Luchspopulation nimmt weiter zu

NIDWALDEN/OBWALDEN ⋅ Der Luchs fühlt sich so wohl wie nie zuvor in der Zentralschweiz. Im Vergleich zu den letzten Fotofallenaufnahmen im Winter 2013/14 stieg die Zahl der Luchse deutlich an.
18. Juli 2017, 05:00

Amanda Amstad

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Seit der Aussetzung zweier Luchse in Obwalden im Jahr 1971 hat sich im Bestand einiges getan. Die neusten Ergebnisse dazu liefert die Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora), welche im vergangenen Winter mittels Fotofallen den Luchsbestand erforschte. Ein Blick auf das Untersuchungsergebnis zeigt, dass die Population der Luchse weiter angestiegen ist. Laut einer Medienmitteilung von Kora, gibt es nun eine Dichte von 2,5 Luchse pro 100 Quadratkilometer geeignetem Lebensraum im Referenzgebiet Zentralschweiz Mitte. Zu diesem Gebiet zählen Teile von Nidwalden, Obwalden, Uri und auch Bern.

Das Ergebnis, welches die Kora präsentiert, erstaunt auch den Obwaldner Jagdverwalter Cyrill Kesseli: «Diese Zahl hätten wir nicht erwartet, da die Aufnahmen im letzten Winter bei 1.54 Tiere pro 100 Quadratmeter lag. Im Vergleich: Im Referenzgebiet Zentralschweiz West und somit im westlichen Sarneraatal liegt die Dichte bei 2.09 Tieren je 100 Quadratkilometer geeignetem Lebensraum.» Dass die Zunahme auch in Nidwalden bemerkbar ist, bestätigt Fabian Bieri, Leiter für Jagd und Fischerei Nidwalden. Er erklärt sich das Wachstum folgendermassen: «Der Bestand nimmt vermutlich zu, weil noch genügend Lebensraum vorhanden ist. Zudem fehlt ihm ein natürlicher Feind.» Kesseli begründet den Anstieg mit dem vorhandenen Angebot an Nahrung: «Der Luchsbestand steht und fällt mit dem Beuteangebot, welches hauptsächlich aus Reh und Gämse besteht.»

Der Luchs, Fluch oder Segen für die Zentralschweiz?

Wegen der geeigneten Bedingungen haben sich in Nidwalden rund fünf und in Obwalden rund zehn Tiere angesiedelt. «Luchse haben ein enorm grosses Streifgebiet und kennen keine Kantonsgrenzen», so Kesseli. Solch eine Zunahme sei mit Auswirkungen auf die Natur verbunden. Je mehr Luchse durch die Zentralschweiz streifen, desto geringer ist der Bestand an Reh und Gams. Für die Zukunft prognostiziert Fabian Bieri ein Einpendeln der Population. Zudem merkt er an, dass der Druck auf die Tiere enorm ist, weil der Mensch immer mehr in den natürlichen Lebensraum der Wildtiere eindringt. Für Cyrill Kesseli ist klar, dass der Luchs als ein­heimisches Wildtier in unsere Wälder gehört. Trotzdem muss in Zukunft auch über Regulie­rungsmassnahmen nachgedacht werden. «Die Frage ist, ob man beschliessen will, regulierend auf den Luchsbestand einzuwirken oder nicht. Dies ist jedoch eine gesamtgesellschaftliche Frage, die nur durch die Politik beantwortet werden kann.»


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