Fort mit den weiblichen Schuldgefühlen

NIDWALDEN ⋅ Das Frauenzmorge Nidwalden lockte 210 Teilnehmerinnen an. Referentin Julia Onken sprach ein delikates Thema an – und wohl mancher Frau aus dem Herzen.
06. November 2017, 08:37

Patricia Helfenstein-Burch

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Kein Anschluss unter dieser Nummer!» Mit diesem Satz beendete die bekannte Autorin, Publizistin, Psychotherapeutin und Supervisorin Julia Onken ihr eindrückliches Referat. Der Schlusssatz galt den Schuldgefühlen, die Frauen so oft mit sich tragen, obwohl sie nicht zur Grundausstattung einer Frau gehören. Der Frauenbund Nidwalden (SKF) hatte erneut am ersten Samstag im November zum Frauenzmorge Nidwalden eingeladen und wurde von der Zahl der Anmeldungen überrumpelt. Der grosse Saal im Hotel Engel war bis auf den letzten Platz gefüllt. Es mussten im Vorfeld sogar 50 Absagen erteilt werden.

«Weibliche Schuldgefühle – ein überflüssiger Ballast», lautete der Titel des Referates von Julia Onken, die sich stark, aber keinesfalls stur für die Rechte der Frau einsetzt. «Es gibt nur einen Grund, sich schuldig zu fühlen. Nämlich, sich selbst nicht genug zu achten, dem Urteil anderer mehr zu vertrauen als sich selbst, sich selber untreu zu werden. Darüber lohnt es sich mal nachzudenken, liebe Frauen!», so Onken, die über langjährige Erfahrung zu diesem Thema verfügt und die es verstand, die Teilnehmerinnen immer wieder zu einem beipflichtenden Nicken oder zum Lachen zu verleiten.

Männer sind gut beraten, Freundin zu akzeptieren

Schuldgefühle werden den Frauen schon in die Wiege gelegt. 60 Prozent der werdenden Eltern wünschen sich heute noch einen Buben. Frauen gingen damit durchs Leben, so Onken, und fühlten sich für Dinge schuldig, die einfach nur überflüssiger Ballast seien. Es sei für Frauen von grosser Bedeutung, eine gute Freundin zu haben, die immer ehrlich mit ihnen sei, die Freud und Leid teile. Julia Onken rät Männern, dieser besten Freundin ihrer Frau wohlgesinnt zu sein. Sie wisse oft mehr über die Gefühle und die Bedürfnisse der Frau als der Partner es tut.

Von zehn Frauen haben laut Julia Onken neun eine beste Freundin. Von zehn Männern über 40 Jahre hat indes nur ein Mann einen besten Freund. Frauen können nicht gleichzeitig den Mann haben, der gerne über Gefühle redet und dann noch den Beschützer, der nachts nachschauen geht, wenn ein unheimliches Geräusch im Haus zu hören ist, so die Referentin. «Es geht um das Miteinander!»

Referentin ist tosender Applaus gewiss

Nach einer Stunde wurde Julia Onken mit tosendem Applaus und würdigen Worten von der Nidwaldner SKF-Präsidentin Vreni Niederberger verabschiedet. Und manch eine Frau denkt wohl über Onkens Worte nach, wenn sie sich das nächste Mal für etwas entschuldigen will, wofür sie eigentlich gar nichts kann.


Leserkommentare

Anzeige: