Im Clinch mit Aufsässigen

NIDWOUDÄ ⋅ «Ich trete in den Staatsdienst ein», sagte sich vor langer Zeit – die Eidgenossenschaft war noch nicht einmal 700-jährig – ein Bürger, gerade fertig mit seinen Studien über Recht und Unrecht.
08. Februar 2018, 07:53

Ohrengrübel

#mehghäimnis

Schliesslich ist einem so das Gehalt auf sicher, bezahlt vom braven Steuerzahler. Man braucht sich nicht um aufsässige, anspruchsvolle, unbequeme Kunden zu kümmern, muss sich nicht um Einnahmen und Umsätze sorgen. Doch das wäre ja zu schön, um wahr zu sein. Denn da gibt es, wie blöderweise in einer Demokratie üblich, sozusagen eine vierte Gewalt, die schreibende Zunft. Und die kann ziemlich aufsässig sein, wie er in jüngerer Vergangenheit erfahren musste. Sie ist so dreist, Fragen zu stellen, die nicht im Sinne des gelandeten Schreibers sind. Da gerät doch seine Ideologie, die seit Jahren so gut funktioniert hat, arg ins Wanken: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Seine Lieblingsantworten auf bohrende Fragen wie etwa zur Beschwerde zur Flugplatz-Abstimmung der schreibenden Zunft ähneln sich: «Ich weiss nichts.» – «Ich will nichts sagen.» – «Ich kann nichts sagen.» – «Was soll diese Frage?»

Auch die Eidgenossen ob dem Wald haben mit ihrem gelandeten Schreiber spezielle Erfahrungen gemacht. Zum Abschluss seiner unauffälligen Karriere im Rathaus zu Sarnen durfte er ein erstes und letztes Mal vor dem Kantonsparlament reden: «9 Jahre und 2 Tage bin ich nun hier und darf erstmals vor Ihnen reden.» Er musste zu einem Geschäft der Staatskanzlei Auskunft geben. Böse Zungen behaupten, auch die Regierung habe die Tage gezählt, bis Steven Höseli nun seinen gut bezahlten Ruhestand angetreten hat.


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