Erkennen Sie in dieser Figur den Seelöwen?

STANS ⋅ Der Holzbildhauer René Odermatt stellt mit seiner Skulptur dem Publikum an den Stanser Musiktagen eine Rätselfrage: «do you hear the sea lion?» Zumindest erkennen kann man ihn in einer riesigen Wurzel, wenn man hinsieht.
12. April 2018, 07:22

Wie das Kunstprojekt für die Stanser Musiktage 2018 entstanden ist, ist eine gleich mehrfach hübsche und auch lustige Geschichte. Eines Tages erhielt der in Küssnacht SZ lebende und arbeitende Künstler und Holzbildhauer René Odermatt einen Telefonanruf, der ihn mehr als nur freute. Ob er bereit wäre, zusammen mit dem Nidwaldner Museum und den Stanser Musiktagen ein Kunstprojekt zu realisieren, wollte die Kuratorin Patrizia Keller wissen. René Odermatt, der Nidwaldner Wurzeln besitzt und früher auch einmal im Atelier für Eisskulpturen Büren gearbeitet hatte, war hoch erfreut. «Das Nidwaldner Museum hatte früher schon Skulpturen von mir gekauft, unter anderem den zwei Meter hohen Ameisenbär im Salzmagazin», erzählt er. Ihm sei gleich klar gewesen, dass er all seinen bisherigen Figuren zu einer Art «Geschwister» verhelfen würde.

Der Zufall wollte es, dass er sich einige Tage vor dem Anruf, während eines Ausflugs nach Baden, an der Limmat in einen gewaltigen Wurzelstock verguckt hatte. Das Elektrizitätswerk hatte ihn aus dem Fluss gezogen, weil er sich im Gatter verfangen hatte, und er wäre wohl demnächst entsorgt worden. «Ich aber hatte an diesem Wurzelstock sogleich einen Seelöwen entdeckt», erzählt Odermatt voll Begeisterung. Und wie nun die Anfrage aus Nidwalden gekommen sei, habe er auch gleich gewusst, dass er genau diese Wurzel auf dem Dorfplatz installieren würde.

Traditionelle Idee neu umgesetzt

Mit Kranen wurde die Wurzel geladen und per Pick-up in die Innerschweiz transportiert. Und René Odermatt wusste: «Ich werde den Stansern mit meiner Skulptur die etwas listige Frage ‹do you hear the sea lion?› stellen.»

«Es ist Tradition, dass Leute Fundhölzer heimnehmen, aufhängen oder aufstellen», weiss René Odermatt. Er selber aber habe vor allem kleinere Wurzeln, in denen er Tiere entdeckte, aufgehoben und später in Holz gross nachgeschnitzt. So entstand der «Ameisenbär» in Stans oder der «Kentaur» in Sarnen. «Dass ich diesmal den riesigen Wurzelstock eins zu eins auf einen Sockel aus Holz gesetzt habe, ist ein Wagnis», denkt Odermatt. Den Stansern aber gefiel die Idee.

Max Rambold (Co-Festivalleiter) schwärmt geradezu: «Wir alle reden nur noch vom Seelöwen und nicht mehr vom Kunstobjekt.» Er gehöre fast ein bisschen zur «Stanser Musiktagefamilie». Bestimmt würden bald viele Leute um ihn herum sitzen und bei coolen Drinks schöne Stunden erleben und staunen. In der Tat: Die Arbeit von René Odermatt regt die Fantasie des Betrachters an und bestärkt ihn, seine eigene Wahrnehmungs- und Assoziationskraft spielen zu lassen.

Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein

Dafür, dass der Seelöwe wirklich zu einer Begegnungsstätte wird, hat René Odermatt mit der Installation rund um den auf einem Sockel platzierten Wurzelstock herum gesorgt. «Aus verschiedenen Hölzern, etwa Nussbaum, Birnbaum, Fichte oder auch Eibe, habe ich ganz verschiedenartige Sitzgelegenheiten gestaltet», erklärt der Künstler, der neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch noch Leiter der Werkstätte an der Hochschule Luzern für Design und Kunst ist. Kuratorin Patrizia Keller, die das Werk initiiert hat, freut sich. «René Odermatt interessiert sich für die Erscheinungsweise alltäglicher Dinge, ihre Mehrdeutigkeit und die Grenze zwischen Natur- und Kunstgegenstand», anerkennt sie.

 

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch


Hinweis

Die Skulptur «do you hear the sea lion?» steht derzeit auf dem Dorfplatz in Stans. Samstag, 14. April, laden René Odermatt und Patrizia Keller zwischen 16 und 17 Uhr zu einem Rundgang mit Besichtigung aller Werke des Künstlers ein. Treffpunkt beim Eingangszelt. Mehr Informationen unter www.nidwaldner-museum.ch


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