Nadelöhr Lopper wird zur Grossbaustelle

NID-/OBWALDEN ⋅ Der Verkehr am Lopper Richtung Norden soll dank der Umnutzung des Pannenstreifens flüssiger werden. Bis es so weit ist, drohen noch viele Staustunden. Bis ins Jahr 2023 dauert nämlich die Erneuerung von Autobahn und Kantonsstrasse.
13. Oktober 2017, 19:48

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

50000 Fahrzeuge verkehren täglich auf den Strassen am und im Lopper, die meisten auf der Autobahn A2. Doch immer wieder kommt das System an den Anschlag – Verkehrsüberlastung oder Unfälle führen zu Staus in Nid- und Obwalden. Zudem hat der Zahn der Zeit an etlichen Bauwerken genagt. Doch im Januar 2018 fahren die ersten Baumaschinen auf. Zwei Projekte werden bis 2023 realisiert: Ausfahrt A2 mit Kantonsstrasse Lopper Nord und Lopperviadukt sowie Autobahn A2 in Hergiswil.

Die beiden benachbarten Bauvorhaben werden zeitlich koordiniert ablaufen. Insgesamt belaufen sich die Investitionen auf 161 Millionen Franken (siehe Kasten). Davon entfallen auf den Kanton Nidwalden «nur» rund 4 Millionen Franken für die Kantonsstrasse zwischen Hergiswil und Stansstad. Zudem trägt die Gemeinde Hergiswil 9,5 Mil­lionen Franken der Lärmschutzkosten im Projektteil der Autobahnsanierung. Am Freitagabend informierten Vertreter des Bundesamtes für Strassen (Astra) und des Kantons die Bevölkerung über das detaillierte Projekt und den Bauablauf.

Zuerst die Kantonsstrasse, dann die Autobahn

Im ersten Projektteil werden von Januar 2018 bis Ende Juni 2019 die Kantonsstrasse, das Lopperviadukt und die Ausfahrt Hergiswil erneuert. Die Arbeiten umfassen Ersatz und Verstärkung des Belags, Instandsetzung und Ergänzung der Strassenentwässerung und der Stützmauern, den Ersatz der Fahrzeugrückhaltesysteme und Geländer. In der gleichen Bauphase werden auch die Stützen des Lehnenviadukts als Vorausmassnahme für die Etappe 2022/23 ersetzt. Die Stützen und Viadukte stammen aus dem Jahr 1963, die Sicherheitsanlagen sind seit 1965 in Betrieb, entsprechend ist ihr Zustand. Bei den Lehnenviadukten erfolgen die Arbeiten wie Betoninstandsetzungen, Ersatz der Abdichtung und des Belags, Umbau der Entwässerung oder die Instandsetzung der Stützmauern erst in der Bauphase 2022/23. Bei den drei Galerien werden im Jahr 2018 Betoninstandsetzungen durchgeführt und die Abdichtung ersetzt.

Erst im zweiten Projektteil wird die Autobahn bei Hergiswil in Stand gesetzt. Kunstbauten, Beläge und Trassees werden erneuert, die Galerie wird gegen Erdbeben und Anpralllasten verstärkt. Zudem werden die Lärmschutzwände entlang der A2 durch Hergiswil auf 5,6 Meter erhöht, um den Lärm für die Gemeinde weiter zu reduzieren.

Pannenstreifen wird zur dritten Spur

Für die Verkehrsteilnehmer am spürbarsten: Zwischen der Verzweigung Lopper A8/A2 und der Einfahrt Hergiswil in Richtung Luzern wird der Pannenstreifen zur dritten Fahrspur ausgebaut, die bei hohem Verkehrsaufkommen temporär für den Verkehr freigegeben wird. Dafür wird die Spur Richtung Nord um insgesamt 1,5 Meter verbreitert und die Signalisationen angepasst. Damit wird die Einfahrtsspur aus Richtung Obwalden verlängert (siehe Bild). «Die Verkehrssicherheit wird erhöht und der Verkehrsfluss verbessert», sagt Astra-Pressesprecherin Esther Widmer. «Eine derartige Umnutzung des Pannenstreifens gibt es bisher erst auf der Autobahn zwischen Morges und Écublens. Dieses Pilotprojekt ist ein voller Erfolg», betont Esther Widmer.

Sogar Traktoren auf der Autobahn

Wie immer bei solchen Projekten ist das Bauen unter Verkehr eine der grössten Herausforderungen. Während der Bauarbeiten am ersten Projektteil von Februar bis Dezember 2018 wird der gesamte Verkehr inklusive landwirtschaftlicher Fahrzeuge wie Traktoren zwischen der Auffahrt Reigeldossen und der Ausfahrt Hergiswil auf den ehemaligen Autobahnabschnitt A2 umgeleitet. In der Broschüre des Astra heisst es, man habe darauf geachtet, die Verkehrsbehinderung auf ein Minimum zu reduzieren. Es sei aber schwer kalkulierbar und könne trotzdem zu Staus kommen. Auch Stephanie von Samson, Nidwaldner Kantonsingenieurin, baut darauf, dass ein Chaos ausbleibt. «Viel Spielraum haben wir angesichts der engen Platzverhältnisse nicht. Wir werden die Situation ständig mit der Kantonspolizei im Auge behalten und wo nötig versuchen, weitere Massnahmen zu ergreifen.» Eingesetzt werden Ampeln zur Verkehrsdosierung, Verkehrsdienste oder Teilsperrungen. Die Erfahrungen bei der Sanierung der Achereggbrücke wurden laut Astra ebenfalls berücksichtigt.

Realisiert werden alle Arbeiten unter Federführung des Astra. Die baulichen Vorkehrungen, welche die Kantonsstrasse betreffen, werden im Auftrag des Kantons realisiert. Es sei eine enge und sehr gute Zusammenarbeit mit dem Astra erfolgt, sagt Stephanie von Samson. «Dadurch können wir Synergien nutzen, was eine deutliche Kosten- und Aufwandreduktion bringt.»

Die Broschüre dazu finden Sie hier.

Bescheidener Aufmarsch

Hergiswil Rund 80 Personen fanden am Freitagabend den Weg in den Loppersaal, wo die Baudirektion Nidwalden und das Bundesamt für Strassen die Bevölkerung informierten. Gemeindepräsident Remo Zberg machte in seiner Begrüssung diese wenig erfreuliche Mitteilung: «Die vielen Baustellen in Hergiswil werden auch in den nächsten Jahren bestehen.» Damit meinte er nicht nur jene im Zusammenhang mit der A2, sondern auch viele andere geplante Bauvorhaben.

Zur A2-Sanierung sagte Baudirektor Josef Niederberger: «Für mich ist der Lopper beeindruckend. Was dieser Berg, der mit sehr steilen Flanken aus dem See herausragt, alles bietet, ist faszinierend.» Der Lopper und die Mobilitätssituation bedeuteten Lebensraum, Freiheit und Wohlstand. Nach der Präsentation gab es an die Referenten Fragen aus dem Publikum etwa zu Bauablauf und Baulärm oder kritische Worte im Zusammenhang mit dem Bypass. Wie können wir «Gubrist-ähnliche» Zustände verhindern?, fragte etwa Guido Thalmann. Worauf der Gemeindepräsident versicherte, dass er diese Frage zusammen mit Bundespolitikern angehen werde.

(KL)


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