«Fast wie in der Beiz»

STANS ⋅ Im Chäslager hielt die Ländler-Stubete Einzug. Die Ländler-Trios Pflanzplätz und Echo vom Schattenhalb machten gute Laune mit einer Art Jam-Session.
12. Januar 2018, 04:39

Christian Hug

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Vor 24 Jahren beschrieb der Journalist Christian Seiler in seinem ziemlich umstrittenen Buch «Verkaufte Volksmusik» eine urchige Stubete. Da tränten den Gästen die Augen vom Qualm der Krummen, die Luft war gesättigt von verdunstetem Träsch, es war stickig, es wurde geörgelet und gefiedelt, dass sich die Beizenbalken bogen. Eine Art Rock ’n’ Roll für Eingeborene.

Auch wenn die Szene vielleicht etwas überzeichnet gewesen sein mag, Fakt ist: Heute sieht eine Stubete anders aus. Rauchfrei zum Beispiel. Die Gäste trinken Wein oder ein Quöllfrisch oder ein alkoholfreies, aber koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk mit dem überspannt lustigen Namen El Tony. Ein erwartungsvoll-freudiger Ernst liegt in der Luft, und als das Ländlertrio Pflanzplätz ohne Ansage zu spielen anfängt, weiss man nicht recht: Ist das nun eine Stubete oder ein Konzert? Will heissen: Darf man nun wenigstens noch reden oder muss man schweigend geniessen?

Die Situation ist unklar. Willkommen in der ersten Stubete im Stanser Chäslager. Im wohnzimmerartigen Mittelgeschoss hat man sich gemütlich eingerichtet, alle Plätze sind besetzt. Es gibt, entgegen der Tradition, keine Moderation, keine Ansagen, keine Spielregeln. Dafür grenzerweiterte Volksmusik mit Witz und Charme.

Nach ein paar Stückli folgt der Chargenwechsel, das Trio Echo vom Schattenhalb übernimmt, drei rächti Bröcke mit urchigen Muotataler Tänzli.

«Das ist eine wunderbare Idee»

Die Stimmung bei den Gästen entspannt sich, ja, das wird ein guter Abend, die Besucher an den Wänden beginnen zu plaudern, um 20.45 Uhr beginnt der freie Teil: Beide Trios spielen gemeinsam.

Im Publikum sitzt auch Alois Gabriel, The Godfather of Ländlermuisig, er freut sich so sehr, dass er sein mitgebrachtes Handörgeli auspackt, sich zu den Musikanten setzt und mitspielt. Ihm folgt Ruedi Bircher, selber Handörgeli-Lehrer und vor allem der Vater der vier Oberdorfer Bircherix-Buebe, die diesen Anlass organisiert haben.

«Eine Stubete muss richtig dampfen», sagt Lukas Bircher, der Bircherix-Bassist. Er und seine Brüder hätten versucht, eine Stubete-Reihe in der Stanser «Melachere» aufzuziehen, weil man dort noch rauchen dürfe, aber das habe aus allerlei Gründen nicht funktioniert. Darum sei man ins Chäslager gezügelt. «Und das ist eine wunderbare Idee», sagt Alois Gabriel, als er sich an der Bar ein Bier bestellt. «Eine traditionelle Stubete ist sehr geordnet. Hier aber ist alles frei, man spielt spontan, jeder kann mitmachen.» Was ihn ganz besonders freut: «Ins Chäslager kommen Leute, die nicht unbedingt zur traditionellen Ländlerszene gehören, das macht unsere Musik einem breiteren Publikum zugänglich.»

Es wird gebödelet und getanzt

Tatsächlich: Die Stimmung wandelt sich vom Konzert zur Stubete, man könnte sagen: zur Jam-Session, auch wenn die Möglichkeiten der musikalischen Seiten- und Saitensprünge genrebedingt natürlich begrenzt sind. Um 21.30 Uhr geht der Hut um, so will es die Tradition, das ist die Gage für die eingeladenen Musiker. Um 21.55 Uhr beginnt das erste Pärchen zu tanzen, zehn Minuten später wird schon prächtig gebödelet. Lukas Bircher ist begeistert. «Wir hätten nie gedacht, dass so viele Leute kommen. Das ist ja fast wie in der Beiz.»

Künftig soll an jedem zweiten Mittwoch im Monat eine Chäslager-Stubete stattfinden, ein Termin, den man sich gut merken kann und vor allem merken muss. Denn eine Chäslager-Stubete, die ist lustig.

Hinweis

Die nächsten Chäslager-Stubete:

Mittwoch, 14. Februar, mit Peter Berchtold und Ruedi Bircher. Mittwoch, 14. März, mit Fränggi Gehrig und Adrian Würsch. Mittwoch, 9. Mai, mit Handorgelduo Dani & Thedy Christen und Fräki Örgeler.

Beginn jeweils um 20 Uhr.


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