Die Dorfkneipe ist gerettet

BECKENRIED ⋅ Ein «wahres Beizen-Märchen» werde wahr, sagt Mädi Murer. Er ist einer von zwölf Einheimischen, die sich zusammengetan haben, damit ihr «Schäfli» bald wieder allen offen steht.
03. Dezember 2017, 05:00

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Das war kurios: Die Gemeindeversammlung war zu Ende, der Beitrag an die Rettung der Bahn zur Klewenalp gesprochen und ein Millionkredit für die Wasserversorgung bewilligt, und alle warteten nur noch auf eines: den von der Gemeinde offerierten Apéro. Doch da sagte Gemeindepräsident Bruno Käslin mit dem verschmitzten Lächeln eines Mitwissers noch einen wichtigen Redner an. Einen, den im Dorf jeder und jede kennt: Matthias Murer, meist einfach Mädi Murer genannt und als Komiker und Alleinunterhalter bekannt. Sogleich hellten sich die Gesichter auf. Als der Mann den rund 200 Anwesenden seine Botschaft vermittelte, setzte gar ein donnernder ­Applaus ein. Murer gab bekannt, dass – wie er scherzhaft sagte – zwölf «Apostel» die Dorfbeiz Schäfli gerettet hätten. Bald schon würde das derzeit geschlossene Kultlokal seine Türen wieder öffnen.

In den letzten Jahren habe in Beckenried – so Mädi Murer – ein grosses Beizensterben ein­gesetzt. Verschwunden seien «z Resä Rütenbeizli», das «Edelwys», das «Alperösli», auch die «Sonne», der «Mond» und der «Sternen» gingen unter. Selbst das Restaurant Schützenhaus könne man höchstens noch mieten. Wie dann vor einem guten Jahr auch das heimelige «Schäfli» seine Türen geschlossen habe, sei für ihn und seine Mitstreiter der Moment zum Handeln gekommen. «Wir alle haben bei der originellen Wirtin Marlis Murer, weitherum als ‹Schäfli-Marlis› bekannt, eine schöne, kleine Wirtsstube für Begegnungen und viele lebhafte Diskussionen gehabt», schwärmt Murer, der ihr nicht verwandt ist. Dann aber verunfallte die 82-jährige Frau, die die mit 25 Plätzen wohl eine der kleinsten Beizen der Zentralschweiz mehr als ein halbes Jahrhundert geführt hatte, bei einem Sturz über die steile Kellertreppe.

Die Beiz ging zu, und bald verstarb Marlis Murer. Ihre Töchter Martina und Christel, die ausserhalb Nidwaldens wohnen, hatten kein Interesse, die geerbte Dorfbeiz weiterzuführen. Bevor sie allenfalls die nur 104 Quadratmeter grosse Liegenschaft ohne eigene Parkplätze verkaufen würden, taten sich die «12 Apostel» zur «Schäfli AG Beckenried» zusammen. «Wir steuerten alle einen Beitrag zum nötigen Kapital bei, so konnten wir das ‹Schäfli› zu einem erschwinglichen Preis erwerben», verrät Mädi Murer. Neben ihm waren etwa Ueli Flüeler von Swiss Tombola, die Zwillinge Pascal und Daniel Zumbühl und selbst Gemeindepräsident Bruno Käslin bei den Initianten. Keiner wollte das «Schäfli» missen.

Nach Weihnachten die «Atrinkete»

Die 12 neuen Besitzer und auch die Ehefrauen halfen tatkräftig mit und haben grosse Pläne für die kleine Beiz. Gleich selber führen wollen sie sie. «Damit wird in unserem Dorf in der letzten Woche dieses Jahres ein Beizen-Märchen wahr», freut sich Murer. Zwischen Weihnachten und Neujahr wollen die zwölf Aktionäre «Atrinkete» feiern. Ab dann soll das «Schäfli» mittwochs, donnerstags und freitags von 17 bis 23.30 Uhr wieder Getränke und allenfalls kleine Snacks anbieten.

Zurzeit sind die 12 Apostel und ihre fleissigen Helferinnen daran, Schubladen und den Keller zu füllen. Auch eine neue Kaffeemaschine wurde angeschafft. Und vielleicht gelingt es auf den Eröffnungstag hin gar, die nos­talgische Jukebox, die in einer Ecke der Wirtsstube steht, wieder in Betrieb zu nehmen.


Leserkommentare

Anzeige: