Hier gedeiht ein Generationenprojekt

ENNETBÜRGEN ⋅ Schüler gestalten im Alterszentrum Oeltrotte einen Garten, den sie dann zusammen mit den Bewohnern hegen und pflegen. Dafür opfern sie gar ihre Freizeit.
19. Mai 2017, 07:53

Eigentlich könnten die drei Oberstufenschüler an diesem Mittwochvormittag ihre Freizeit geniessen, die sie unter anderem wegen ihres Einsatzes im Rahmen der Bewegungswoche von Anfang Mai zugute haben. Stattdessen packen sie kräftig mit an. Schwungvoll füllen sie zwei Hochbeete mit Erde. Tags darauf werden Primarschüler die Blumenbeete bepflanzen – gemeinsam mit Bewohnern des Alterszentrums Oeltrotte. «Ich habe sonst gerade nichts zu tun und helfe darum hier gerne mit», meint Shaiesan Poobalasingam. Der 13-jährige Sri-Lanker freut sich auf die Begegnung mit den Senioren. «Es ist interessant, zu erfahren, was die älteren Leute in ihrem Leben so machen.» In seiner Heimat Sri Lanka würden die Grosseltern häufig bei ihren Kindern wohnen. «Die Kinder haben in meiner Heimat einen sehr engen Kontakt zu ihren Grosseltern.»

Eine Bewohnerin, die auf ihrem Spaziergang durch den Garten die Arbeit der jungen Leute beobachtet, ist begeistert. «Das ist super, was die Jugendliche hier machen, ich habe ihnen schon zugeschaut, als sie das Laub zusammenwischten.»

«Wir wollen über Generationen hinaus Gemeinsames wachsen lassen und so Alt und Jung zusammenbringen», erläutert Oeltrotte-Geschäftsleiter Charly Pichler die Idee, aus dem Garten einen Begegnungspunkt zweier Generationen zu gestalten. Hochbeete habe man sowieso geplant. Sie würden sich für ältere Leute und jene im Rollstuhl besonders gut eignen, da die Erde zwischen 60 und 70 Zentimeter über Boden sei. Überhaupt werde die sogenannte Aktivierung in der Oeltrotte grossgeschrieben. «Unsere Bewohnern sollen sich aktiv betätigen können, wenn sie wollen», erklärt Charly Pichler.

Gartenarbeit passt zum Thema

Auf Schülerseite entstand das Projekt im Rahmen des Religionsunterrichtes, der sich mit dem Fastenopfer-Thema «Geld gewonnen, Land zerronnen» beschäftigte und damit, wie die Grosskonzerne Land enteignen. «Die Gartenarbeit passt gut zum Thema ‹Sorge tragen zur Schöpfung›», erklärt Religionslehrerin Conny Schaufelberger. Sie erachtet die Begegnung der beiden Generationen als sehr befruchtend. «Die Kinder finden die Erzählungen der älteren Leute faszinierend. Das sind ganz tolle Begegnungen», weiss Oeltrotte-Gärtnerin Monika Bissell. Mit viel Elan hätten die Schüler der dritten Primarklasse am Montag die Hochbeete vorbereitetet und den Boden mit Ästen ausgelegt.

Bald sind Sommerferien, und die Schüler der dritten Oberstufe verlassen die Schule. Trotzdem sind Charly Pichler und Conny Schaufelberger überzeugt, dass das Projekt eine Zukunft hat. «Es werden neue Schüler dazustossen, die mit Freude das Projekt weiterführen werden», ist Conny Schaufelberger optimistisch. «Wir möchten diese generationenübergreifende Gartenarbeit in regelmässigen Abständen durchführen», ergänzt Charly Pichler. Das gemeinsame Gärtnern bleibt aber nicht die einzige Freude. Die gepflückten Blumen sollen dereinst auch die Bewohner in der Oeltrotte erfreuen.

 

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch


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