Gute Musik im Laufstall

DALLENWIL ⋅ Vergangenen Samstag fand das dritte Hofair in Dallenwil statt: Eine kleine, feine Freiluftveranstaltung auf dem Landwirtschaftsbetrieb Hof mit sechs Bands und jeder Menge guter Laune.
11. September 2017, 07:36

Christian Hug

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Die Organisatoren des Hofair in Dallenwil verstehen ihr kleines, feines Open Air auf dem Bauernhof nicht als Alternative zu den kommerzbasierten Grossveranstaltungen, die inzwischen den Festivalsommer dominieren. Dafür ist das Hofair schlicht zu klein und zu unrentabel – praktisch alle Band-Gagen wurden von Gönnern übernommen. Gleichzeitig kann man das Hofair auch nicht einfach als weiteren Beitrag zum sommerlichen Überangebot von Freiluftveranstaltungen jedweder Art abtun. Dafür ist es einfach zu gut.

Das Hofair existiert, weil Joe und Moni Odermatt, das Landwirte-Ehepaar des Landwirtschaftsbetriebs mit dem einfachen Namen Hof in Dallenwil, schlicht Lust auf einen gemütlichen Anlass hatten, bei dem ihre Lieblingsbands persönlich bei ihnen auf dem Hof vor Freunden und Gleichgesinnten musizieren.

Vor zwei Jahren war das zum ersten Mal der Fall, da spielten unter anderen die mittlerweile spektakulär grossartigen Bluesrocker Basement Saints, die reinkarnierte Nidwaldner Rockband ZOK und das Vollschräg-Duo The Hidden auf dem Güllenkasten vor ein paar Dutzend Besucherinnen und Besuchern.

Vorzügliche und hochkarätige Bands

Am vergangenen Samstag ging nun das dritte Hofair über die Heubühne. Moni und Joe Odermatt und mit ihnen ihre Tochter Eva-Maria, auch ausserhalb des hauseigenen Open Airs eine engagierte Kulturveranstalterin, waren glücklich und froh wie die Mäuse im Haferstroh. «Das isch äifach scheen», brachte es Joe auf den Punkt. Da hatte er natürlich recht. Nur schon der Bands wegen: Das Klingklang-Duo Erich eröffnete schon am Nachmittag um halb zwei den Konzertreigen, gefolgt vom einheimischen Gute-Laune-Ska-Ensemble HebDiDe und der heiteren Luzerner (sagen wir mal:) Northern-Soul-Band Intoxica. Das Zwei-Cello-Quintett Serafyn entzückte die Romantiker im Publikum und der Zürcher Ur-Punker Rams beglückte mit seinem ungeschönt direkten Big-Balls-Rock die E-Zigarette rauchenden echten Kerle. Den Abschluss übernahmen die einzigen Gäste aus dem Ausland, das Deutschrock-Quartett Kapelle Petra. Insgesamt also gleichermassen vorzügliche und hochkarätige Bands. Verantwortlich für die Auswahl und Betreuung derselben war übrigens wie immer der erfahrene Konzertveran­stalter Roy Michel aus Wolfenschiessen.

Trotz Regen im Trockenen

Bemerkenswerterweise fand das Hofair nicht wie bisher direkt unter freiem Himmel auf dem Güllenkasten statt, sondern quasi drinnen im mit Holzlatten und Plastikplanen überdachten dreiteiligen Laufstall des Rinderaufzuchtbetriebs. «Man kann sich ja nicht ewig darauf verlassen, dass es nicht regnet», begründet Joe Odermatt die Verlegung der Konzertbühne. Tatsächlich regnete es am letzten Samstag, und so blieben alle rund 300 Besucherinnen und Besucher trotzdem im Trockenen.

Dort, wo sonst das «Esszimmer» und die «Wandelhalle» der Rinder ist, fanden die Konzerte statt, und im dritten Teil des Laufstalls, quasi dem «Schlafzimmer» der Kälber und Rinder, war eine gemütliche Kaffeestube eingerichtet mit ironisch gemeintem Hofladen: Landluft in Tüten und Gülle in Fläschchen. Gleich neben dem Stallgebäude befand sich die Verpflegungs- und Raucherzone, ebenfalls überdeckt. Die Rinder waren derweil ein paar Tage im Urlaub beim Nachbarhof.

Viel Schönes rundherum

Es gab aber neben der Musik noch eine ganze Reihe weiterer Gründe, weshalb das Dallenwiler Hof­air «äifach scheen» war. Für angemessene Verpflegung sorgten die Stanser Teigwaren-Spezialisten von Pastarazzi mit zweierlei Ravioli, die ansonsten obligaten Bratwürste fehlten gänzlich. Zum Glück gab’s für die Fleischesser auf Wunsch und als Beilage Rindfleisch. An der Bar stand das Sortiment der Dallenwiler Brauerei Keimling zur Auswahl. Und die Liebhaber edler Tropfen hochgeistigen Gehalts begeisterten sich für das feine Sortiment von Whiskys.

Bleibt noch die Frage, warum die Konzerte am Hofair bereits am Abend um zehn beendet sind. Um Ärger mit den Nachbarn zu vermeiden? «Nein», klärt Eva-Maria auf, «wir haben gute Nachbarn. Aber ich sehe nicht ein, warum Open Airs immer bis tief in die Nacht dauern müssen, und danach liegt man dann den ganzen nächsten Tag halb tot im Bett. Bei uns kann man Musik und Atmosphäre schon am Nachmittag geniessen, kommt dann zeitig zu seinem Schönheitsschlaf und ist am Sonntag fit für neue Abenteuer.»

Apropos Abenteuer: Das Hofair wird es auch nächstes Jahr wieder geben, da freuen wir uns jetzt schon drauf. Und beim übernächsten, fünften Hofair wird Moni Odermatt just an diesem Tag ihren 55. Geburtstag feiern. Dann darf sie wohl die Bands ganz alleine aussuchen ...


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