Holzpreise bereiten Sorgen

NIDWALDEN ⋅ Seit dem Sturm Lothar und dem Währungsschock sind die Holzpreise am Boden. Es wird so wenig Holz geschlagen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Einzig Energieholz sorgt für Stabilität.
11. November 2017, 09:45

Richard Greuter

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Holz produzieren und ernten ist eine interessante und befriedigende Arbeit», sagte Revierförster Josef Odermatt an der Generalversammlung von Wald Nidwalden am Donnerstag im Hotel Sternen in Buochs. Als Vorstandsmitglied des Waldwirtschaftsverbandes befasst er sich mit dem Holzmarkt, und der ist alles andere als befriedigend. Laut Kantonsoberförster Ruedi Günter wurden 2015 und 2016 nur etwa 21000 Kubikmeter Holz geschlagen. «So wenig wie seit Jahrzehnten nicht mehr», so Günter. Insgesamt 14000 Kubikmeter stammen aus Schutzwäldern, wo Bund und Kanton die Defizite abgelten. Allerdings hat der Kanton Nidwalden die Defizitbeiträge um 10 Prozent gekürzt. Die restlichen 7000 Kubikmeter kommen aus den übrigen Wäldern, wo die Waldbesitzer die Defizite selber tragen müssen.

Droht Vernachlässigung des Nutzwaldes?

Bis zum Sturm Lothar 1999 nutzten die Nidwaldner Waldbesitzer jährlich 25000 bis 30000 Kubikmeter Holz und vermarkteten es zu guten Preisen. Das Jahrhundertereignis liess die Holzpreise ins Bodenlose fallen, und mit der Aufhebung des Mindesteuro­kurses 2015 folgte ein weiterer Schock: Laut Revierförster Odermatt fielen die Nadelholzpreise von 85 auf 70 Franken pro Kubikmeter für Tannen-, und von 100 auf 84 Franken für Fichtenholz.

In der Folge sank die Nutzung. Korporationen und Forstbetriebe vermieteten ihre Forstfachleute an andere Unter­nehmen. «Durch die tiefen Holzpreise besteht die Gefahr, dass der Nutzwald vernachlässigt wird», befürchtet Felix Odermatt, Präsident von Wald Nidwalden. Sorgen macht sich auch Landwirtschafts- und Umwelt­direktor Ueli Amstad, er sprach von einer Gratwanderung. «Der Wald ist geduldig», so der Regierungsrat, «aber wir müssen wieder auf unsere normalen Holzschläge hochfahren.» Wenn wiederum grosse Stürme kommen würden, sagte Amstad weiter, brauche es die Forstfachleute.

70 Prozent geht in die Energieversorgung

Verschiedene Waldkorporationen setzen den Fokus vermehrt auf Schnitzelholz. Rund 70 Prozent des Nidwaldner Holzes gelangt in die Energieversorgung. Für Revierförster Odermatt ein Lichtblick: «Die Preise sind nicht super, aber stabil.»

Mit der Kampagne Wood­vetia versuchte die Dachorganisation Wald Schweiz im vergangenen Jahr Gegensteuer zu geben. Mit verschiedenen Anlässen und einem Tag des Holzes wollte sie die Konsumenten für Schweizer Holz sensibilisieren. Nicht alle zeigten gleich viel Interesse: Für den Tag des Waldes in Alpnach luden die Organisatoren alle Ob- und Nidwaldner Maturanden sowie alle Studenten der Hochschule für Technik in Horw ein. Insgesamt 800 Einladungen, schreibt Präsident Felix Odermatt in seinem Jahresbericht. «Gerade mal acht Personen aus Horw meldeten sich an», so Odermatt.


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