Ein aussergewöhnlich emotionales Jahr für Robert Niederer

GLASI HERGISWIL ⋅ Robert Niederer (63) hat ein intensives Jahr hinter sich. Das 200-Jahr-Jubiläum der Glasi Hergiswil forderte ihn als Chef. Nun geht es wieder etwas ruhiger zu und her, doch auch 2018 steht Wichtiges an.
28. Dezember 2017, 05:00

Matthias Stadler

matthias.stadler@nidwaldnerzeitung.ch

2017 war für Robert Niederer ein Jahr voller Emotionen. Stress, Glücksgefühle, Nervosität. Doch schliesslich kam es im Jahr des 200-Jahr-Jubiläums der Glasi Hergiswil gut. Am 13. Mai feierte Niederer als Inhaber der Glasi mit Gästen und Mitarbeitern in Hergiswil. Dazu war eigens ein 20 Meter hoher Glasturm – oder 200 Dezimeter für jedes Jahr der Glasi – errichtet worden. Die PC-7-Staffel richtete am Himmel ihre Grüsse aus.

«Ich habe meiner Partnerin am Anfang des Jahres gesagt, dass sie 2017 beide Augen zudrücken müsse», sagt der 63-Jährige lachend. «Das Jubiläum hat mich schon in Anspruch genommen und belastet. Aber es war vor allem auch ein grosses Privileg, dies so erleben zu dürfen.» Robert Niederer spricht von einer einmaligen Sache, welche rund um den Jubiläumsanlass der Glasi passierte. Nie hätte er gedacht, dass 1500 Personen an den Anlass kommen würden. «Da hat es mich auch mal durchgeschüttelt, es flossen Tränen der Freude.» Auch die eigens für die Glasi kreierte Briefmarke der Post sei aussergewöhnlich gewesen. Das Wort «Privileg» fällt wiederholt. Im Gespräch ist ihm die Dankbarkeit für das Erlebte anzumerken.

Seit 30 Jahren Chef der Glasi

Doch was kommt nach einem solch intensiven Jahr? «Schön, ist es jetzt vorbei», erklärt Robert Niederer spitzbübisch. Die Hektik hat sich wieder gelegt. Für das neue Jahr wünscht er sich Gesundheit für sich und seine Liebsten – und «gut Glas sowie tolle Umsätze für die Glasi». Ausserdem steht 2018 schon das nächste Jubiläum an, wenn auch ein etwas kleineres. Der Inhaber der Glasi wird am 1. Mai 30 Jahre als Chef gewaltet haben. 1988 übernahm er die Leitung von seinem Vater Roberto, der die Glasi in den 70er-Jahren vor dem Aus gerettet hatte. Zum Arbeitsjubiläum sind keine grossen Feste geplant: «Ich werde es in aller Bescheidenheit geniessen und dankbar auf die Momente zurückblicken, welche ich erleben durfte», erklärt Robert Niederer.

Zudem ist die Nachfolgeregelung latent aktuell. Sein zweitältester Sohn (26) arbeitet zurzeit ebenfalls in der Glasi, der älteste (29) ist momentan in einer Anwaltskanzlei tätig. Robert Niederer hofft, dass sie dereinst in seine Fussstapfen treten. Doch sei dies noch nicht in Stein gemeisselt. «Wenn sie es aber nicht machen, wäre das auch kein Verbrechen.» Bei seinem Vater sei das noch anders gewesen. Dieser habe ihm quasi den Auftrag gegeben, seine Vision weiterzuführen. «Das wollte ich dann auch ausführen. Aber diesen Anspruch stelle ich an meine Kinder nicht. Ich sage ihnen, sie sollen das machen, was ihnen Freude be­reitet.»

Wann die Nachfolge geregelt wird, steht somit noch offen. Es kann laut Robert Niederer gut sein, dass er auch nach der Pensionierung noch Geschäftsführer der Glasi ist. Ziemlich sicher sei aber, dass er weiterhin Verwaltungsratspräsident bleibe. Alles andere sei noch unklar: «Wenn ich wüsste, was in fünf Jahren ist, wäre ich ja der liebe Gott.»

Ein Schritt Richtung Architektur

Doch auch im Tagesgeschäft gibt es Ideen und Projekte, die angegangen werden wollen. So steht die Idee im Raum, mit Glasprodukten in der Architektur Fuss zu fassen. Man habe mit dem Glasturm für das Jubiläum aufgezeigt, dass die Glasplatten dafür tauglich wären. «Wir könnten etwa Fassaden aus handgegossenem Glas machen.» Das wäre ein Schritt in eine andere, weniger künstlerische Richtung. «Denn wir machen seit 50 Jahren Butterplättli», fügt er mit einem Lachen an. Ein weiteres Standbein könne nie schaden. «Zudem könnten wir den Laden ja gleich schliessen, wenn wir nichts mehr Neues machen wollten.» Denn der Glasi gehe es zwar gut, aber laut Niederer gebe es immer weniger Läden, in denen die Glasprodukte erhältlich sind. «Ich bin aber zuversichtlich, dass es uns auch in Zukunft geben wird.» So habe der Onlineshop gute Absatzzahlen, und auch die Erlebniswelt in Hergiswil laufe zufriedenstellend.

Geplant ist auch, dass der Glasofen in etwa zwei Jahren ersetzt werden muss. Er hat dann acht Jahre auf dem Buckel, was ein «sehr guter Wert» sei. Das sind Investitionen von 3 Millionen Franken, kein Klacks für die Glasi. «Aber wir haben uns dafür entschieden, da wir ja weiterarbeiten wollen.»

Robert Niederer geht die Arbeit so schnell also nicht aus. Das kommende Jahr wird für ihn aber wohl trotzdem etwas weniger emotional. Das dürfte ihm nur recht sein.


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