Geheimer Bunker: In der Festung Fürigen berichten Soldaten über den Bunkerkoller – virtuell

STANSSTAD ⋅ Was Soldaten früher als Geheimnis hüten mussten, kann man im Festungsmuseum Fürigen nach einer Auffrischung für 300000 Franken ganz neu und authentisch sehen und erleben.
23. März 2018, 19:14

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Die Ausstellung ‹Festung Fürigen›, die jährlich von bis zu 5000 Leuten besucht worden war, ist nun 26 Jahre alt», sagt Stefan Zollinger, Leiter des Museums Nidwalden. Zeit also, das einzigartige historische Zeugnis des Zweiten Weltkriegs mit modernen technischen Mitteln auf den neusten Stand zu bringen. Bislang war den Besuchern vor allem die Festung selber als grosse «Maschine» erklärt worden. «Was fehlte und mehr und mehr vermisst wurde, war eine historische Einbettung in den Zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg.» Vor allem bei jungen Besuchern fehle dieses Vorwissen oft, dabei seien Schulklassen eine wichtige Zielgruppe.

Mit 300000 Franken hat nun der Kanton die Ausstellung ganz neu konzipiert. Dabei ging es den Kuratorinnen Angela Müller und Julia Müller darum, auch Antworten auf Fragen zu geben, die bislang höchstens im Raum standen: Warum wurde die Festung 1941 gebaut und welche Rolle spielte sie im Kalten Krieg? Warum durfte man jetzt sogar das felsfarbig getarnte Tor entfernen? Wer aus bitterer Kälte in den 200 Meter langen Stollen tritt, spürt, wie vom Innern jene typisch feuchte Bunkerwärme auf ihn zukommt. Es tropft von allen Wänden, riecht muffig. Schon ist man als Besucher mittendrin. Man ahnt, wie sich ein Bunkerkoller anfühlt. Möchte wissen, wie sich der Alltag der Männer, die hier bis in die 1980er Jahre Dienst geleistet haben, abgespielt hat. Was beschäftigte Festungssoldaten während ihres Aufenthalts im Berg? Welche Sorgen plagten sie, wie hielten sie den Kontakt zur Familie aufrecht, obwohl sie mit ihren Lieben über den Bunker kein Wort sprechen durften?

In einer Art neu konzipiertem, audiovisuellem Hörspiel erwachen Kommandant, Festungssoldaten und Angehörige zu neuem Leben. Plötzlich stehen sie im Zentrum. Über Kopfhörer bekommt der Besucher Gedanken, Erinnerungen, Sorgen und Einschätzungen von damals hautnah vermittelt. Über Heimweh oder Angst. «Wir wollen zeigen, wie sich die Menschen damals fühlten, und dies im authentisch eingerichteten Essraum, dem Schlafraum oder in der Telefonkabine und im Büro des Kommandanten», sagt Angela Müller.

Prunkstück mit Videoschau

Neben persönlichen Aussagen fehlen die historischen Fakten nicht. Julia Müller: «Ein Moderator führt die Besucher von Raum zu Raum. Über den Kopfhörer hört man, wie er in Deutsch und Englisch mit einer Historikerin Gespräche führt und immer auch wieder authentische Stimmen vermittelt.» Ausgehend von der aktuellen Frage nach der Bedeutung von Sicherheit berichtet er von damals: über den Bau der Festung und über die jahrzehntelang hinter schroffen Felswänden gut versteckten Kanonen. Von einem Kanonenrohr ist neuerdings sogar die Spitze zu sehen, grosse und kleine Besucher dürfen selber daran schrauben und manipulieren. Sogar aus dem Felsversteck kann man ins Freie gucken. Ein Prunkstück ist der neu eingerichtete Ausstellungsraum im einstigen Munitionsmagazin mit einer Videoschau und vielen Schaukästen. «Hier illustrieren wir auf anschauliche und verständliche Weise, wie man mit dieser Festung während des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs unser Land schützen wollte», sagt Julia Müller. Franz Hess, jahrelanger Festungswächter, ist begeistert. «Wir wurden früher immer wieder gefragt, was wir in diesem Berg machen und durften nichts verraten.» Jetzt erhalte die Bevölkerung auf eindrückliche Weise Auskunft.

Hinweis

Eröffnungstag: Sonntag, 25. März, 11 – 17 Uhr. Offen 31. März bis 28. Oktober, samstags und sonntags 11-17 Uhr. Führungen auf Anfrage.

  • Im Kommandobüro hört man, wie der letzte Kommandant  von seiner Arbeit im Bunker erzählt. (© Romano Cuonz)
  • Das Büro und die Unterkunft des Kommandanten (© Urs Flüeler / Keystone)
  • Sie sind die Macher der Ausstellung: Angela (links) und Julia Müller, sowie Stefan Zollinger, Leiter des Nidwaldner Museums. Sie sind stolz darauf, dass in Zukunft sogar Kinder eigenhändig an der guten alten Kanone herummanipulieren können. (© Romano Cuonz)

Das Nidwaldner Museum präsentiert ab dem 25. März in der Festung Fürigen eine neu konzipierte Dauerausstellung. Das Leben der Soldaten im Berg und Fragen zur Bedeutung der Sicherheit aus historischer und aktueller Sicht stehen im Fokus.


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