Knipser in der Badi: «Ich würde ihn sofort zur Rede stellen»

OB-/NIDWALDEN ⋅ Das Smartphone ist heutzutage bei vielen immer dabei – auch in der Badi. Gross ist dabei die Gefahr, dass jemand ungewollt vor die Linse und damit ins Internet kommt. Auch hiesige Badmeister sind sensibilisiert.
20. Juni 2017, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Ein Voyeur ist in der Badi auf der Pirsch und macht mit dem Smartphone Schnappschüsse. Doch problematische Badi-Fotos können auch unabsichtlich ent­stehen. Man fotografiert seine Freunde oder Familie, ohne sich zu achten, wer im Hintergrund noch alles ins Bild gerät. Eine Minute später ist der Schnappschuss auf Facebook oder Instagram geteilt. Und schon landen Badi-Besucher in Bikini und Badehosen oder gar «oben ohne» im Internet – ohne es zu wissen. In vielen Badis dürfen solche Fälle eigentlich nicht geschehen, da das Fotografieren verboten ist (siehe Ausgabe vom 10. Juni). In der Badeordnung des Strandbads Lido in Luzern heisst es etwa: «Die Verwendung von Bild- und Tonaufzeichnungen ist grundsätzlich nicht gestattet.»

Laut dem Verband Hallen- und Freibäder kennen das Problem viele Badis. Er stellt deshalb für die Kampagne verschiedene Plakate zur Verfügung. «Erst fragen, dann fotografieren!», lautet der Slogan des Plakats für jene Badi-Betriebe, in denen Fotografieren erlaubt ist. Ein solches Plakat will auch Leander Walker, Badmeister der Badi Hergiswil. Allerdings sei es noch nie zu Problemen gekommen. «In unserer kleinen Badi kenne ich fast jeden Gast. Sogenannte Spanner gehen eher in grössere Badis, wo sie anonym sind.» Auch habe er einen guten Überblick. «Fällt mir jemand auf, der fremde Leute fotografiert, würde ich ihn sofort zur Rede stellen. So etwas würde ich nicht dulden.» Beliebt bei den Gästen sei das Fotografieren von der Terrasse aus – wegen des schönen Panoramas. Damit habe auch niemand ein Problem.

«Unsere Badi ist rundherum einsehbar. Vor allem Touristen fotografieren oder filmen vom Schiff aus, wenn sie vorbeifahren. Da kann ich gar nichts machen», sagt Godi Amatter, Badmeister des Strandbads Lungern. Das habe aber bis jetzt noch nie zu Problemen geführt. Fotografieren von fremden Personen käme wohl eher in urbanen Badis vor mit 5000 Gästen täglich und nicht in einer kleinen Familienbadi wie in Lungern mit rund 250 Besuchern. «Sollte jemand Grenzen überschreiten, würden sich die Badigäste bestimmt bei mir melden.»

In der Badeordnung festgeschrieben

Beim Strandbad Buochs-Ennetbürgen steht unter anderem in der Betriebs- und Badeordnung, dass das Fotografieren von Personen ohne deren Erlaubnis oder zu Erwerbszwecken verboten sei. Damit sei man bisher gut gefahren, meint Badmeister Max Strohbach auf Anfrage. Mit der Betriebskommission will er abklären, ob man trotzdem Plakate des Verbands Hallen- und Frei­bäder aufstellen soll, um die Leute für das Thema Fotografieren zu sensibilisieren.

«Die Landschaft oder die eigenen Kinder zu fotografieren ist natürlich gestattet.» Ihm macht ein anderes Problem Sorgen. «Viele Mütter lassen sich durch ihr Smartphone ablenken, statt ihre Kinder zu beaufsichtigen. Wenn ich diese Situation antreffe, spreche ich die Mütter an und weise sie auch auf ihre Aufsichtspflicht hin.»

Persönlichkeitsschutz als grosses Anliegen

In der Badi Stansstad ist die Verwendung von Bild- und Ton­aufzeichnungsgeräten inklusive Handys grundsätzlich nicht gestattet. «Der Persönlichkeitsschutz unserer Gäste ist uns ein grosses Anliegen», meint Betriebsleiter Philippe Joss. Probleme habe es damit noch nie gegeben. «Mir fällt auf, dass unsere Badigäste nicht ständig mit dem Smartphone herumlaufen.» Auch sei man kulant: «Wenn ein Grossvater sein Enkelkind fotografiert, ohne dass weitere Personen im Bild sind, drücken wir ein Auge zu.»

In der Sarner Seefeld-Badi schweigt sich die Badeordnung zum Thema Fotografieren aus. «Mir sind bis jetzt aber keine Probleme zu Ohren gekommen», so Betriebsleiter Max Thoma. In Zeiten, wo fast jeder ein Smartphone bei sich führe, wäre eine Überwachung oder gar Durchsetzung eines allfälligen Fotografierverbots ohnehin schwierig. Dieses gesellschaftliche Phänomen, alles zu fotografieren und ins Internet zu stellen, tauche überall auf. «Da müsste man bei Grossanlässen wie etwa bei Schwingfesten auch Massnahmen ergreifen.»


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