Die Sterbewilligen bevorzugen ihr Zuhause

NID-/OBWALDEN ⋅ Die Sterbehilfsorganisation Exit fragte in Ennetmoos für Räumlichkeiten an. Daraus wurde aber nichts. Die hohen Auflagen sind nicht der Hauptgrund.
12. April 2018, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Die fünfzeilige Mitteilung, welche der Gemeinderat auf seiner Homepage aufschaltete, hat es in sich: Das Stanser Bestattungs­institut Flury habe angefragt, ob die Gemeinde Ennetmoos der Sterbehilfsorganisation Exit den Theorieraum des Feuerwehrlokals im Gebiet Eimatt für Freitodbegleitungen zur Verfügung stellen könne. «Wir anerkennen die Tätigkeit von Exit vollumfänglich», hält Gemeindepräsident Peter Scheuber auf Anfrage fest. «Nur erachten wir diesen Raum als völlig ungeeignet, zumal er auch von Vereinen genutzt wird.» Für einen solchen Zweck ist seiner Ansicht nach ein Aufbahrungsraum in einem Alters- oder Pflegeheim am besten geeignet.

Bedarf solcher Zimmer besteht in Ballungsräumen

«Wir bekommen von Mitgliedern oder Aussenstehenden zwei bis drei Mal im Monat Hinweise für das Einrichten neuer Sterbezimmer. Das war auch in diesem Fall so», sagt auf Anfrage Bernhard Sutter, Geschäftsführer von Exit. «Doch ein Bedarf für solche Zimmer haben wir vor allem in den Ballungsgebieten Basel, Bern, Zürich und Olten, wo wir am meisten Mitglieder haben.» 95 Prozent der jährlich rund 700 Menschen begleite die Organisation Exit bei ihnen zu Hause, in ihrer gewohnten Umgebung, in den Tod. Im Kanton Nidwalden nahmen im vergangenen Jahr vier, in Obwalden zwei Personen die Sterbebegleitung von Exit in ­Anspruch, alle wohl bei sich zu Hause, geht Bernhard Sutter davon aus, die Statistik sei noch nicht erhoben. Komme hinzu, dass die Auflagen für das Einrichten eines Sterbezimmers sehr hoch seien, so käme nur ein Gewerbe- oder Industriegebiet in Frage. Auch brauche es einen behindertengerechten Zugang.


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