«Hirschen»-Wirtin: «Modernes gibt es schon genug»

BUOCHS ⋅ Im «Hirschen» in Buochs ist alles wieder beim Alten. Genau so gefällt es den Stammgästen und Wirtin Romy Barmettler, die die Traditionsbeiz nach dem verheerenden Brand im März gerettet hat.
29. Dezember 2017, 07:56

Wer den «Hirschen» in Buochs betritt, wird sofort von der rauchigen Wärme der Gaststube umfangen. Ältere Herren sitzen vor ihrem «Kafi Schnaps», Schlagermusik dudelt aus den Boxen, ein Schild bietet Kalbsleber mit Rösti an. Kaum vorstellbar, dass hier vor einigen Monaten alles unter Wasser stand. Mitte März brach im «Hirschen» ein Brand aus. Die Ursache ist inzwischen geklärt: ein technischer Defekt in der Wohnung von Wirtin Romy Barmettler. Das Feuer verwüstete die fünf Wohnungen in den oberen Stockwerken, das Löschwasser überschwemmte die Säle und die Gaststube.

«Es entstanden Schäden in Millionenhöhe», sagt Barmettler und zapft schnell ein Bier für einen Gast. Sie ist in ihrem Element, plaudert hier mit den Männern um den Stammtisch, kassiert dort etwas ein. Lange hatte es nicht danach ausgesehen, als könnte sie in den «Hirschen» zurückkehren. Der frühere Eigentümer Felix Blättler überlegte sich nach dem Brand, das Gebäude abzureissen oder innen neu auszubauen. «Wir haben den ‹Hirschen› dann gerettet», sagt Barmettler. Mit Geschäftspartner Walter Brun vom Restaurant Allmendhuisli in Stans kaufte sie Blättler das Gebäude ab – und veränderte rein gar nichts. Die Gaststube, das Sherlock’s Pub auf der gleichen Etage und auch die Säle wurden genau so restauriert, wie sie immer waren. «Uns ging es darum, die Traditionsbeiz zu erhalten», sagt Romy Barmettler. «Modernes gibt es schon genug.»

Die lebensrettende Katze Lisi fehlt ihr

Der «Hirschen» ist Barmettlers Lebenswerk: Seit 22 Jahren führt sie das Restaurant. Entsprechend schwer traf der Brand die 65-Jährige. «In der Beiz steckt so viel Herzblut drin. Das Feuer hat mich schon sehr geprägt.» Der Wirtin fehlt auch Katze Lisi, die sie am Morgen des Feuers auf­geweckt hatte und dann verschwand. Nach fieberhafter Suche fand Barmettler das Büsi beim Räumen tot in ihrer Wohnung auf. «Sie ist für mich ge­gangen», sagt die Wirtin heute. «Ohne Lisi gäbe es mich und die anderen Bewohner des Hauses nicht mehr.»

Die Wohnungen in den oberen Stockwerken werden noch renoviert, Mitte Februar sollen sie bezugsbereit sein. Neue Mieter sind bereits gefunden; Romy Barmettler wird nicht dazugehören. «Das geht für mich psychologisch nicht. Ich brauchte einen Neu­anfang und habe ein paar Meter vom ‹Hirschen› entfernt eine schöne Wohnung gefunden.»

Kraft gegeben hat ihr im Frühling und Sommer der Betrieb des Seebeizlis. «Wenn ich das nicht gehabt hätte, hätte ich wohl nicht die Energie aufgebracht, weiterzumachen», sagt Barmettler. «Durch das Beizli hatte ich eine Aufgabe, ich wurde gebraucht.» Wichtig sei ihr auch die Unterstützung des Personals und des ganzen Dorfes gewesen. Seit der Neueröffnung Ende September hat der «Hirschen» noch mehr Gäste als früher. «Viele neue Gäste haben von unserem Schicksal gehört», erzählt Barmettler. «Und die Stammgäste hatten Freude, dass wir alles wieder so aufgebaut haben, wie es war.»

Auch Weihnachten und Neujahr bei den Gästen

Der «Hirschen» ist 365 Tage im Jahr geöffnet. Auch Weihnachten und Neujahr verbringt Barmettler mit ihren Gästen. «Das gibt mir sehr viel, ich finde es gar nicht stressig», meint die Wirtin. Der soziale Aspekt der Dorfbeiz ist ihr wichtig. «Viele Leute haben ja sonst niemanden.»

Trotzdem hat sich Romy Barmettler vorgenommen, sich im nächsten Jahr etwas mehr Ruhe zu gönnen. Sie will Zeit mit ihren Töchtern verbringen und Freunde in Wien besuchen. Die Energie soll der «Hirschen»-Wirtin schliesslich nicht bald ausgehen: «Ich mache mindestens noch fünf Jahre weiter.»

Franziska Herger

franziska.herger@nidwaldnerzeitung.ch


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