Die Testesser kamen inkognito

BUOCHS ⋅ Das Restaurant Sternen erhält heute den Goldenen Fisch. Im ältesten Restaurant von Buochs gibt es Saibling aus eigener Zucht. Über die Auszeichnung freut sich das ganze Team.
20. Mai 2017, 10:39

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ nidwaldnerzeitung.ch

Nelli Burch schmückt den Eingang des Restaurants. Die Dekoration macht Fortschritte. Zwischen Tischen und Theke hängt ein Netz mit verschiedenen Fischen aus Stoff, auf den Tischen stehen blaue Gläser mit Kerzen drin. «Wir haben noch einiges zu tun», sagt Susanne Häcki, die mit ihrem Mann Werni das älteste Restaurant von Buochs besitzt. Endspurt im «Sternen». Denn heute Mittag bekommen die Häckis den Goldenen Fisch verliehen. Ausgezeichnet werden Gastronomiebetriebe, die sich als Schwerpunkt dem frischen Fisch widmen und den Qualitätsansprüchen der Tafelgesellschaft zum Goldenen Fisch standhalten. Frisch ist der Fisch im «Sternen»: Wer hier bestellt, bekommt Fisch auf den Teller, der eben noch fröhlich durchs Wasser geschwommen ist.

Die Auszeichnung wird mit 55 geladenen Gästen gefeiert. Tafelherren der Tafelgesellschaft vom Goldenen Fisch, Netzmeister und Vorstand, Regierungs- und Gemeinderäte, Lehrmeister und Tourismusbranche werden festlich tafeln. «Wir sind alle voll happy», sagen Susanne und Werner Häcki und meinen damit sich und ihr Team. «Alle Mitarbeiter haben grossen Einsatz geleistet, wir haben viel ausprobiert und sehr viel im Team geschafft. Den Erfolg teilt man auch miteinander», betont die Wirtin. Seit vier Jahren ist der «Sternen» in der Gilde etablierter Gastronomen aufgenommen. Ab heute wird nun noch die Tafel vom Goldenen Fisch das Restaurant zieren.

Schon der Vater hatte eine Forellenzucht

Gewusst haben sie nicht, wann die Testesser zu Gast waren. Sie gaben sich nicht zu erkennen. «Irgendwann kam ein Anruf. Wir hatten nicht nur den Goldenen Fisch, sondern auch ein Top-Ergebnis erzielt.» Die Häckis öffneten eine gute Flasche und feierten mit dem Team. In Nidwalden ist der «Sternen» neben dem «Winkelried» in Stansstad das zweite ausgezeichnete Restaurant. In Obwalden ist das «Zollhaus» in Giswil das einzige.

Das Thema Fisch hat in der Familie Häcki Tradition. «Mein Vater hatte eine Forellenzucht.» Trotzdem lernte Werner Häcki Metzger. Vater und Grossvater waren Jäger, auch er jagt seit 30 Jahren und sorgt dafür, dass Wildbret aus der Region auf den Tisch kommt. Die dreimonatige Wildsaison im Herbst ist für ihn eine wichtige Zeit. Im Januar dann bestimmt die Metzgete den Speiseplan. Von März bis September gibt es nun neben dem üblichen Fleischangebot Fisch. Durch das abwechslungsreiche Angebot das ganze Jahr über hält das Restaurant seine Gäste bei der Stange und kann sein Personal dauerhaft beschäftigen. Im «Sternen» arbeiten je zwei Lernende in der Küche und im Service, vier Teilzeitkräfte, ein Koch und die Häckis.

Im Gletscherwasser vom Titlis gewachsen

Werner Häcki setzt in seiner Fischküche auf den Saibling, den er «Ur-Forelle» nennt. Diesen hält er in seinen Engelberger Teichen an der Talstation in 4 Grad kaltem Gletscherwasser vom Titlis. «Der Saibling ist ein super Fisch. Er lässt sich sehr gut filetieren, ist grätenfrei und dadurch, dass er im kalten Wasser schwimmt, setzt er nicht so viel Fett an.» Auch Lachsforellen setzt er in seine Teiche. Er zaubert innovative, fantasievolle Fischgerichte auf den Teller. Allein die Menükarte der heutigen Feier klingt wie ein Gedicht: Praliné vom Saibling, hausgemachte Urner Hecht-Weisswurst, zartes Currysüppli mit Saté-Spiess vom Egli und Engelberger Saiblingfilet mit Apfel-Balsam-Hollandaise. Ganz persönlich liebt der Koch aber das Klassische, wie er uns verrät: «Saibling, gebraten, ganz, mit Buttersosse.»


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