17-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan packt bei den Stanser Musiktagen an

NIDWALDEN ⋅ Alle nennen ihn Habibi: Der 17-jährige Asylbewerber aus Afghanistan packt bei den Stanser Musiktagen als Helfer kräftig mit an.
13. April 2018, 07:36

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

Ohne die zahlreichen Helferinnen und Helfer wären die Stanser Musiktage nicht denkbar. Einer von ihnen ist Habibi. Mit vollem Namen heisst er Aminullah Habibi, «aber alle nennen mich nur Habibi», sagt der aufgestellte 17-Jährige. Bereits zum zweiten Mal hilft der Asylbewerber aus Afghanistan beim sechstägigen Festival mit. «Ich habe beim Aufbau der Zelte mitgeholfen, auf dem Dorfplatz Lampen aufgehängt und auch im Kollegi beim Einrichten der Technik geholfen», erzählt er. Abends ist er an der Kasse beschäftigt. Noch ist bei unserem Besuch am Mittwoch an der Bar im Dorfplatzzelt nicht viel los, Helfer sind mit den Vorbereitungen beschäftigt. «Hallo Habibi», tönt es da und «Hoi Habibi» dort. Er erwidert die Grüsse, lacht fröhlich. «Ich arbeite sehr gerne bei den Musiktagen. Die Leute hier sind alle sehr freundlich», sagt er.

Er profitiert von Sprache und Kultur

Auf die Idee gekommen, sich als Helfer zu melden, ist er im vergangenen Jahr. «Auf dem Amt für Asyl und Flüchtlinge habe ich ein Flugblatt gesehen, dass die Musiktage Helfer suchen.» Da habe er sich gleich angemeldet. «Ich arbeite gerne im Team», hält er fest. Und profitiert davon: «Ich lerne die Sprache noch besser», sagt Habibi, der schon gut Deutsch kann. Viel bekomme er auch von der Schweizer Kultur mit. «Wenn ich etwas ‹Falsches› sage oder tue, weisen mich die Kollegen darauf hin, dass das in der Schweiz eher nicht gehe.»

Neben seiner Arbeit als Helfer verfolgt Habibi in diesem Jahr noch ein spezielles Projekt. «Zusammen mit einer Kollegin sammle ich am Abend das übrig gebliebene Essen ein, das noch verwendet werden kann, und wir bringen es in die Unterkunft der Asylbewerber», erzählt der 17-Jährige. Die Bewohner würden sich über das Essen freuen, und gleichzeitig werde nicht zu viel weggeworfen. Das geschehe ohnehin zu oft auf der Welt.

Vor fast zweieinhalb Jahren ist Habibi in die Schweiz gekommen. Derzeit lebt er in der Asylbewerber-Unterkunft neben dem Kantonsspital. Noch wartet er auf seinen Asylbescheid, das hält ihn jedoch nicht davon ab, sich mit seiner Zukunft auseinanderzusetzen. «Ich will eine Ausbildung machen», sagt er. Nachdem er zunächst selber Deutsch gelernt hat, besucht er zurzeit das 10. Schuljahr. Dort lerne er neben Deutsch auch Informatik, Mathematik, Lernstrategien oder Allgemeinwissen, erzählt er. Ab dem Sommer macht er ein Praktikum im Alters- und Pflegeheim an der Nägeligasse in Stans. Anschliessend fasst er eine Ausbildung im Pflegebereich ins Auge: «Ich bin ein sozialer Mensch und kann gut mit Menschen umgehen.»

In seiner Freizeit macht Habibi – wenn er nicht gerade lernt – gerne mit seinen Freunden ab. «Ich habe sehr viele Schweizer Freunde», sagt er. Auch Sport steht bei ihm hoch im Kurs. Und er stellt seine Hilfsbereitschaft auch noch anderen zur Verfügung: «Im Juni helfe ich beim B-Sides-Festival in Kriens mit.»

Hinweis

Weiterer Bericht zu den Stanser Musiktagen auf Seite 17.


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