Im See liegt enorm viel Energie brach

BÜRGENSTOCK ⋅ Das Bürgenstock-Resort wird mit Seewasser beheizt und gekühlt. Die komplexe Energiezentrale ist die erste ihrer Art am Vierwaldstättersee. Mit solchen Anlagen könnte der See den Wärmebedarf von 300000 Personen decken.
18. Mai 2017, 05:00

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

Als der Hotelpionier Josef Durrer 1888 die Konzession erhielt, für sein Parkhotel auf dem Bürgenstock Seewasser nutzen zu dürfen, dachte er wohl kaum daran, dass es heute nicht nur als Trinkwasser gebraucht wird, sondern die zentrale Rolle als Energieträger einnimmt. Wie damals wird das Wasser des Vierwaldstättersees vor Kehrsiten gefasst, leistungsstarke Pumpen befördern 78 Liter Wasser pro Sekunde (oder rund 300 Kubikmeter pro Stunde) über 500 Höhenmeter auf den Berg ins alte Frischwasserreservoir. Von diesem «Speichersee» aus wird es in die Energiezentrale geleitet und von Wärmepumpen auf 45 bis 55 Grad erwärmt und dann auf die verschiedenen Gebäude des Bürgenstock-Resorts verteilt. Genutzt wird es dort direkt für Heizungen oder als Energiequelle für die gebäudeeigenen Wärmepumpen.

Für die Kühlung wird das Seewasser direkt genutzt. Denn 37 Meter unter der Wasseroberfläche, wo es entnommen wird, liegt die Temperatur permanent bei 5 bis 7 Grad. So deckt das Seewasser 70 bis 90 Prozent des Wärmebedarfs und übernimmt die ganze Kühlung. Das genutzte Wasser wird wieder in den See geleitet. Dabei fliesst es durch eine Turbine, die einen Teil der Energie zurückgewinnt, die zum Hochpumpen verwendet wird.

See könnte Wärmebedarf der ganzen Region decken

Gesteuert wird die Energiezentrale mit Systemen der Siemens Schweiz AG. Im Gegensatz zu den Hotels ist diese Anlage bereits seit Januar 2016 in Betrieb. Siemens nutzte gestern ihre Halbjahrespressekonferenz, um den Medien die Anlage zu zeigen, die in dieser Art die erste am Vierwaldstättersee ist (eine weitere baut Siemens am Zugersee). Der See könnte pro Jahr 2900 Gigawattstunden Energie liefern, was dem Wärmebedarf von 300000 Einwohnern entspräche. Auf die Frage, ob es sich für Siemens um ein Referenzprojekt handle, meinte CEO Siegfried Gerlach: «Bezüglich Seewassernutzung ja, weil die Anlage zeigt, welch grosses Potenzial darin steckt und wir das Interesse dafür fördern möchten.» Diesbezüglich freue man sich auch, vom grossen öffentlichen Interesse am Bürgenstock-Resort zu profitieren. Mit Blick auf die aktuelle Frage der Energieversorgungs­sicherheit müsse er aber Nein ­sagen. «Siemens bietet ja noch andere Methoden zur Energiegewinnung an. Zur Sicherstellung der Versorgung braucht es aber alle verfügbaren Möglichkeiten.»

  • SCHWEIZ MK EROEFFNUNG BUERGENSTOCK RESORT

550 Millionen Franken hat eine Gruppe Investoren in die Hand genommen, um auf dem Bürgenstock zu bauen. Das neue Resort ist offiziell eröffnet worden. Der Baufortschritt in unserer Bildergalerie.

Video: Mega-Hotelbauprojekt: Schlussspurt auf dem Bürgenstock

Ab August 2017 soll das Mega-Hotelprojekt auf dem Bürgenstock hoch über dem Vierwaldstättersee schrittweise eröffnet werden. Drei Monate vor der Eröffnung ist allerdings erst das Palace Hotel fertig erstellt. (Detlev Munz/sda, 17. Mai 2017)




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