefen die zwei Gratulanten zur Höchstform auf. Für lustige Liedli und träfe Verse gab’s immer wieder Applaus.

In einem Sketch über die Leiden oder die Wertschätzung einer Souffleuse, verfasst vom Jubilar selbst, liess Elisabeth Bernasconi – selber lange Jahre in dieser Funktion tätig – auch ihr Theatertalent aufblitzen.

Für die musikalisch/gesangliche Bereicherung des Abends stand die Buochser Jodlerfamilie Herger auf der Bühne. Zu zahlreichen vom Jubilar geschriebenen Liedtexten hat Sepp Herger einmalig schöne Melodien komponiert.


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