In die Geschichte des restaurierten Pfarreihelferhauses eingetaucht

WOLFENSCHIESSEN ⋅ Das restaurierte Pfarrhelferhaus öffnete seine Türen für interessierte Besucher. Die Nutzung der Räume hatte im Vorfeld des kniffligen Umbaus zu reden gegeben.
12. September 2017, 04:39

«Es war sehr spektakulär», erinnerte Architekt Peter Mathis an den schwierigsten Arbeitsschritt beim Umbau des Pfarrhelferhauses, als die ganze hintere Wand des Hauses rausgenommen wurde. «Wir mussten aufpassen, dass das Haus nicht in sich zusammenfällt.» Aus Anlass des europäischen Denkmaltags führten er und Projektleiter Toni Niederberger das interessierte Publikum durch das Gebäude, das 1806 erbaut und nun umfassend umgebaut und restauriert wurde. Es liegt direkt an der Strasse vor dem Hügel, auf dem sich die Kirche und der Friedhof befinden.

Die Aussenfassade wurde originalgetreu restauriert und wertet das Dorfbild optisch auf. Einzig der aussen angebaute Liftschacht lässt den Umbau erahnen. Durch ihn sind jede der drei Etagen und auch die Kirche mit dem Rollstuhl erreichbar. Daneben wurde ein neues Treppenhaus errichtet, womit die hintere Wand, die von der Feuchtigkeit des nahen Hügels angegriffen war, ersetzt wurde. Ausserdem wurde durch die Verlagerung des Treppenhauses hinter das Haus auch Platz in den Räumen selbst gewonnen. Die Verankerung der Baugrube dazu stellte die Bau­mannschaft vor ungeahnte Herausforderungen, wie Toni Niederberger mit einem Schmunzeln erzählt: «Wir waren uns zuerst nicht sicher, wie tief wir Richtung Gräber graben dürfen.»

Der Umbau dauerte etwa ein Jahr. Die Stuben im ersten Stock sind am ursprünglichsten geblieben, Wände, Decke und Böden noch mit den ursprünglichen Hölzern verkleidet, ein Buffet aus der Bauzeit dient als Zeitzeuge. Nur die Decke wurde um zwei Handbreiten angehoben. Der oberste Stock erfuhr die grösste Veränderung: Das ehemalige Dachzimmer und der dritte Stock wurden zu einem Raum zusammengefügt und das Haus so von vier auf drei Etagen verkleinert.

Es blieb kein Platz für gewünschte Wohnungen

In der Bevölkerung hatte es vorgängig Diskussionen gegeben, ob man nicht lieber Wohnraum schaffen sollte. «Aber es hatte keinen Platz mehr für Wohnungen neben der Nutzung für die Pfarrei», meinte Toni Niederberger. «Das Gebäude ist nicht gross,» fügte Peter Mathis an. In den grösseren Obergeschossen betrügen die Aussenmasse gerade mal 10 auf 10 Meter. Und der Veranstaltungsraum finde Anklang bei der Bevölkerung und werde regelmässig genutzt. Auch an diesem Tag: Nach der Führung tagte hier der öffentliche Stammtisch der Denkmalpflege. Dieser erfreute sich reger Teilnahme. Auch bei den anderen Führungen am Samstag in Nidwalden waren nach Auskunft der Denkmalpflege alle verfügbaren Plätze genutzt worden. In Obwalden stiessen die Führungen in Sarnen, Sachseln und Giswil auf reges Interesse: Trotz schlechten Wetters nahmen rund 200 Besucher daran teil, wie Denkmalpfleger Peter Omachen mitteilte.

Silvia Embacher

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch


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