Die alte Festung wird neu präsentiert

NIDWALDEN ⋅ In die Festung Fürigen kommt eine komplett modernisierte Ausstellung. Ab April 2018 erfahren Besucher viel über die Geschichte rund um die frühere Réduit-Festung. Und über die Menschen, die im Fels stationiert waren.
16. Oktober 2017, 07:15

Franziska Herger

franziska.herger@nidwaldnerzeitung.ch

Fast 50 Jahre lang war die Festung Fürigen ein militärischer Schlüsselpunkt und ein gut gehütetes Geheimnis. Im Zweiten Weltkrieg als im Fels verborgene Artilleriefestung gebaut, diente das 200 Meter lange Stollensystem im Bürgenberg bei Stansstad gegen Ende des Kalten Krieges als Truppenunterkunft. Seit 1991 ist die Festung Teil des Nidwaldner Museums und zählt rund 5000 Besucher pro Jahr. Nach 26 Jahren wird die Festungsausstellung komplett erneuert und modernisiert. Denn: «Vielen Leuten ist der Kalte Krieg und erst recht die Zeit des Réduit heute kaum mehr präsent», sagt Stefan Zollinger, Leiter Amt für Kultur und Nidwaldner Museum.

«Gerade die Schulkinder von heute sind in einer ganz anderen Welt aufgewachsen», erklärt Zollinger. Darum wolle man den historischen Kontext der Festung besser vermitteln. Dazu braucht es einige kleinere Umbauten. Ein Gesuch für den teilweisen Rückbau des Munitionsmagazins zu einem Präsentationsraum ist eingereicht und liegt öffentlich auf. Auch das wegklappbare Kassenhäuschen, das früher den Eingang zum Stollen verdeckte, soll wieder seine ursprüngliche Holzverschalung erhalten und um ein Fenster ergänzt werden. Die Denkmalpflegekommission habe die Pläne bereits für gut befunden, so Zollinger.

Interviews mit Soldaten schildern den Alltag

Die neue Ausstellung soll Anfang April 2018 öffnen. Zollinger sieht das ganze Festungsmuseum als eine Art Ausstellungsvitrine, in die der Besucher eintaucht. «Damit die Festung ein Zeitzeuge bleibt, wollen wir in der Küche, der Krankenstation, dem Maschinenraum oder den Schlafräumen möglichst wenig verändern.» Alles, was nicht ohne Eingriffe vermittelt werden könne, komme in das ehemalige Munitionsmagazin, wo eine Präsentation mit Video, Lautsprechern und Beamer entstehen soll. Auch der Audioguide auf Deutsch und Englisch wird aktualisiert, und neue Texttafeln sind vorgesehen.

Damit sich die Besucher besser vorstellen können, wie der Alltag in der Festung Fürigen aussah, sind Videointerviews mit Zeitzeugen geplant. «Wir haben auch ein Tagebuch von einem ehemaligen Festungssoldaten», erzählt der Museumsleiter. Führungen mit Ausstellungsbetreuer Alois Mathis und seinen Kollegen werden weiterhin angeboten. Ein Hauptziel der neuen Ausstellung sei es, mehr Schulklassen in den Stollen zu führen, so Zollinger. Das Amt für Kultur erarbeitet Unterrichtsunterlagen, damit die Kinder bei der Besichtigung schon wissen, wer General Guisan war und warum man in den Achtzigerjahren Angst vor den Russen hatte.

Erneuerung kostet 300'000 Franken

Wann der Bauentscheid fällt, ist noch unklar. «Wir hoffen aber, ­ im Januar umzubauen», so Zollinger. «Die Bauarbeiten sollten nicht länger als zwei Tage dauern.» Er schätzt die Kosten der gesamten Ausstellungserneuerung grob auf 300'000 Franken. Finanziert wird sie vom Kanton mit Swisslos-Mitteln aus dem Kulturfonds.

«Das Budget ist im Vergleich zu ähnlichen Ausstellungen recht kostenbewusst», sagt Zollinger. Doch nicht nur die Finanzen, auch das Klima sei eine Herausforderung. Die Feuchtigkeit im Stollen lässt sich nur beschränkt kontrollieren. «Wir müssen aufpassen, dass nichts rostet und die Elektrokontakte nicht beeinträchtigt werden», sagt Zollinger. Schliesslich soll die neue Ausstellung dann auch einige Zeit halten – «etwa zehn Jahre», hofft Stefan Zollinger.

Hinweis

Die bisherige Ausstellung ist noch am 21./22. und 28./29. Oktober geöffnet, jeweils 11 bis 17 Uhr. Führungen auf Anfrage.


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