Kommissionen wollen die Ausweichstellen auf der Kehrsitenstrasse

NIDWALDEN ⋅ Im Kampf um vier zusätzliche Ausweichstellen auf der Kehrsitenstrasse bekommt die Begleitgruppe Rückendeckung von den Landratskommissionen. Auch sie finden, dass die Mehrkosten von 2,5 Millionen Franken für die Sicherheit gerechtfertigt sind.
17. Juni 2017, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Die geforderten zusätzlichen Ausweichstellen sind noch nicht vom Tisch, auch wenn sie der Regierungsrat aus Kostengründen aus dem Sanierungsprogramm gestrichen hat. Die landrätliche Kommission für Bau, Planung, Landwirtschaft und Umwelt (BUL) sprach sich nach einem Augenschein vor Ort einstimmig dafür, diese Ausweichstellen wieder ins Projekt aufzunehmen. «Wenn man schon die Kehrsitenstrasse aufwendig saniert und für den Verkehr ein ganzes Jahr sperrt, soll man es gleich richtig machen – und die vier zusätzlichen Ausweichstellen bauen», meint BUL-Präsident und SVP-Landrat Martin Zimmermann (Ennet­bürgen).

Dies sei insbesondere wichtig im Hinblick auf die Eröffnung des Bürgenstock-Resorts, wenn auch auf der Kehrsitenstrasse mit mehr Ausflüglern zu rechnen sei, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs seien. «Damit wird die Strasse für Fussgänger und Velofahrer sicherer, wenn die Autos nicht mehr zurücksetzen müssen», so Zimmermann weiter. Konkret sind solche Kreuzungsstellen für Autos nach der Harissenbucht, zwischen Fischer­eggkurve und Galerie, zwischen Steinbruch und Hüttenort und nach weiteren rund 400 Metern geplant. Die Kosten für die Verbesserung der Verkehrsqualität auf der Kehrsiten­strasse würden sich damit um rund 2,5 Millionen auf 4,6 Millionen Franken erhöhen. Martin Zimmermann erachtet diese Mehrkosten als gerechtfertigt: «Die Sicherheit auf dieser schmalen Strasse wird dank Ausweichstellen erhöht.»

Teilweise schmaler als 3,2 Meter

Die in den Jahren 1878/79 erbaute Strasse ist teilweise schmaler als 3,2 Meter, Autos können daher nur in Ausweichstellen kreuzen. Auch die Finanzkommission hat sich mit 7 zu 1 Stimmen (bei keiner Enthaltung) für die Ausweichstellen ausgesprochen – mit derselben Begründung wie die BUL. Damit sprechen die beiden Landratskommissionen der Begleitgruppe Kehrsitenstrasse sozusagen aus dem Herzen. Diese hatte sich vehement für die zusätzlichen Ausweichstellen eingesetzt. Vor allem der Sicherheit wegen und ebenfalls im Zusammenhang mit dem erwarteten Mehrverkehr (Velos/Fussgänger) durch die Eröffnung des Bürgenstock-Resorts, wie Andy Christen von der Begleitgruppe bereits Ende Mai gegenüber unserer Zeitung ausgeführt hat.

Zuversichtlich, dass der Landrat einlenkt

BUL-Präsident Martin Zimmermann gibt sich zuversichtlich, dass der Landrat an seiner nächsten Sitzung vom 28. Juni im Sinne der Begleitgruppe und der Kommissionen stimmen wird, zumal er auch denke, dass die SVP-Fraktion mehrheitlich dahinterstehe – die SVP stellt 17 der total 60 Landratsmitglieder und ist somit zusammen mit der CVP die stärkste Fraktion im Nidwaldner Parlament.

Die Begleitgruppe hatte sich bereits im März gegen das aufgelegte Projekt ohne zusätzliche Ausweichstellen gewehrt. Doch die Regierung hielt an ihrer Variante fest: «Wir wollen keinen zusätzlichen Ausbau der Strasse, sondern den bestehenden Charakter und das Verkehrsregime beibehalten», begründete Ende Mai Baudirektor Josef Niederberger gegenüber unserer Zeitung die Haltung der Regierung. Auch befürchte er mit Ausweichstellen Mehrverkehr und höhere Geschwindigkeiten.

Diese Argumentation kann Martin Zimmermann nicht nachvollziehen. «Das ist an den Haaren herbeigezogen. Mehrverkehr ist ausgeschlossen, weil ja nur Anwohner und Autofahrer mit Spezialbewilligung mit dem Auto die Kehrsitenstrasse benützen dürfen. Und schneller gefahren wird wegen der Ausweichstellen sicher auch nicht. Wichtig ist, dass das Verkehrsregime auch durchgesetzt wird.»

Die Ausweichstellen wurden Opfer einer abgespeckten Vari­ante. Statt wie ursprünglich 17,4 Millionen will die Regierung nur noch rund 13,9 Millionen Franken in die Sanierung der Strasse investieren. Dies im Sinne eines ausgewogenen Kosten-Nutzen-Verhältnisses, hiess es von Sei­ten Regierung Ende Februar. 800 000 Franken werden eingespart, weil die Sanierung nicht auf drei Winterhalbjahre verteilt, sondern in einem Zug während eines Jahres durchgeführt wird. Die restlichen 2,7 Millionen will die Regierung bei der Verbes­serung der Verkehrsqualität einsparen – dazu gehören auch die Ausweichstellen. Anstelle von 43 Massnahmen sollen nur 24 umgesetzt werden. Neben der Verbesserung von bestehenden Ausweichstellen soll es zusätzlich 14 Massnahmen für den Langsamverkehr wie Nischen oder Podeste geben. Das Projekt zwischen General-Guisan-Quai und der Kapelle Kehrsiten umfasst auch Massnahmen für den Steinschlagschutz und die Amphibien.


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