Eisern in der Landschaft

BECKENRIED ⋅ Die Gemeinde zollt ihrem Eisenplastiker Hans-Ueli Baumgartner grosse Anerkennung für seine Werke. Zwei davon sollen für speziellen Durchblick sorgen.
15. September 2017, 05:00

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Ich bin überzeugt, dass wir unseren Künstlern schon zu Lebzeiten Mut machen und für ihr Werk danken sollten», sagt ein kulturell interessierter und offenherziger Beckenrieder Gemeindepräsident Bruno Käslin. Und er lässt es – zusammen mit seiner Kollegin und den fünf Kollegen im Rat – nicht bei leeren Worten bewenden. Gemeinsam haben sie den einheimischen 67-jährigen Eisenplastiker Hans-Ueli Baumgartner dazu eingeladen, im Auftrag der Gemeinde zwei neue, monumentale Eisenplastiken anzufertigen.

Wenn diese heute Abend bei der Quaianlage Mühlematt unterhalb des Gemeindehauses enthüllt werden, soll im Dorf ein kleines Fest steigen. Kulturdirektor Res Schmid persönlich hält die Laudatio. Die Feldmusik spielt, die Bevölkerung darf bei einem Apéro aufs Wohl ihres Künstlers anstossen. Bis zum 24. September findet noch eine Ausstellung statt, in der Hans-Ueli Baumgartner 13 grössere Werke im Freien und 25 kleinere in Räumen des Gemeindehauses zeigt.

Hans-Ueli Baumgartner ist in Beckenried aufgewachsen und zur Schule gegangen. Erst machte er eine Lehre als Bauschlosser. Später besuchte er die Metallbautechnikerschule in Basel und schloss als Metallbaumeister ab. «Das Schmieden wurde zur Leidenschaft, und bald begann ich, in freier Arbeit Eisenplastiken und individuelle Grabmäler herzustellen», erzählt Baumgartner. Zeigt dabei auf zahllose kleine Modelle, die er in seiner Werkstatt aufbewahrt.

Weit über Landesgrenzen hinaus bekannt

Zusammen mit dem verstorbenen Josef Maria Odermatt – dieser war in der Gewerbeschule Baumgartners Lehrer und jahrelang sein Freund und Ratgeber – gehört der Beckenrieder heute zu den bekanntesten Eisenplastikern Nidwaldens. Seine Schmiede- und Metallarbeiten finden über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus Anerkennung. An zahlreichen Plätzen stehen seine Werke im öffentlichen Raum: Die Kreisel-Plastik «Nidwaldner Schlüssel» in Oberdorf stammt genauso von ihm wie «Kontrol­lauf» in der Kantonalen Motorfahrzeugkontrolle Uri oder «Endlos I» in Stansstad. Der Nidwaldner war mit seinen Werken schon zu Ausstellungen in München, Tschechien, England und Finnland eingeladen. Nachgerade pionierhaft ist seine Idee, Praktikanten aus fremden Ländern in seine Werkstatt nach Beckenried einzuladen. «Ich öffnete den jungen Leuten aus Holland, Italien, Deutschland, der Tschechei oder Japan meine Werkstatt und zeigte ihnen frei und frank meine Kunst», sagt Baumgartner. «Dies war – und ist noch heute – ein Geben und Nehmen.»

Eine kolossale und witzige Idee

Den Standort für sein Auftragswerk durfte Hans-Ueli Baumgartner selber bestimmen. «Die Plastiken sollen zu Blickpunkten werden, die die Leute anziehen, deshalb wollte ich sie am Seeufer aufstellen», verrät er. Und schön stellt er es sich vor: «Wanderer, Hochzeitspärchen, Spaziergänger werden bei meinen Plastiken Bilder knipsen. Durch sie hindurch kann man das Dampfschiff genauso ins Visier nehmen wie den Beckenrieder Kirchturm.» In der Tat: Die beiden geschmiedeten Stahlkolosse – sie haben einen Durchmesser von 1,6 Metern, sind zwei Meter hoch und eine Tonne schwer – ziehen Blicke auf sich. Ihre Titel: Durchblick I und Durchblick II. Und sie halten sogar, was sie versprechen. In ihrem Zentrum gibt es Öffnungen, durch die man einen prächtigen Blick in die Landschaft geniesst.

«Das macht die schwere Masse leichter», meint Baumgartner. Und Bruno Käslin, der Gemeindepräsident mit einem Flair für Kunst, bemerkt voll Stolz: «Beckenried beherbergte in der Vergangenheit vielbeachtete Schriftstellerinnen und Schriftsteller, heute freuen wir uns, dass wir mit Hans-Ueli Baumgartner einen bedeutenden Botschafter unserer Gemeinde ehren dürfen.»

Hinweis

Ausstellung und Werkübergabe Hans-Ueli Baumgartner, Eisenplastiken. Vernissage heute Freitag, 17 Uhr, bei der Quaianlage Mühlematt (Boden) Beckenried. Ausstellung gleichenorts 15. bis 24. September, werktags 8 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr, Wochenende 14 bis 17 Uhr. An den Wochenenden ist der Künstler persönlich anwesend.


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